Der Anruf aus der Redaktion überrascht Ulrich Knopf, Geschäftsführer der EKAG, am Montagmorgen nicht: «Wir haben übers Wochenende vom Smartphone im Rüeblipack gehört und sind davon ausgegangen, dass wir die Rüebli verpackt haben. Lidl ist ein grosser Kunde von uns.»

Daher habe er am Montag selber nachforschen wollen, wo dieses ominöse Telefon denn nun sei. «Wir wollen alles genau rückverfolgen. Nicht nur, um herauszufinden, wem das Telefon gehört. Sondern auch, um zu lernen. Damit in Zukunft keine Handys oder andere Dinge in Rüeblipaketen landen», sagt er und fügt an, dass er so etwas noch nie erlebt habe.

Lidl lohnt sich: Frau fand Handy im Rüeblisack

Lidl lohnt sich: Frau fand Handy im Rüeblisack

Pia Ruf aus Murgenthal kaufte ein Kilo Karotten für Fr. 1.25. Darin fand sie ein Samsung J3 – wem das Handy gehört und wie es in den Sack kam, ist unbekannt. (Tele M1, 6.10.2018)

Noch am Telefon kann Ulrich Knopf dank der Lot-Nummer, die auf der Verpackung aufgedruckt ist, das Abpackdatum herausfinden: Am 1. Oktober sind die Rüebli von der EKAG aufbereitet worden. Am 4. Oktober hat Pia Ruf aus Riken/Murgenthal den Rüeblisack mit dem Samsung-Handy gekauft. Dank der Lot-Nummer kann Knopf auch den Produzenten der Rüebli herausfinden.

Zehn Säcke Rüebli für Finderin

«Wer die Rüebli produziert hat, darf ich Ihnen aus Datenschutzgründen nicht sagen.» Knopf verspricht aber, dass er den Weg des Handys selber weiterverfolgen wird. Daher bittet er, ihm das «Rüebli-Phone» samt Verpackungssack eingeschrieben zuzuschicken. Ausserdem will sich Knopf bei Pia Ruf, die das «Rüebli-Phone» im Sack gefunden hat, melden. «Sie hat für den Ärger, den sie wegen des Handys hatte, etwas verdient. Zehn Säcke Rüebli oder so.»

Ulrich Knopf staunt, dass das Samsung J3 noch funktionieren soll. «Das hat in der Wasch- und Verpackungsanlage einiges durchgemacht und ist ziemlich gebadet worden.» Zuerst würden die Rüebli maschinell gewaschen und kalibriert.

So werden zu kleine und zu grosse Rüebli aussortiert. Auf der automatischen Waage werden die Karotten anschliessend gewogen und verpackt und fallen schliesslich auf ein Förderband. Dort findet dann die optische Endkontrolle statt. «Aussortiert werden beispielsweise Säcke mit kaputten Rüebli», sagt Ulrich Knopf.

«Ein Handy im Rüeblipack sei ja nichts schlimmes»

Doch bevor das «Rüebli-Phone» die Redaktion verlässt, drängt sich eine Frage auf: «Muss der Besitzer des Handys Angst haben vor Konsequenzen?» «Nein», sagt Ulrich Knopf. Ein Handy im Rüeblipack sei ja nichts Schlimmes.

Einen Rüffel kassieren könnten eher diejenigen, die nach dem Verpackungsvorgang die Endkontrolle gemacht haben. «Aber wissen Sie», so Ulrich Knopf, «nach acht Stunden am Förderband sieht man auch nicht mehr alles. Ich weiss das, ich habe diese Arbeit selber gemacht, als ich jünger war.» Trotzdem dürfe natürlich auf keinen Fall ein Handy oder ein anderer Fremdgegenstand im Rüeblisack landen, betont er.

An der Kasse durchgerutscht

Warum ist das Handy im Rüebli-Sack nicht eher entdeckt worden? Bei Lidl Schweiz heisst es, dass beim Kassiervorgang die Artikel zwar im Einzelnen über die Kasse gezogen würden, dabei aber nicht jedes Rüebli in seiner Tüte überprüft werde. So konnte das Handy durchrutschen und Pia Ruf hat es zu Hause auf dem Küchentisch entdeckt.

Zudem teilt Lidl mit, dass man Rücksprache mit dem Lieferanten gehalten habe: «Er wird den Vorgang der Qualitätskontrolle überprüfen.» Genau wie Ulrich Knopf will sich auch Lidl bei Pia Ruf melden und sich für den Vorfall entschuldigen. «Zudem setzen wir alles daran, dass das Handy an seinen Besitzer zurückgelangt.» Das ist auch das Anliegen der Redaktion. Darum ist das «Rüebli-Phone» eingeschrieben auf der Post in Richtung Rüebli-Lieferant.