Coronapandemie
Deutliche Übersterblichkeit bei Aargauer Senioren seit November: Im Coronajahr gab es mehr Tote als 2019

In der Altersgruppe der 0- bis 64-Jährigen gab es im Kanton Aargau keine Übersterblichkeit. Anders bei den über 65-Jährigen: Dort hat die Zahl der gemeldeten Todesfälle ab Mitte November jene der erwarteten Todesfälle deutlich überschritten.

Noemi Lea Landolt
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Ende 2020 sind mehr über 65-Jährige gestorben, als statistisch erwartet wurden.

Ende 2020 sind mehr über 65-Jährige gestorben, als statistisch erwartet wurden.

Keystone

Im Aargau sind letztes Jahr 5367 Menschen gestorben. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Es handelt sich noch um provisorische Zahlen, weil möglicherweise noch nicht alle Todesfälle um den Jahreswechsel in die Statistik eingeflossen sind.

Trotzdem lässt sich bereits sagen: Im Coronajahr sind im Aargau mehr Menschen gestorben als 2019. Damals sind 4978 Todesfälle registriert worden; 7,8 Prozent weniger als 2020.

Natürlich ist in der gleichen Zeit auch die Bevölkerung gewachsen. 685424 Personen lebten per 31. Dezember 2019 im Aargau. Ende Juni 2020 waren es 689078 Personen. Neuere Zahlen gibt es nicht. Aber selbst wenn wir von einem Bevölkerungswachstum von rund 8000 Personen im Jahr 2020 ausgehen entspricht das nur gut einem Prozent.

Covid-Tote waren im Schnitt 82 Jahre alt

Nicht das Bevölkerungswachstum sondern die Coronapandemie hat zum Anstieg bei den Todesfällen geführt. Seit Beginn der Pandemie sind im Aargau 524 Personen, die am Virus erkrankt waren, gestorben.

Der grosse Teil der Todesfälle, nämlich 470, sind seit Anfang Oktober registriert worden. Im Durchschnitt waren die Verstorbenen 82 Jahre alt.

Das hohe Alter der Verstorbenen schlägt sich auch in der Statistik des Bundes nieder. 2020 sind 3308 über 80-jährige Aargauerinnen und Aargauer gestorben. 336 oder 11,3 Prozent mehr als 2019.

Keine Übersterblichkeit bei unter 65-Jährigen

Wie sich die Übersterblichkeit in der Schweiz entwickelt, beobachtet der Bund im Mortalitätsmonitoring. Dabei wird die Anzahl der Todesfälle eines Jahres aufgrund der Entwicklung der vorhergehenden fünf Jahre geschätzt.

Die Übersterblichkeit entwickelt sich regional unterschiedlich. In der ersten Covid-Welle im Frühling wurde im Tessin und in der Genfersee-Region eine Übersterblichkeit beobachtet. Im Aargau zeigten sich damals keine erhöhten Werte.

Bei den 0- bis 64-Jährigen blieb das auch in der zweiten Welle so. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle (rote Linie) bewegte sich innerhalb der statistisch erwarteten Bandbreite (hellrote Fläche):

Seit sechs Wochen sterben mehr alte Menschen als erwartet

Ganz anders bei den über 65-jährigen Aargauerinnen und Aargauern. In der ersten Novemberwoche überstieg die Zahl der gemeldeten Todesfälle (115) erstmals die statistisch für diese Woche erwartete obere Grenze von 105.

In der darauffolgenden Woche lag die Zahl der Todesfälle nur knapp unter der oberen Grenze. Seit dem 16. November zeigen die Zahlen eine deutliche Übersterblichkeit. So starben zwischen dem 14. und 20. Dezember 170 Aargauerinnen und Aargauer. Erwartet wurden maximal 109 Todesfälle. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen wurden also fast 60 Prozent mehr Todesfälle registriert.

Unter 100 Covid-Patienten auf der Normalstation

Auch im neuen Jahr meldete der Kanton jeden Tag mehrere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Von Freitag bis Sonntag sind 16 Aargauerinnen und Aargauer gestorben. Für Montag meldete der Kanton drei neue Todesfälle.

Die Zahl der täglich gemeldeten Neuansteckungen lag seit Donnerstag immer unter 300. Am Montag sind 200 neue Fälle registriert worden – am Montag vor einer Woche meldete der Kanton 307 neue Fälle.

An den Spitälern sind am Montag 129 Covid-Patientinnen behandelt worden. 32 von ihnen lagen auf der Intensivstation. Erstmals seit Ende Oktober wurden weniger als 100 Covid-Patienten auf der Normalstation behandelt. Im Dezember waren an einzelnen Tagen bis zu 180 Covid-Patientinnen hospitalisiert.