Bezirksgericht Rheinfelden
Nach 42 Jahren im Fricktal: 68-Jähriger erhält Landesverweis wegen illegalem Waffenhandel

Das Bezirksgericht Rheinfelden verurteilt einen Nordmazedonier, der im grossen Stil mit Waffen handelte und sie auch an Verbrecher verkaufte. Eine seiner Maschinenpistolen kam denn auch bei einem bewaffneten Raubüberfall zum Einsatz.

Ann-Kathrin Amstutz
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36 Monate Freiheitsstrafe für 68-Jährigen aus Rheinfelden – sein Anwalt beharrt darauf, dass die Staatsanwaltschaft ein falsches Bild von seinem Mandanten habe.

Tele M1

Maschinenpistolen, Revolver, Sturmgewehre: Mirko (Name geändert) bezeichnet sich selbst als Waffenliebhaber. «Ich mag es, meine Waffen anzuschauen und zu putzen – es ist ein Vergnügen für Geist und Herz», sagt der 68-jährige Nordmazedonier am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Rheinfelden.

Der Beschuldigte verkaufte Waffen an Verbrecher

Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Mirko hatte nicht nur ein ganzes Waffenarsenal zu Hause, sondern erwarb und verkaufte Schusswaffen im grossen Stil – an normale Sammler, aber auch an Verbrecher: Eine von Mirkos Waffen wurde 2018 in einem Raubüberfall verwendet, dazu später mehr.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Mirko hat mit seinen Waffengeschäften die öffentliche Sicherheit gefährdet. Zwischen 2013 und 2019 hat Mirko mehrere Dutzend Schusswaffen, Tausende Patronen Munition und Zubehör wie Schalldämpfer erworben, verkauft und besessen – ohne dafür eine Bewilligung zu haben. All dies bestreitet Mirko nicht. Er bestätigt auch, dass er weiss, dass es ihm als nordmazedonischer Staatsangehöriger gemäss Waffenverordnung ganz grundsätzlich verboten ist, Feuerwaffen zu besitzen.

Doch Mirko versichert, nie in böser Absicht gehandelt zu haben: «Ich habe die Waffen nur zu Hause gehabt, ohne damit Schaden zu verursachen.» Nur, wenn er seine Rechnungen nicht zahlen konnte, habe er ab und zu eine Waffe verkauft. Und nur an Personen, die er für unverdächtig gehalten habe:

«Wenn ich gewusst hätte, dass eine Waffe für einen Überfall oder ein Gewaltdelikt gebraucht wird, hätte ich sie niemals gegeben.»

Fakt ist: Eine von Mirkos Waffen, eine Maschinenpistole Czech SA 23, wurde im Juni 2018 in einem Raubüberfall auf ein Genfer Luxusmodegeschäft verwendet. Drei Wochen zuvor war die Tatwaffe noch in Mirkos Besitz. Damals erhielt er einen Anruf von einem albanisch sprechenden Unbekannten. «Können wir einen Kaffee trinken?», fragte der Mann.

Eine solche Maschinenpistole Czech SA 23 verkaufte der Beschuldigte an Verbrecher, welche die Waffe in einem Raubüberfall einsetzten.

Eine solche Maschinenpistole Czech SA 23 verkaufte der Beschuldigte an Verbrecher, welche die Waffe in einem Raubüberfall einsetzten.

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Er kassierte 2600 Franken in bar für die spätere Tatwaffe

Noch am gleichen Tag traf sich Mirko mit dem Kaufinteressenten, der in Begleitung erschien. Mirko zeigte den Waffenkatalog auf seinem Handy. Die Männer sagten einem sofortigen Kauf zu. Mirko kassierte 2600 Franken in bar. Das Treffen dauerte höchstens zehn Minuten.

Vor Gericht sagt Staatsanwalt Pius Suter zu diesem Vorfall: «Der Beschuldigte hätte zumindest annehmen müssen, dass die Waffe zur Begehung eines Verbrechens dienen soll.» Es sei nicht der einzige Fall, in dem Mirko Waffen an zwielichtige Käufer abgegeben habe:

«Sein Ruf als Waffenhändler reichte weit über die Kantonsgrenzen hinaus bis in die französische Schweiz.»

Als weiteren «starken Hinweis für den regen Handel mit Waffen» führt der Staatsanwalt ein Notizbuch an, in dem Mirko die Waffen und ihre Ankaufs- und Verkaufspreise aufschrieb. Zudem habe er die Waffen an Unbekannte verkauft, niemals einen Ausweis verlangt und keine Quittungen ausgestellt. Auch an einen verdeckten Ermittler der Aargauer Kantonspolizei habe er drei Waffen inklusive Munition verkauft. «Die Lage lässt nur einen Schluss zu: Er war kein Sammler, sondern ein Händler», bilanziert Staatsanwalt Suter.

Dem widerspricht Mirkos Verteidiger. Mirko habe nie wissentlich und willentlich Waffen an Verbrecher verkauft. Somit habe er die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet. «Er ist bei den Verkäufen eher plump vorgegangen. So verhält sich kein skrupelloser Waffenhändler.»

Schuldig in allen Punkten: Gericht verhängt einen Landesverweis

Das Gesamtgericht beurteilte dies anders: Es sprach Mirko in allen Anklagepunkten schuldig. «Genau dieses Nicht-Wissen-Wollen, was mit den Waffen geschieht, machte das Handeln des Beschuldigten so gefährlich», sagt Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab in der Urteilsbegründung. Mirko habe im vollen Wissen gehandelt, dass er mit Waffen nichts zu tun haben dürfe.

Das Gericht verurteilt Mirko zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, davon 12 unbedingt, und einer Landesverweisung von sieben Jahren – obwohl er seit 42 Jahren in der Schweiz lebt und auch Frau, Kinder und Enkel hier sind. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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