Bereits hatte das Jahr 41 Stunden auf dem Buckel, doch erst wenn sich am Himmel über den Musikerinnen und Musikern der argovia philharmonic auf der Bühne vom Tägerhard 30 Kronleuchter vielfach spiegeln und Marc Kissóczy den Dirigentenstab hebt – erst dann ist für viele festlich gestimmte Männer und Frauen das neue Jahr richtig angekommen. Auch üppiger Blumenschmuck darf nie fehlen. Die prachtvollen Rosenarrangements waren gestern ebenso bunt, wie die Vielfalt des musikalischen Programms.

«Wir dürfen hervorragende Musik geniessen, weil es bereits im 18. und 19. Jahrhundert verschiedene Komponisten gab, die ihre Werke in erster Linie zur Unterhaltung der Bevölkerung schufen. Und diese Musik findet auch in unserer, mit Vergnügungs- und Unterhaltungsangeboten überhäuften Zeit noch immer viel Anklang», hielt der neue Landammann Alex Hürzeler fest. Anklang, fuhr er fort, möchte auch die Regierung finden.

Im Gegensatz beispielweise zu Johann Strauss, verstehe sich die Regierung aber nicht als Unterhalterin, «sondern als leitende Behörde und als Repräsentantin eines spannenden, vielfältigen, fortschrittlichen, verantwortungs- und selbstbewussten Kantons Aargau und seiner Bevölkerung.»

Unter dem Lichterhimmel im Saal wurden unter anderem sein Regierungskollege Markus Dieth mit Gattin, Nationalrätin Corina Eichenberger mit Partner und Josef Meier, VR-Präsident der Neuen Aargauer Bank, gesichtet. Ob prominent oder nicht – alle Zuhörer schwelgten in wunderbaren Ohrwürmern ebenso, wie in eher unbekannteren, aber nicht minder begeisternden Melodien.

Argovia philharmonic in Hochform brachte lustvoll und mit Rasse schwergewichtig Ausschnitte aus Werken französischer Komponisten zu Gehör: Aus Bizets «Carmen Suite», Massenets «Le Cid», Delibes «Coppelia», Fauré Pelléas et Mélisande» sowie die Ouvertüre zur Komischen Oper «Zampa» von Louis Hérold.

Als Solist brillierte der japanische Violinist Arata Yumi ebenso mit einer Carmen Fantasie des Oscar-dekorierten Filmmusik-Komponisten Franz Waxmann, wie mit einer Caprice nach Saint-Saëns vom belgischen Komponisten Eugène Ysaye. Mit seiner enormen Virtuosität riss der erst 25-jährige die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen und Bravo-Rufen hin.

Was aber wäre ein Neujahrskonzert ohne Walzerklänge wie Lehàrs «Gold und Silber»? Ebenso rissen herrliche Klänge aus den Federn von zwei Strauss-Brüdern mit: Eine Polka française von Josef Strauss sowie die «Fledermaus»-Ouvertüre und ein Spanischer Marsch von dessen älterem Bruder Johann. Als Schlusspunkt kam Vater Johann mit dem Radetzky-Marsch zum Zug. Ohne diese Zugabe und das frenetisch klatschende Publikum ist nicht nur das Wiener, sondern auch das Wettinger Neujahrskonzert undenkbar.