Hilfswerk

Integration: Gemeinsamkeiten im fremden Alltag

Ayten Gülkanat-Sarlar und Simon Libsig blickten eine Woche lang in den Alltag des anderen. Foto: Walter Schwager

Ayten Gülkanat-Sarlar und Simon Libsig blickten eine Woche lang in den Alltag des anderen. Foto: Walter Schwager

Zum Thema Integration teilten zwei Personen ihren Alltag. Der Blickwechsel fand im Rahmen der zweiten Integrationswoche statt, die das Hilfswerk Heks veranstaltete.

Zum Schluss gab es ein typisch türkisches Dessert auf dem Balkon von Ayten Gülkanat-Sarlar. Bestehend aus Tee und Baklava, der süssen Spezialität des Nahen Ostens. Das orientalische «Zvieri» bildete den Abschluss eines «Blickwechsels» zwischen der Heks-Dolmetscherin Ayten Gülkanat-Sarlar und dem Aargauer Poet und Bühnenautor Simon Libsig. Unter dem Titel «Blickwechsel» haben in dieser Woche in allen Regionen der Schweiz Begegnungen zwischen einem Vertreter des Heks und einer bekannten Persönlichkeit stattgefunden. Der «Blickwechsel» fand im Rahmen der zweiten Integrationswoche statt, die das Hilfswerk Heks veranstaltete. «Das Heks will mit dieser Woche den Menschen, mit denen wir arbeiten, eine Stimme geben und auf ihre Situation aufmerksam machen», sagt Claudia Rederer, die Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit.

Workshop und Stadtrundgang

In den letzten Tagen erhielten Simon Libsig und Ayten Gülkanat-Sarlar einen Einblick in den Alltag ihres Gegenübers. Der Bühnenautor liess sich von Gülkanat-Sarlar «ihr» Olten zeigen und sie besuchte im Gegenzug einen Workshop, den Libsig bei einer Schulklasse durchführte. Bei beiden stand zu Beginn die Neugier auf einen anderen Alltag im Zentrum. Libsig merkte jedoch schnell, dass ihre Leben gar nicht so unterschiedlich sind: «Wir haben fast mehr Gemeinsamkeiten entdeckt als Dinge, die uns trennen.» Als Basis dient die Sprache, zu der beide eine intensive Beziehung pflegen. «Wenn Ayten übersetzt, ist jedes Wort wichtig, genau wie bei mir, wenn ich auf der Bühne stehe», erzählt Libsig.

Bei einem Spaziergang durch Olten zeigte Ayten Gülkanat-Sarlar ihrem Gast ihre liebsten Ecken. Aufgrund der Schweigepflicht konnte er nicht bei einer Übersetzung dabei sein. So erzählte sie ihm von ihrer Arbeit und ihrem Leben in der Eisenbahnerstadt und bewirtete ihn am Schluss mit den eingangs erwähnten Baklawa. «Es war ein sehr lockerer Nachmittag. Ich lernte Olten kennen und habe einen Einblick in das Leben von Ayten gekriegt», sagt Libsig.

Am Donnerstag begleitete Gülkanat-Sarlar den Poeten Libsig zu einer Lenzburger Schulklasse. Er führte dort einen Workshop durch. Im Umgang mit den Jugendlichen sah die Heks-Dolmetscherin viele Parallelen zu ihrer Arbeit: «Simon muss das Vertrauen der Schüler gewinnen, wie ich bei meinen Klienten.»

Tipps für die Integration

Ayten Gülkanat-Sarlar und Simon Libsig machten in dieser Woche auf die Migranten in der Schweiz aufmerksam, die sich integrieren sollten. Gülkanat-Sarlar, die mit elf Jahren in die Schweiz kam, weiss, was erfolgreiche Integration ausmacht: «Man sollte offen für Neues sein, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Ich kann jeweils das Beste aus der Türkei und der Schweiz nehmen.» Simon Libsig musste sich zwar nie im klassischen Sinn integrieren, dennoch ist ihm das Phänomen nicht unbekannt: «Ich muss mich immer integrieren, wenn ich vor einem neuen Publikum oder einer neuen Schulklasse stehe.»

Der Kontakt bleibt

Beide Teilnehmer ziehen eine positive Bilanz aus der gemeinsamen Woche. Auch die gewünschten Einblicke haben sie gewonnen: «Es ist beeindruckend, was Simon mit der Sprache anstellt. Ich werde sicher noch einmal eine Show von ihm besuchen», sagt Gülkanat-Sarlar. Auch Simon Libsig nimmt eine bleibende Erinnerung aus dem «Blickwinkel» mit: «Die Baklawa waren ein Highlight. Da habe ich eine ganz andere Ayten kennen gelernt.»

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