Covid-Wochenbulletin
Zahlen im Aargau steigen: In sechs Wochen könnten es 900 Fälle pro Tag sein

In ihrem Wochenbulletin warnt Kantonsärztin Yvonne Hummel vor einem deutlichen Fallzahlenanstieg, der auch Auswirkungen auf die Intensivstationen hätte. Noch sind nämlich zu wenig Personen geimpft, um die Spitäler vor einer Überlastung zu schützen.

Noemi Lea Landolt
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Seit zwei Wochen steigen die Fallzahlen im Aargau deutlich. Letzte Woche sind 842 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das entspricht einem Anstieg von 42 Prozent im Vergleich zur Vorwoche.

Der 7-Tages-Durchschnitt zeigt klar nach oben und liegt inzwischen bei 127,4 Fällen. Am 1. März lag er noch bei 71 Fällen.

Tägliche Neuansteckungen im Aargau

seit 1. März
Neue Fälle
7-Tages-Durchschnitt
01.03.202102.03.202103.03.202104.03.202105.03.202106.03.202107.03.202108.03.202109.03.202110.03.202111.03.202112.03.202113.03.202114.03.202115.03.202116.03.202117.03.202118.03.2021050100150200

Ebenfalls deutlich angestiegen ist der R-Wert. Er liegt bei 1,28. Bleibt er auf diesem Wert, würden sich die Neuansteckungen innerhalb von zwei Wochen verdoppeln. Was das heisst, schreibt Kantonsärztin Yvonne Hummel in ihrem Wochenbulletin:

«Bei einem R-Wert von 1,28 wäre in sechs Wochen eine tägliche Fallzahl von über 900 infizierten Personen zu erwarten.»
Kantonsärztin Yvonne Hummel.

Kantonsärztin Yvonne Hummel.

Fabio Baranzini

Zum Vergleich: Der bisherige negative Rekord wurde mit 575 neuen Fällen am 22. Dezember registriert.

Contact Tracing käme an den Anschlag

Ein rascher, steiler Anstieg hätte Folgen für das Contact Tracing. Hummel schreibt, die Kapazitäten würden bei so hohen Zahlen überschritten. Infektionsketten zurückzuverfolgen und enge Kontaktpersonen unter Quarantäne zu stellen, wäre nicht mehr möglich.

Am Donnerstag wurden 1578 infizierte Personen und 2193 Kontaktpersonen durch die Mitarbeitenden des Contact-Tracing-Centers betreut.

Auslastung der Intensivstationen steigt

Steigende Fallzahlen haben aber auch Auswirkungen auf die Spitäler. Auf der allgemeinen Abteilung sind die Zahlen laut Hummel «unverändert stabil tief» (blaue Kurve).

Aber die Belegung der Intensivstationen hat sich letzte Woche im Vergleich zur Vorwoche erhöht und die Auslastung ist laut Hummel «deutlich gestiegen» (gelbe Kurve). Am Donnerstag lagen 17 Covid-Patientinnen auf der Intensiv- oder Überwachungsstation. Letzte Woche waren es zehn.

Anzahl Covid-Patienten im Spital

seit 1. März
Allgemeine Abteilung
Intensiv- und Überwachungsstation
01.03.202102.03.202103.03.202104.03.202105.03.202106.03.202107.03.202108.03.202109.03.202110.03.202111.03.202112.03.202113.03.202114.03.202115.03.202116.03.202117.03.202118.03.202119.03.2021010203040

Die Kantonsärztin erwartet einen weiteren Anstieg. Aufgrund der tiefen Impfstoffmengen hätten noch nicht genügend Personen geimpft werden können, um die Spitäler vor einer Überlastung zu schützen, so Hummel.

Bis am Donnerstag haben im Aargau 63'666 Personen die Erstimpfung und 32'204 Personen die Zweitimpfung erhalten. Das heisst, es hat noch nicht einmal die Hälfte der schätzungsweise 177'000 Aargauerinnen und Aargauer, die zu den besonders gefährdeten Personen gehören, eine erste Impfung erhalten.

Haben die Labors genug Kapazitäten, um Massentests auszuwerten?

Seit dem 3. März läuft im Aargau die Pilotphase des repetitiven Testens. Dabei geht es darum, insbesondere unentdeckte Ansteckungen zu finden und Infektionsketten zu unterbrechen. Die Teilnahme an diesen Tests ist freiwillig.

Zu den Pilotinstitutionen gehören unter anderem die Kantonsschule Zofingen, die Oberstufe Reinach oder das Regionale Pflegezentrum in Baden.

In der zweiten Phase sollen zusätzlich Unternehmen und Betriebe in die repetitiven Tests einbezogen werden. Die Ausweitung der Teststrategie hänge stark von der Verfügbarkeit der Laborkapazitäten ab, so die Kantonsärztin.