Beinwil am See
Er hat das Drohnenfliegen zum Beruf gemacht: «Das Absturz-Risiko ist gering»

Florian Lotter aus Beinwil am See macht mit Drohnen spektakuläre Luftaufnahmen. Mittlerweile hat er sein grosses Hobby zum Beruf gemacht. Mit seinen Drohnenaufnahmen stösst er aber bei vielen auf Skepsis.

Marina Bertoldi
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Florian Lotter aus Beinwil am See macht mit seiner Drohne spektakuläre Aufnahmen
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Florian Lotter aus Beinwil am See hat sein Hobby zum Beruf gemacht
Die Drohne ist riesig
Hochstehende Technik

Florian Lotter aus Beinwil am See macht mit seiner Drohne spektakuläre Aufnahmen

Mario Heller

Konzentriert bedient er die Fernsteuerung, den Blick permanent auf den Multikopter gerichtet, dessen sechs Propeller laut surren. Dann steuert er das Gerät vorsichtig auf einen Betonklotz zu und lässt es sanft landen.

«Ich mache das von Kindesbeinen an», sagt Florian Lotter aus Beinwil am See, Firmenleiter der Firma AeroPicture. Waren es früher Modellflugzeuge, so steuert er heute professionell mit Kameras ausgestattete Drohnen, sogenannte Multikopter.

«Als ich ganz klein war, baute ich Flugzeuge aus Holz. Später wünschte ich mir zu Weihnachten und Geburtstag jeweils eine Fernbedienung oder ein neues Modellflugzeug.» Dann entdeckte Lotter seine Leidenschaft für Fotografie und besuchte mit nur zehn Jahren seinen ersten Kamerakurs.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Die Idee, diese beiden Gebiete zu vereinen, kam dem Beinwiler vor zehn Jahren. Die Ergebnisse der Luftaufnahmen mithilfe von Modellflugzeugen überzeugten Lotter jedoch nicht. Er stieg deshalb auf Multikopter um. «Ich war glücklich, damit eine Methode gefunden zu haben, um die Idee zu verwirklichen, die ich schon länger hatte», so der dreifache Familienvater.

Das Steckenpferd ist zum Beruf geworden. Heute macht Florian Lotter mit seiner Firma AeroPicture Luftaufnahmen von Immobilien, Panoramen und Events.

Er arbeitet auch mit dem Schweizer Fernsehen zusammen. Es gehe dabei nebst dem Auftrag vor allem um den künstlerischen Aspekt. Manchmal müsse man für ein perfektes Landschaftsbild die ganze Nacht ausharren, bis die Lichtverhältnisse und die Atmosphäre stimmen – auch im Winter. «Es ist eine Genugtuung, wenn man als Resultat ein gutes Bild hat.»

Die Arbeit mit den Drohnen ist abwechslungsreich. Ob Musikvideos, Luftaufnahmen von Immobilien, Szenen für Fernsehserien oder Panoramafotos, die summenden Foto- und Film-Assistenten sind vielseitig einsetzbar.

Die verschiedenen Einsatzgebiete machten die Arbeit interessant. Auch den Kontakt zu Menschen schätzt Florian Lotter. «Wenn man mit Mona Vetsch und Marco Rima zusammenarbeitet, ist das schon speziell.»

Doch nicht alle sind begeistert von der neuen Technologie. Als Lotter beispielsweise Aufnahmen an einem Waldrand machte, drohte ein Passant wegen einer fehlenden Genehmigung mit der Polizei. «Dabei braucht es in der Schweiz für Drohnen bis zu 30 Kilogramm gar keine Fluggenehmigung», betont Lotter. Noch nicht einmal über Wohngebieten, denn ein Grundstückbesitzer hat keinen Anspruch auf den Luftraum, der unmittelbar über dem Boden beginnt.

Lotter plädiert für Drohnen-Prüfung

Um der Skepsis entgegenzuwirken, suche er vor Aufnahmen in Wohngebieten immer den Kontakt zu den Anwohnern. Informieren sei das Wichtigste; so blieben negative Reaktionen grösstenteils aus.

Die meisten Bedenken seien sowieso unbegründet, so Florian Lotter. Mit Multikoptern könne man, selbst wenn man wollte, kaum Leute ausspionieren.

«Man müsste extrem nah an jemanden heranfliegen, um ein erkennbares Bild zu erhalten.» Auch sei das Absturzrisiko bei korrekt gewarteten und professionell gebauten Multikoptern ab sechs Motoren, wie Lotter sie verwendet, sehr gering.

Dennoch brauche es viel Übung. «Es ist wie Autofahren, die Handgriffe und Reflexe müssen automatisiert sein.» Deshalb befürwortet Lotter eine praktische Prüfung für Drohnenpiloten.

Akku leer, Drohne weg

Die Technik der Drohnen hat sich laut Florian Lotter in den letzten Jahren extrem verbessert. «Vergleicht man die Aufnahmen der Sprengung des Rockwell-Hochhauses in Aarau mit heutigen Videos, so sieht man, wie stark wir uns in nur zwei Jahren verbessert haben.»

Auch die Bedienerfreundlichkeit hat sich verändert. Heute kontrolliert man die Einstellungen von Kamera und Drohne zu einem grossen Teil vom Boden aus.

Das war früher nicht so, die Akku-Ladung beispielsweise konnte man nur mithilfe eines externen Monitors, der direkt an den Multikopter angebracht werden musste, ablesen.

Man flog deshalb mit einer Stoppuhr, um den Akku nicht leer zu fliegen – denn geht der Strom aus, stürzen die Geräte vom Himmel. Das ist Florian Lotter schon passiert: «Ganz zu Beginn habe ich beim Akkuwechsel anstatt eines neuen einen leeren Akku eingesetzt. Die Drohne versank im Neuenburgersee.»

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