Ständeratskandidatur

Herr Müller, könnte Ihnen das gleiche Schicksal blühen wie Ueli Giezendanner?

Philipp Müller will in den Ständerat.

Philipp Müller will in den Ständerat.

FDP-Präsident Philipp Müller erklärt, wie und warum er Aargauer Ständerat werden will und warum er keine Angst hat, dass ihm das gleiche Schicksal blüht wie SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner bei den Wahlen 2011.

Herr Müller, Sie gelten als Provokateur und wollen in den besonnenen Ständerat. Wie passt das zusammen?

Philipp Müller: Natürlich ist die Art und Weise, wie man sich mit Themen auseinandersetzt, im Ständerat anders als im Nationalrat. Ich bin es gewohnt, in Dossiers zu arbeiten. So habe ich in der letzten Legislatur als Sprecher der bedeutenden Wirtschaftskommission alle grossen Dossiers vorgetragen. Da habe ich bewiesen, dass ich auf Provokationen verzichten kann.

Wäre das denn gut für die Partei? Ein Parteipräsident muss ab und zu provozieren können.

Was heisst schon provozieren? Ich will nicht den Leuten populistisch nach dem Mund reden. Aber ich will populär kommunizieren, so, dass die Leute mich verstehen. Das ist eine Gratwanderung. Mir ist bewusst: Die ist mir gerade in der Anfangszeit meines Präsidiums nicht immer gelungen.

Was ist Ihnen nicht gelungen?

Ich musste lernen, dass man ein viel höheres Echo hat, wenn man etwas als FDP-Präsident sagt und nicht als Nationalrat. So bin ich bedachter geworden in meiner Wortwahl - und ich habe auch gelernt, gelassener zu werden.

Haben Sie die Fäkalwörter, die man aus Ihrem Munde auch schon gehört hat, aus Ihrem Vokabular gestrichen?

Sie können ruhig auf den Plural verzichten: Es war ein Mal.

Könnte Ihnen nicht das gleiche Schicksal blühen wie dem SVP-Kandidaten von 2011, Ueli Giezendanner? Er ist bestgewählter Nationalrat - im Ständerat wollten die Aargauer aber offenbar keinen Provokateur.

Wenn ich nicht an meine Wahl glauben würde, würde ich es bleiben lassen. Da spreche ich auch für die Parteileitung der Aargauer FDP. Zudem muss ich ja auch noch von den Delegierten akzeptiert werden.

Was werden Sie im Wahlkampf denn anders machen als Giezendanner?

Ueli Giezendanner ist Ueli Giezendanner und Philipp Müller ist Philipp Müller. Da sollen sich die Leute selbst ein Bild machen.

Es ist Mode geworden, dass Parteipräsidenten in den Ständerat wechseln möchten. Die «NZZ» schrieb dazu: «Wenn immer mehr Parteisoldaten ins Stöckli drängen, verarmt das Zweikammersystem.» Sehen Sie diese Gefahr auch?

Ganz und gar nicht. Ich kann auch vokabularmässig sehr wohl unterscheiden, ob ich etwa bei den Sektionen als Parteipräsident der FDP unterwegs bin oder ob ich im Plenum als Ständerat agiere.

Würden Sie denn im Ständerat primär die Interessen des Aargaus oder der FDP vertreten?

In der Ständeratsfunktion wäre ich ganz klar Vertreter des Kantons Aargau und nicht Parteipräsident. Das kann ich unterscheiden.

Sie bleiben also über 2015 hinaus Parteipräsident?

Ja, das habe ich im Sinn.

Auch bei einer Wahlniederlage?

Wenn die FDP sehr schlecht abschneiden sollte, wäre es verantwortungslos, das Präsidium sogleich abzugeben. Das wäre erst auf die Delegiertenversammlung im Frühling 2016 denkbar. Damit rechne ich aber nicht.

Herr Müller, warum wollen Sie überhaupt Ständerat werden?

Zum einen will die FDP Aargau ihren Ständeratssitz sichern. Zum andern reizt mich nach dannzumal drei Legislaturen im Nationalrat die andere Art des Ständerates.

