Ab Freitag ist das Google-Street- View-Fahrzeug im Aargau unterwegs. Auf dem Dach des Autos ist eine Kamera installiert. Sie fotografiert, was sich auf der Strasse abspielt. Die Strassenansichten werden voraussichtlich in einem halben Jahr auf der Internetseite der Suchmaschine abrufbar sein.

Ein amerikanischer Street-View-Nutzer kann sich dann anschauen, wie es im Aargau aussieht. Auf der ganzen Welt wird auch sichtbar sein, wer in Gipf-Oberfrick auf den Bus wartete, als das Google-Auto vorbeifuhr, wer in Menziken aus dem Gemeindehaus trat oder in Brittnau sein Auto in der Einfahrt wusch.

Google fotografiert alles. In Aarau auch das Haus des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür. Thür war es, der gegen Google in Sachen Datenschutz vor Gericht zog und im Laufe der Auseinandersetzung sogar forderte, Street View in der Schweiz vom Netz zu nehmen.

Im Juni 2012 hat das Bundesgericht dann die Richtlinien festgelegt (siehe Fragen unten). Hält sich Google daran, beunruhigt es den eidgenössischen Datenschützer nicht, wenn der Internetriese sein Haus fotografiert, sagt er auf Anfrage.

Und hier die Antworten zu den wichtigsten Fragen rund um die Kamerafahrten der Street-View-Autos.

Was passiert, wenn ich von google fotografiert werde?

Sie sind dann Teil des Strassenbildes von Street View. Eine automatische Software verwischt allerdings die Gesichter. Damit sollte eigentlich nicht erkennbar sein, wer da gerade seinen Hund spazieren führt. Die Software ist allerdings nicht perfekt. Das Bundesgericht hat Google eine Fehlerquote von 1 Prozent eingestanden. Nummernschilder von Autos werden ebenfalls unkenntlich gemacht.

Was, wenn mich trotz der Verpixelung Jeder erkennt?

Sie können Google über einen in der Anwendung integrierten Button direkt darüber informieren. Google wurde vom Bundesgericht dazu verpflichtet, solche Anonymisierungs-begehren effizient und unbürokratisch zu erledigen.

Bei sensiblen Einrichtungen wie Spitälern muss Google ausserdem eine vollständige Anonymisierung gewährleisten. Es dürfte beispielsweise unter keinen Umständen erkennbar sein, wer bei einem Spital auf einem Parkplatz für Krebspatienten parkierte, erklärt Datenschutzbeauftragter Hanspeter Thür. Google  sagt, dass eine Liste mit sensiblen Orten erstellt worden ist. Diese sei zur Überprüfung an den Kanton geschickt worden.

Hilft Street View Einbrechern beim Auskundschaften?

«Ich sehe da keine Gefahr», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Einbrecher würden spontan vorgehen. Sie fahren in ein Quartier und brechen ein, wo es gerade geeignet erscheint. Sie machen sich nicht die Mühe, zuerst auszukundschaften, sagt Graser. Es komme auch sehr selten vor, dass ein Einbrecher anrufe, um zu schauen, ob sich jemand im Haus befindet.

Stellt Google auch schräge Strassenszenen ins Internet?

Google gibt an, die Strassen so darstellen zu wollen, wie sie an einem gewöhnlichen Tag aussehen. Schräge Szenen nehme man allerdings immer wieder auf. Oft von Passanten auch bewusst inszeniert. Man lasse das zu, solange die Aufnahmen nicht unangebracht seien, sagt Google. Was den Kamerafahrzeugen weltweit schon vor die Linsen kam: Menschen beim Urinieren, Kinder, die dem Auto den Stinkefinger zeigen, ein Mann als Pferd verkleidet, Unfälle und ein inszenierter Schwertkampf.