«Die Geschäftsleitung der SVP Aargau bedauert es sehr, dass Martin Keller aus persönlichen Gründen auf eine Kandidatur verzichtet. Er war erster Ersatzkandidat und ein Zugpferd für die Partei.» Das sagte Rolf Jäggi, Mitglied der Geschäftsleitung und Präsident der Findungskommission für die Nationalratsliste der SVP, im «Fokus» von Tele M1. Keller sei durch seine politische Arbeit im ganzen Kanton bekannt und auch in Unternehmerkreisen sehr gut vernetzt. «Er hätte sehr gute Wahlchancen gehabt», sagt Jäggi, der eigentlich davon ausging, dass seine Aufgabe, die Kandidatensuche mit der Nomination der 16er-Liste am Kantonalparteitag am 24. Januar, beendet sein würde.

Doch es sollte anders kommen, am Dienstag verlas Grossratspräsidentin Renata Siegrist die Rücktrittserklärung von Martin Keller, in der es hiess, dass er auf eine Nationalratskandidatur verzichte. «Auch für mich kam diese Information ziemlich kurzfristig», sagt Jäggi. Hektik breche bei der SVP deswegen aber nicht aus. «Wir haben sehr gute, junge, neue Kandidatinnen und Kandidaten, die auf der Liste sind. Und wir haben weitere gute Leute, die bereit sind, sich für eine Kandidatur zur Verfügung zu stellen», sagt Jäggi. Aus seiner Sicht habe die SVP, der bei den Wahlen im Herbst mit Sylvia Flückiger, Ulrich Giezendanner, Maximilian Reimann und Luzi Stamm vier langjährige Parlamentarier fehlen, «absolut kein Personalproblem». Die Geschäftsleitung habe den Verzicht von Martin Keller zur Kenntnis genommen und werde nun intern prüfen, welche Personen als Ersatz geeignet wären, sagt er. «Dann wird es in einem demokratischen Prozess eine Nachnomination geben.»

Kandidatur aus dem Ostaargau?

Das genaue Verfahren für die Nachnomination sei noch nicht festgelegt, sagt Jäggi auf Nachfrage. Er gehe aber davon aus, dass die Bezirksparteien noch einmal aufgerufen werden, mögliche Kandidaturen zu melden. Ob dann der Kantonalvorstand der SVP mit seinen über 100 Mitgliedern oder ein Parteitag über die Ersatznomination entscheiden werde, sei noch offen.

Klar ist aber: Es muss schnell gehen. «Wir möchten innerhalb eines Monats den Ersatz von Martin Keller präsentieren können, schliesslich hat der Wahlkampf begonnen», sagt Jäggi. Namen von möglichen Kandidaten lässt er sich nicht entlocken – es sei jedoch wünschenswert, dass dieser aus dem Ostaargau komme. Tatsächlich ist die SVP-Liste ziemlich «westlastig», keine Kandidatur gab es bisher aus dem Bezirk Brugg. Dies stiess Vertretern aus dieser Region sauer auf, die Brugger fehlten am Nominationsparteitag fast vollständig. Kellers Verzicht würde die Gelegenheit bieten, doch noch einen Brugger Kandidaten zu nominieren.

Martin Keller verzichtet auf Nationalratssitz: SVP muss auf Kandidatensuche

«Es gab überhaupt keinen Druck von aussen»: Martin Keller am Dienstag im Interview mit Tele M1.

  

Direkt auf den vierten Platz, den Keller innehatte, wird der Ersatzkandidat indes nicht gesetzt. Rolf Jäggi erklärt, auch für die Nachnomination würden die üblichen SVP-Regeln für die Verteilung der Listenplätze gelten: zuerst die Bisherigen nach Stimmenzahl, dann die nicht Gewählten nach Stimmenzahl, schliesslich die neu Kandidierenden in alphabetischer Reihenfolge.