Wandernde Asylbewerber
Brittnau verweigert Flüchtlingen Bewilligung für ihre Tour de Suisse

Der Gemeinderat von Brittnau hat entschieden: Die beiden 26-jährigen Asylsuchenden Hamid und Mohammed können ihre «Tour de Suisse» nicht wie geplant durchführen. Sie dürfen aber Tageswanderungen ab der Region Zofingen unternehmen und in Ausnahmefällen auswärts übernachten.

Mario Fuchs
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Wandernde Asylsuchende

Wandernde Asylsuchende

Chris Iseli

Am Dienstagabend hat sich der Gemeinderat von Brittnau mit einem Asylsuchenden befasst, der im Dorf untergebracht ist: Mohammed Rasuli. Oder genauer: Mit seiner Idee.

Der 26-jährige Afghane wollte zusammen mit seinem Kollegen Hamid Jafari (untergebracht in Safenwil) zu Fuss in nur einem Monat rund um die Schweiz wandern. Geplanter Start: am 1. Mai in Aarau.

Am Karfreitag wurde allerdings via «Blick» bekannt, dass die Gemeinde Brittnau Vorbehalte gegen das Projekt hat. Wie sie nun am in einer Medienmitteilung schreibt, ist der Entscheid gefallen: Der Gemeinderat könne «das Vorhaben in dieser Form nicht bewilligen».

Hamid (in Rot) und Mohammed wollen wandern gehen: Einen Monat der Trip durch die Schweiz dauern.
5 Bilder
Zwei Flüchtlinge wandern durch die Schweiz
Testweise waren sie schon einmal unterwegs. Hier stehen sie beim Alpenzeiger auf dem Hungerberg oberhalb Aarau.
Hamid und...
...Mohammed suchen unter www.aufgehen.ch nach Gastgebern.

Hamid (in Rot) und Mohammed wollen wandern gehen: Einen Monat der Trip durch die Schweiz dauern.

Chris Iseli

Man habe die Situation aus rechtlicher Sicht beurteilt. Gründe für die Absage sind jene, über die die az bereits berichtet hat: Mitwirkungspflicht von Asylsuchenden, Erreichbarkeit, Besuch des obligatorischen Deutschkurses, Einhaltung von Gemeinderichtlinien.

Doch mit den Asylsuchenden habe man in Gesprächen «eine Kompromissvariante» gefunden. Konkret: «Es sind Tagesausflüge/-wanderungen ab der Region Zofingen möglich, in Ausnahmefällen und mit Zustimmung der Gemeindebehörde auch einzelne Übernachtungen.»

Ein enttäuschter Hamid Jafari sagt am Dienstag gegenüber der az, man nehme den Entscheid zur Kenntnis. «Wir müssen jetzt überlegen, was wir machen.» Am Donnerstag will er sich mit Wanderkamerad Mohammed Rasuli besprechen.

Ebenfalls für Donnerstag ist ein Gespräch der Initianten mit der Gemeinde Brittnau vorgesehen. Denn: Wie die – möglicherweise bewusst – allgemein gehaltenen Vorschriften umgesetzt werden sollen, ist noch nicht en détail definiert.

Welche Argumente für die Kompromisslösung sprachen und wie diese ausgestaltet werden könnte, teilte die Gemeinde in ihrem Communiqué nicht mit. Gemeindeammann Astrid Haller wollte am Telefon dazu keine weiteren Ausführungen machen.

Sie sagte: «Im Vordergrund stand, eine gute Lösung zu finden – und das haben wir.» In der Mitteilung wird denn auch betont, der Gemeinderat anerkenne und unterstütze «soweit dies möglich ist» die Eigeninitiative und den Integrationswillen der Asylsuchenden.

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