Impfstrategie
Impfkommission empfiehlt, Ältere zuerst zu impfen – der Aargau will an seiner Strategie festhalten

Wenn alles nach Plan läuft, gibt es schon bald genug Impfstoff, um spätestens im Juni die breite Bevölkerung zu impfen. Im Aargau findet anders als in anderen Kantonen keine Priorisierung nach Alter statt. Daran ändern vorerst auch die neusten Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Impffragen nichts.

Noemi Lea Landolt
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Wer sich zuerst registriert hat, bekommt zuerst einen Impftermin: Im Aargau spielt das Alter innerhalb der Zielgruppe 5 keine Rolle.

Wer sich zuerst registriert hat, bekommt zuerst einen Impftermin: Im Aargau spielt das Alter innerhalb der Zielgruppe 5 keine Rolle.

Britta Gut

Am Mittwoch hat der Bundesrat nicht nur Lockerungen beschlossen. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen hat auch die überarbeitete Impfstrategie publiziert.

Eine Empfehlung der nationalen Kommission ist in Bezug auf den Kanton Aargau besonders interessant. Die Impfkommission hält nämlich fest, dass die Kantone die breite Bevölkerung (Zielgruppe 5) und Angehörige von besonders gefährdeten Personen (Zielgruppe 3) gleichzeitig impfen können, sofern genügend Impfstoff vorhanden ist.

Voraussetzung wäre, dass dies in altersabsteigenden Gruppen geschieht. Die Kommission empfiehlt 5er- oder 10er-Jahrgangsschritte. Das würde bedeuten, dass zuerst die 55- bis 64-Jährigen an die Reihe kämen, dann die 45- bis 54- Jährigen und so weiter.

Impfchef Andreas Obrecht will alle gleich behandeln

Der Aargau hat – anders als andere Kantone – innerhalb der Zielgruppe 5 bisher keine Priorisierung nach Alter vorgesehen. Es soll nach dem Prinzip «first come first serve» geimpft werden.

Aargauer Impfchef Andreas Obrecht.

Aargauer Impfchef Andreas Obrecht.

Britta Gut

Impfchef Andreas Obrecht sagte im Interview mit der AZ, eine Priorisierung nach Alter wäre nicht fair. Innerhalb der Zielgruppe 5 wolle man alle – egal ob 18, 30 oder 60 Jahre alt – möglichst gleich behandeln.

Alter ist ein Risikofaktor für einen schweren Krankheitsverlauf

Die Impfkommission hält in der Strategie fest, dass das Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung direkt mit dem steigenden Alter korreliert. Schweizweit waren 70 Prozent der hospitalisierten Covid-Patientinnen und Covid-Patienten 65-jährig oder älter und fast 90 Prozent 50-jährig oder älter.

Diesen Zusammenhang stellt auch Impfchef Obrecht nicht in Abrede. Dass im Aargau Lehrerinnen und Lehrer ab 50 priorisiert geimpft werden, begründete er im Interview damit, dass das Risiko für einen schweren Verlauf ab einem Alter von 50/55 Jahren exponentiell steigt.

Und trotzdem will der Aargau vorerst nichts ändern. Der Kanton halte grundsätzlich an seiner Strategie fest, teilt das Gesundheitsdepartement auf Anfrage mit. Derzeit sei es nicht vorgesehen, die Zielgruppen 3 und 5 gleichzeitig und dafür in altersabsteigenden Gruppen zu impfen.

Eine Priorisierung nach Alter wäre technisch möglich

Die Empfehlungen der nationalen Impfkommission würden aber – wie immer – analysiert. Diese Analyse sei im Gange. «Falls eine Änderung sinnvoll ist, werden wir diese entsprechend vornehmen und beschliessen», so das Gesundheitsdepartement.

Grundsätzlich wäre eine Priorisierung nach Alter mit der Impfsoftware, die im Aargau eingesetzt wird, möglich, so der Kanton. Dies sei bei den über 75-Jährigen und danach bei den 65- bis 74-Jährigen bereits so gemacht worden.