TV-Experiment

Hier dreht der Brunnenmeister Gemeindeschreiber Kopp das Wasser ab

Eben noch ahnungslos beim Zmorge, dann gibt es schon die nächste Herausforderung für Familie Kopp: Es kommt kein Wasser mehr

Eben noch ahnungslos beim Zmorge, dann gibt es schon die nächste Herausforderung für Familie Kopp: Es kommt kein Wasser mehr

Vater und Gemeindeschreiber Stephan Kopp hat es vermutet – im Interview sagt er, weshalb, und wie gut Biberstein auf einen solchen Fall vorbereitet wäre.

Familie Kopp aus Biberstein schlägt sich in der SRF-Sendung «Das Experiment» wacker. Einige offenen Fragen müssen aber noch geklärt werden.

Auch die TV-Moderatorin vergisst es: Als sie am Mittwoch kurz vor 9 Uhr bei Kopps klingelt, geschieht nichts. Bis es dem Team dämmert, dass es der Bibersteiner Familie mit dem Strom auch die Türklingel abgestellt hat. Stephan (43), Nathalie (46), David (14) und Fabian Kopp (heute 12) wurden für die Sendung «Das Experiment» von «Schweiz aktuell» (SRF 1) ausgewählt. Worauf sie sich einliess, wusste die Familie bis Montagabend nicht. Dann gingen, schwupps, die Lichter aus. Ohne Vorwarnung.

Seither haben sich die Kopps gut geschlagen, auch wenn Vater Stephan immer wieder reflexartig – und vergeblich – den Lichtschalter betätigt. Beim Besuch der az ist es im Haus dank Schwedenofen recht warm. Und hell: Zum Glück waren die automatischen Storen oben, als der Strom ausfiel. Die Büsi huschen durch die Stube und schlabbern Wasser aus ihrem Napf – ahnen sie, dass dieses Gut bald knapp wird? Auf dem Sofa liegen Asterix-Heftli, «Der Kampf der Häuptlinge» ist aufgeschlagen.

Offenbar haben die Junioren eine stromlose Alternative zum Gamen gefunden. David ist schon auf, Fabian «noch unansprechbar», erzählt Vater Stephan, der gerade das Caquelon abtrocknet. Am Dienstagabend hätten sie nach dem Fondue bei Kerzenlicht noch Spiele gespielt, «Hornöchsle».

Grube für das Gefriergut

Der Zmorge fällt fast normal aus, bloss ohne Rührei und mit Kaffee aus der Thermoskanne. Milch und Butter haben die bitterkalte Nacht im Freien gut überstanden, für das Gefriergut haben Kopps im Gartenbeet eine Grube gegraben. Eine Idee von Fabian, der mittlerweile aufgewacht ist und mit seinen «Lifehacks» auftrumpft. Dass sich fünf Fremde mit Kamera und allerlei Technik in ihrer Stube aufhalten, scheint Familie Kopp nicht im Geringsten zu beeindrucken – beim Essen bespricht sie, was der Tag bringt.

Die Jungs wissen nicht recht, was sie ohne Spielkonsole anfangen sollen. «Wir haben viel Wäsche zum Zusammenlegen», sagt Mutter Nathalie, «ich gebe euch einen Repetitionskurs, wenn euch langweilig ist.» Zur Diskussion steht auch eine Runde Jogging. Danach wartet allerdings keine warme Dusche, was vor allem Vater Stephan stört: «Es reicht mir schon, wenn ich mit kaltem Wasser das Gesicht waschen muss.»

Im Zentrum steht auch der bevorstehende Geburtstag von Fabian. Die Einladungen müssen geschrieben und verteilt werden. Zu Fuss oder mit dem Velo, das Auto dürfen Kopps nur in einem Radius von fünf Kilometern nutzen. Die Alternative «Brieftaube» wird diskutiert, mangels Kentnissen von deren Funktionsweise aber verworfen.

Und überhaupt: Was soll man den Gästen auftischen? Einkaufen ist nicht möglich, bei einem Blackout wären die Grossverteiler geschlossen, das Dorflädeli längst ausverkauft. Kochen können Kopps zwar behelfsmässig auf dem Gasgrill. Grosis Chüngel vom Vortag konnte man darauf gut aufwärmen. Aber lassen sich mit dem Grill auch Aufbackbrötchen zubereiten? Oder sollen die Gäste ihr Essen selber mitbringen? Haben die – theoretisch ebenfalls vom Blackout betroffenen – Nachbarn Essen übrig? Könnte man mit Vaters altem Pfadidolch Wildsäue jagen? Und was ist mit dem Geburtstagskuchen?

Trotz dieser Probleme: Irgendwie war dieses Experiment bisher zu einfach. «Ich glaube, es kommt noch schlimmer», prophezeit Mutter Nathalie. «Das kann noch nicht alles gewesen sein.»

Brunnenmeister Reto Schlatter stellt seinem Gemeindeschreiber das Wasser ab – und sagt, weshalb ihm das schlaflose Nächte bereitet hat.

Brunnenmeister Reto Schlatter stellt seinem Gemeindeschreiber das Wasser ab – und sagt, weshalb ihm das schlaflose Nächte bereitet hat.

Er richtet einen Hydranten so ein, dass die Familie dort im Notfall Trinkwasser abzapfen könnte.

Und dann war das Wasser weg

Zum gleichen Zeitpunkt geht draussen vor dem Haus Brunnenmeister Reto Schlatter zu Werke. Er freut sich diebisch, seinem Chef das Wasser abzudrehen – denn Stephan Kopp ist der Bibersteiner Gemeindeschreiber. Als David drinnen das Geschirr abspülen soll, merkt er: Da geht nichts mehr.

Allzu überrascht ist Familie Kopp nicht. Vater Stephan weiss, dass bei einem Stromausfall die Wasserpumpen nicht mehr funktionieren. 30 bis 40 Liter Wasser hat er deshalb beiseitegeschafft, Süssgetränke, Bier und Wein sind auch im Haus. Zu trinken haben Familie und Katzen also genug. Aber: Reicht es auch zum Waschen? Muss man Bach-Wasser abkochen, bevor man es zum Geschirrspülen brauchen kann? Und wie soll das mit der Toilette gehen? Fragen, mit denen sich die Familie noch bis zum 30. Dezember auseinandersetzen muss. Das SRF-Team lässt vorsichtshalber zwei Löschdecken und einen Feuerlöscher da.

«Schweiz aktuell»-Moderatorin Sabine Dahinden weiht die Kopps ein – und dann passierts ...

Am 26. Dezember erfuhr die Familie aus Biberstein, dass sie einen mehrtägigen Stromausfall zu meistern hat.

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