FDP-Ständeratskandidat

Hoselupf mit Thierry Burkart: «Ein Schwingfest ist für mich eine Wohlfühl-Insel»

Der FDP-Ständeratskandidat kann zwar nicht schwingen, hat aber trotzdem einen Kranz. Unterwegs mit Thierry Burkart am Kantonalen Schwingfest in Zofingen.

Gerade begeistert war Thierry Burkart nicht. Mit einer Journalistin ans Kantonale Schwingfest in Zofingen. Das habe überhaupt nichts mit seinem Wahlkampf zu tun, sagte der freisinnige Ständeratskandidat mehrmals. Er sei dem Schwingsport schon lange verbunden. Länger, als er ein politisches Amt innehabe. Und überhaupt: Schwinger sähen es nicht gerne, wenn an ihren Festen politisiert werde. Nach längerem Hin und Her willigt er doch noch ein – und organisiert sogar einen Sitzplatz auf der ausgebuchten Tribüne mitten in der Zofinger Altstadt.

Zur Begrüssung gibt es einen Händedruck und die Anweisung, rasch abzusitzen, damit die Zuschauerinnen und Zuschauer in den hinteren Reihen freie Sicht auf den Niklaus-Thut-Platz haben. Das Timing ist ungünstig für zu viele Worte. Es läuft der erste Gang. Eine Spitzenpaarung. Im Sägemehl greifen die beiden Favoriten Nick Alpiger und der Luzerner Gast Joel Wicki miteinander. «Chum, Nick!», ruft Thierry Burkart. «Super!» Er klatscht. Alpiger konnte sich gerade noch retten. Manchmal steht Burkart auf, um besser zu sehen, was in der Arena passiert. Irgendwann liegt der vierfache Saisonsieger Alpiger im Sägemehl. «Schade!»

Thierry Burkart: «Ein Schwingfest ist für mich eine Wohlfühl-Insel»

Was haben die Aargauer von Ihnen als Ständerat? Thierry Burkart steht am Kantonalen Schwingfest Red und Antwort.

Als der andere um die Ecke kommt

Die Tribüne leert sich. Es ist Zeit für ein Getränk. Doch bis Thierry Burkart endlich den ersten Schluck alkoholfreien «Suure Moscht» trinken kann, dauert es. Ein Händeschütteln hier, ein Schulterklopfen dort – für Frauen drei Küsschen. «Tschau, Thierry!», «Hesch guet?», «Schön, bisch do.» Nur selten wünschen sie ihm «Vell Glöck im Herbscht» oder «Toi, toi, toi». In der Zofinger Altstadt ist Burkart für alle Thierry. Zwar wissen sie wohl, dass er in Bern politisiert und den Aargau im Ständerat vertreten möchte, aber ihn verbindet mit den Menschen hier die Freude am Schwingsport. In der Schwingergemeinschaft fühlt sich Burkart wohl und kann abschalten. Er lobt die schöne Kulisse, wechselt mit der Aargauer Schwinglegende Matthäus Huber ein paar Worte oder fragt einen jungen Schwinger, wie es um seine Verletzung stehe. Die Politik spielt für einmal eine Nebenrolle. Mit einer Ausnahme.

Plötzlich sieht Burkart, wie SP-Ständeratskandidat Cédric Wermuth um die Ecke kommt. Es war zu erwarten, dass er am Schwingfest auftauchen würde, Wermuth wohnt schliesslich in Zofingen, es ist Wahljahr und nicht alle trennen Politik und Sport so strikt wie Burkart. Die beiden Konkurrenten begrüssen sich und witzeln über die einmalige Möglichkeit, politische Differenzen gleich im Sägemehl klären zu können. Wermuth sagt, da müsste er wohl Forfait geben.

Ein Schwinger ist auch Thierry Burkart nicht. Zwar weiss er über den Sport bestens Bescheid. Kein Wunder. Er war OK-Präsident des Kantonalen in Brugg 2017 und wird das Nordwestschweizer Schwingfest 2022 – auch in Brugg – organisieren. Er könne auch ein paar Schwünge, erzählt er. Auf die Idee, zu schwingen, komme er aber immer nur in geselligen Runden unter Freuden. Da könne es schon vorkommen, dass er seinen guten Kollegen Markus Birchmeier – Kranzschwinger und Präsident des Aargauer Schwingerverbands – am Hosenbund packe. «Wenn dessen Frau am nächsten Tag die zerrissenen Gurtschlaufen sieht, weiss sie, dass er mit mir unterwegs war», sagt Thierry Burkart.

Die Geschichte mit dem Kranz

Beim Apéro für die Sponsoren und Ehrengäste auf der Wiese beim alten Schützenhaus trifft sich das Who is Who der Schwingerszene und Aargauer Politik. Es ist halt irgendwie doch Wahljahr und solche Anlässe eignen sich gut, sich unters Volk zu mischen – auch wenn man sonst nicht so viel am Hut hat mit dem Schwingsport. Die Sonne scheint, der Wein aus dem Waadtland mundet. Hier trifft Burkart auch endlich seinen Kollegen Markus Birchmeier. Dieser setzt sogleich an, die Geschichte von Burkarts Schwingkünsten und den zerrissenen Hosenbünden zu erzählen. Aber die kennen wir bereits.

Zum Mittagessen ist Thierry Burkart zum Bankett im Festzelt eingeladen. Er hätte eigentlich einen reservierten Platz am Festbank der Aargauischen Kantonalbank, sitzt dann aber doch zu seinen Kollegen vom Schwingerverband. Bei Kartoffelstock und Geschnetzeltem wartet Birchmeier mit einer anderen Geschichte über Burkart auf. «Was viele nicht wissen: Thierry hat einen Kranz», erzählt er. Diesen hat sich der FDP-Nationalrat nicht etwa im Sägemehl erkämpft, sondern von seinen Kollegen auf den 40. Geburtstag bekommen. Ein schönes Fest sei das gewesen, erinnert sich Thierry Burkart. Mit mehreren hundert Gästen. Ob die Gurtschlaufen am nächsten Tag noch ganz waren, bleibt an dieser Stelle offen.

Mit dem Wohnmobil nach Zug

Noch bevor der Kaffee serviert wird, zieht es Burkart zurück auf die Tribüne. In der Arena bewässern Helfer das Sägemehl, aus den Boxen singt Peter Reber über grüne Bananen. Burkart lässt den Blick über die fast leere Tribüne schweifen: «Mir gefällt das Familiäre an diesen Anlässen. Hier begegnet man sich auf Augenhöhe und alle sind willkommen.»

Wenn geschwungen wird, müsse sein Wahlkampf warten. Das gelte auch – und ganz besonders – fürs Wochenende vom 23. bis 25. August, wenn in Zug das Eidgenössische Schwingfest stattfindet. «Da habe ich vier Tage lang keine anderen Termine angenommen.» Burkart reist traditionsgemäss mit Kollegen im Wohnmobil ans Eidgenössische und übernachtet dort. «Das muss einfach sein.»

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