Mit Ihrer Kandidatur verhindern Sie, dass die FDP Aargau auf den aufstrebenden Grossratspräsidenten Thierry Burkart setzen kann. Warum verhindern Sie einen Generationenwechsel?

Mir ist bekannt, dass der Chefredaktor der Aargauer Zeitung in einem Kommentar Thierry Burkart als Kandidaten portiert hat. Doch Parteileitung, Geschäftsleitungsausschuss, Nationalrätin Corina Eichenberger und vor allem Thierry Burkart selbst sind im Konsens zum Schluss gekommen, dass ich gute Wahlchancen habe und deshalb antreten soll.

Also bitte: Wenn Sie als nationaler Präsident als Ständerat kandidieren wollen, hat die Partei doch keine andere Wahl, als Sie aufzustellen.

Da unterschätzen Sie die FDP und die Aargauer Parteileitung. Die Kantonalparteien entscheiden bei Wahlen, wer auf die Liste kommt, über Listenverbindungen und natürlich auch, wer für den Ständerat antritt. Es ist undenkbar, dass die FDP Schweiz oder ich hier Druck ausüben würden.

Die aktuelle FDP-Ständerätin Christine Egerszegi sorgt unter anderem mit ihrem Kampf gegen den Gripen für Ärger in der Partei. Wie würden Sie sich von ihr unterscheiden?
Es gilt dasselbe wie vorhin: Christine Egerszegi ist Christine Egerszegi und Philipp Müller ist Philipp Müller. Die Leute werden sich selbst ein Bild machen.
Sie sind ihr Parteipräsident.

Es ist doch legitim zu fragen, ob Sie denselben Kurs fahren werden.

Meine Grundeinstellung und meine Politik sind bekannt. Falls ich gewählt werde, werde ich in gleichem Sinne weiterpolitisieren.

Die beiden Ständerätinnen sind sich oft einig. Damit wäre also Schluss?

Sie können davon ausgehen, dass ich in der Regel nicht so stimmen werde wie die SP-Ständerätin.

Warum haben Sie eigentlich mit Ihrem Entscheid so lange gewartet? Wollten Sie sicher sein, dass andere Parteien keine starken Kandidaten portieren?

Nein. Erstens habe ich gewartet, weil mich die Suche nach einem neuen Generalsekretär sehr beansprucht hat. Zweitens wollte ich unbedingt die Meinung meines Stabs aus früheren Wahlen einholen. Vorgestern Abend sind wir zum Schluss gekommen: Ja, wir machen es.

Kandidieren Sie gleichzeitig als Nationalrat oder verzichten Sie auf dieses Sicherheitsnetz?

Es geht nicht um ein Sicherheitsnetz, sondern darum, dass wir für unsere Nationalratsliste so viele Stimmen wie möglich holen wollen. Deshalb werde ich mit Einwilligung der Kantonalpartei auf der Nationalratsliste präsent sein und parallel dazu als Ständerat kandidieren.

Wollen Sie den Ständeratssitz allein verteidigen oder zusammen mit dem SVP-Kandidaten Hansjörg Knecht antreten - wie einst Thomas Pfisterer und Maximilian Reimann?

Ich kann den Gesprächen nicht vorgreifen. Ich denke aber, dass wir allein antreten werden, weil wir Konkurrenten sind.

Ist das nicht eine Bankrotterklärung an eine bürgerliche Doppelvertretung, wenn Sie nicht gemeinsam gegen die Linke antreten?

Das Ziel der FDP ist, ihren Sitz zu verteidigen. Ich nehme aber schon an, dass der Grossteil unserer Leute konsequent bürgerlich wählen wird, auch ohne offizielle Verbindung.

2015 werden Sie 62 Jahre alt. Haben Sie sich überlegt, ob Sie für den Wechsel zu alt sein könnten?

Nein, das habe ich mir nicht überlegt. Ich bin gesund, treibe viel Sport und bin oft im Fitnesscenter. Das hat mich mein Bandscheibenvorfall vom Sommer 2013 gelehrt. Die Rückenschmerzen sind weg, und ich bin topfit.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1