Noch keine Woche ist der Vierfachmörder von Rupperswil gefasst - der Erklärungsbedarf ist aber noch lange nicht gestillt. Das zeigte der «TalkTäglich» auf Tele M1 am Dienstagabend. Gefragt sind in diesen Tagen gerade Fachleute wie der forensische Psychiater Frank Urbaniok, der sich von Berufs wegen mit Menschen beschäftigt, die schwere Straftaten begangen haben. Doch selbst für ihn ist ein Fall wie der Vierfachmord von Rupperswil alles andere als alltäglich.

Eine solche Tat sei in der Schweiz extrem selten, international gebe es schon solche Fälle, auch wenn sie «zum Glück seltener als andere Taten» seien. «Das ist eine extreme Ausnahmetat», sagte er. Das bezog er nicht nur auf die unglaubliche Brutalität. Ins Auge gestochen ist Urbaniok auch die Kaltblütigkeit und die Emotionslosigkeit, mit der Thomas N. seine Tat begangen haben muss. Möglicherweise sei dies eine Voraussetzung für das Doppelleben, das er geführt habe. Urbaniok zweifelt an der Annahme, dass Thomas N. ein gänzlich unauffälliger Mensch gewesen sei. Für ein sei es für ein abschliessendes Urteil zu früh. Erst einmal gelte es, seine Biografie zu durchleuchten.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit müsse aber man von einer längeren Vorbereitung ausgehen. «Die Tat ist wahrscheinlich die kleine Spitze des Eisbergs, der grosse Eisberg ein langer Vorlauf, während dem er sich gedanklich und emotional schon lange mit der Tat beschäftigt hat.» Aus der Persönlichkeit dürfte ein starkes Bedürfnis durchgedrückt haben, die Tat zu verwirklichen. In der Tat drücke sich zudem das Bedürfnis aus, andere Menschen und Situationen zu kontrollieren. Es gebe zumindest eine pädophile Ansprechbarkeit und möglicherweise eine Affinität zum lustvollen Töten.

Roland Wenger, Mediensprecher der Fussballvereine FC Sarmenstorf und SC Seengen, für die Thomas N. Junioren trainierte, erzählte von den Reaktionen aus dem Verein. Thomas N. habe seine Arbeit sehr gut und akribisch gemacht und sich dabei nichts zu Schulden kommen lassen. Die Bestürzung darüber, dass er der Vierfachmörder ist, sei sehr gross. «Es hat eine Art Trauer gegeben, dass ein Mensch, den man gekannt und dessen Hand geschüttelt hat, vier Menschen umgebracht hat.» Er sprach von einem grossen Schock und einer grossen Ohnmacht – auch weil niemandem etwas aufgefallen sei und Thomas N. sich nichts habe anmerken lassen. Einmal habe dieser sogar mit anderen über die Tat diskutiert.

Signal an Gesellschaft

Dem Aargauer Polizeidirektor Urs Hofmann hat in Gesprächen in den letzten Wochen und Monaten erfahren, dass der Vierfachmord die Leute unwahrscheinlich beschäftigt hat, «nicht nur in Rupperswil und im Kanton Aargau, sondern in der ganzen Schweiz». Hofmann gab der Hoffnung Ausdruck, die Aufklärung habe eine präventive Wirkung. Dem mochte Urbaniok «bei Tätern, die so entschlossen sind zu töten» nicht zustimmen. Jedoch sprach er von einem wichtigen Signal an die Gesellschaft, von einem verhinderten Vertrauensverlust. «Man sieht, der Staat ist handlungsfähig.»

TalkTäglich zum Fall Rupperwil – sehen Sie hier die ganze Sendung

TalkTäglich zum Fall Rupperwil – sehen Sie hier die ganze Sendung

Zu den neusten Entwicklungen diskutieren mit Moderator David Kaufmann der Forensiker Frank Urbaniok, der Aargauer Polizeidirektor Urs Hofmann und Roland Wenger, der Mediensprecher der beiden Fussballvereine SC Seetal und FC Sarmenstorf, für die Thomas N. tätig war.

«Indem er den jüngeren Sohn bedrohte, zwang er Frau Schauer, den älteren Sohn und dessen Freundin zu fesseln und zu knebeln»

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Markus Gisin, Chef der Kriminalpolizei Aargau, schildert an der Medienkonferenz am 13. Mai 2016, wie der Täter im Vierfachmord von Rupperswil vorgegangen ist.