Aarau

Fussball-Chaoten: Das Gesetz ist nicht das Problem

Gegen Fussball-Gewalt könne man nicht viel mehr tun, sagt die Aargauer Regierung. Bloss: Chaoten werden selten identifiziert.

Fans des FC Aarau verabredeten sich am Rande des jüngsten Cupspiels im Thurgau mit Fans des FC St. Gallen zu einem Scharmützel. Damit verängstigten sie Zugpassagiere – und verliehen der Beantwortung eines überparteilichen Vorstosses im Grossen Rat, die am Freitag publiziert wurde, eine ungewollte Aktualität. Die Interpellation von Dieter Egli (SP), mitunterzeichnet von 52 Ratsmitgliedern, war im Mai eingereicht worden, nachdem ein anderer Vorfall empört hatte: Bei einem Spiel in Rapperswil-Jona hatten mutmasslich FCA-Anhänger einen Feuerwerkskörper auf zwei Polizisten geschossen und diese verletzt.

Die Grossräte wollten danach von der Regierung wissen, ob die Möglichkeiten des Polizeigesetzes genügten, um gegen gewalttätige Fans vorzugehen, ob man weitere Sanktionsmöglichkeiten bei Heimspielen sähe oder wie die Strategie gegen Fangewalt im Aargau aussehe. Jetzt zeigt die Beantwortung des Vorstosses: Der Regierungsrat würde dies begrüssen. Er teile die Meinung der Interpellanten, dass die Mitglieder von Behörden und Beamte vor Gewalt und Drohungen geschützt werden müssen. «Die Androhung von höheren Strafen kann, zusammen mit einer konsequenten Verfolgung und Verurteilung, eine geeignete Massnahme sein.»

FC Aarau im Thurgau: Vermummte Hooligans verängstigen Zugreisende

FC Aarau im Thurgau: Vermummte Hooligans verängstigen Zugreisende.

 

Gleichzeitig relativiert er und schreibt: «Das Problem im Zusammenhang mit Fangewalt im Umfeld von Sportveranstaltungen liegt nicht in erster Linie an fehlenden gesetzlichen Grundlagen.» Das Problem sei, dass sich die Gleichgesinnten gleich kleideten und vermummten. Sie gingen «gezielt taktisch vor», um unerkannt zu bleiben. Bei Einvernahmen stelle man ein Schweigeprinzip fest, in dem Mitglieder nicht verraten würden. «Selbst mit modernen Aufklärungsmitteln wie mobilen Kamerateams und grossem Personalaufgebot ist es für die Polizei schwierig, die gewalttätigen Personen zu identifizieren.» Dabei hätten Mitarbeitende der Polizei «aufgrund ihres Berufs nicht automatisch eine höhere Toleranz für Gewalt aufzubringen», Delikte verfolge und bestrafe man konsequent.

Die Regierung betont, die Zusammenarbeit von Kantonspolizei und FC Aarau funktioniere gut. Seit der FCA 2015 abgestiegen sei, habe die Gewalt stark abgenommen und im Aargau sei es «zu keinem einzigen Vorfall gekommen», der mit jenem in Rapperswil-Jona vergleichbar wäre. Teils sei eine Verlagerung der Gewalt vom Stadion an andere Orte wie Bahnhöfe oder Sonderzüge auszumachen, nicht aber eine Verlagerung in untere Ligen. Ein Fan-Arbeitskonzept sei gemäss Swiss Football League Voraussetzung für die Erteilung der Lizenz. Der Kontakt zwischen Polizei und Fanszene erfolge primär über den Fanverantwortlichen des FCA.

Darüber hinaus habe man den Anführenden der Szene mehrmals angeboten, einen runden Tisch einzuführen, um Probleme anzusprechen. Sie seien nicht auf das Angebot eingegangen. Einen Hoffnungsschimmer sieht die Regierung in der Teilrevision des Polizeigesetzes. Der Artikel zum Vermummungsverbot soll präzisiert werden, sodass er künftig nicht nur für politische Demonstranten, sondern auch für Fussballfans gilt.

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