Herbst und Marroni gehören zusammen wie der Sommer und die Sonne. Vom Ruf «Heissi Marroni, ganz heiss!» oder vom speziellen Geruch werden Passanten an die Stände gelockt und zücken das Portemonnaie. Meistens, um die mit 100 bis 200 Gramm gefüllten Kleinmengen zu bezahlen. «Auch der Preis ist heiss», geht es dabei manchem Marroni-Liebhaber durch den Kopf. Zu den Spitzenreitern gehören Baden und Brugg, mit 4 Franken für 100 Gramm und 16 Franken für ein halbes Kilo.

Zwar täuscht der Eindruck, die Preise seien in den letzten Jahren dauernd in die Höhe geschnellt. Jedoch sind die Verkäufer selber der Ansicht, jetzt sei eine Limite erreicht, wenn man die Kundschaft nicht vergraulen wolle. In Aarau und Baden denken sie jedenfalls nicht daran, in der bis Ende März dauernden Saison weiter an der Preisschraube zu drehen.

«Seit drei Jahren habe ich die Preise nicht erhöht und habe es auch diese Saison nicht vor», versichert Alim Salija vor seinem Marronistand im Metro-Shop in Baden. Seine Verkaufspreise seien ja schon «an der oberen Grenze». Aber die italienischen Lieferanten drückten die Einkaufspreise stets in die Höhe, auch dieses Jahr wieder. Stets mit dem gleichen Argument, die Ernte sei angeblich schon wieder schlecht ausgefallen.

Günstiger gehts in Aarau

Einen steten Preisanstieg stellt auch Domingos Baiao in seinem schönen und ideal gelegenen Marronistand an der Bahnhofstrasse in Aarau fest. Mit Fr. 3.50 für 100 Gramm gehört er schon zu den günstigen Anbietern im Aargau.

Dabei schwört Baiao im Einklang mit den anderen Anbietern auf gute Qualität. «Schlechte Ware werfe ich weg», versichert er. Zu deren Berufsstolz gehört es, schöne und leicht schälbare Früchte zu verkaufen. Mit dem verständlichen Hintergedanken, die gleichen Kundinnen und Kunden mehrfach bedienen zu können.

2013 sei ein gutes Marroni-Jahr in Italien gewesen, darum habe er auf tiefere Preise gehofft, betont Giovanni Kaufmann, an seinem Stand in der Aarauer Igelweid. In den letzten drei Jahren habe er die Preise jeweils um fünf Prozent erhöht, aber jetzt bleiben sie für die ganze Saison stehen. Bei ihm konkret bei Fr. 3.90 für 100 Gramm, Fr. 16.70 für ein halbes und 32 Franken für ein ganzes Kilo.

Aus dem Tessin bezieht Kaufmann keine Edelkastanien, seine Marroni kommen alle aus Italien. Die Tessiner müssten ihre Bäume viel besser pflegen, wie bei den Apfelbäumen gebe es nur bei stetem Rückschnitt schöne Früchte.

Wegen Wespe zu wenig Ertrag

Der bösen Preistreiberei angeklagt ist ein kleines Tierchen, nur 2,5 bis 3 Millimeter gross, aber mit einer verheerenden Wirkung: Der Schädling heisst Edelkastaniengallwespe und stammt ursprünglich aus China. Die vor vier Jahren im Tessin erstmals gefundene Wespe nistet sich in den Blüten ein und bringt ganze Bäume zum Absterben.

Gegen die schädlichen Kleinwespen gibt es mittlerweile einen Nützling. «Aber diesen muss man züchten, bis zum Erfolg dauert es vier bis sieben Jahre», erklärt Renzo Strazzini. Darum sei das Angebot noch immer zu knapp. Sein Unternehmen Gysi und Strazzini in Bern ist der grösste Marroni-Importeur in der Schweiz. «Je nach Saison importieren wir 600 bis 900 Tonnen Marroni», sagt Strazzini zu den Mengen.

Mit sämtlichen Nebenprodukten – Vermicelles und viele andere – benötige die Schweiz im Jahr 2000 bis 3000 Tonnen Marroni. Was sagt der Marktkenner zu den hohen Preisen? «Für 100 Gramm einer guten Qualität muss der Verkäufer im Minimum Fr. 3.50 bis 4.00 verlangen, sonst gerät er in finanzielle Engpässe», lautet der Ratschlag von Strazzini.

Für die Bauern in Italien seien die Preise an der unteren Grenze und müssten etwas höher sein. «Sonst haben wir zwar tiefe Preise, aber in ein paar Jahren keine Marroni mehr», befürchtet der Grosshändler.

Preise hin oder her, die wenige Wochen junge Saison hat im Aargau ausgezeichnet begonnen. Selbst an Tagen wie gestern, mit 22 bis 24 Grad im Schatten, mussten die Marroni-Öfen eingeheizt werden. «Wird es zehn Grad kälter und bleibt trocken, steigt mein Umsatz um 50 bis 70 Prozent», freut sich Giovanni Kaufmann schon auf die kühleren Herbsttage.

Mitarbeit: Claudia Meier, Stefanie Suter