Der Klimawandel hat auch seine positiven Seiten: Bei immer mehr Sonne und Wärme wird der Wein besser und die Produktion von Solarstrom steigt. Rekordzahlen an Sonnenstunden gab es im Dezember an allen Messstationen. Die Ernte an Kilowattstunden wird im letzten Jahresmonat damit auf neue Spitzenwerte klettern. Insgesamt war das Solarjahr 2013 ein gutes. Auf grossen Aargauer Scheunendächern sind die Photovoltaikanlagen – im Gegensatz zum deutschen Schwarzwald – dennoch die Ausnahme.

«Rund 100 Anlagen sind bewilligt und meist gebaut», sagt Geschäftsführer Ralf Bucher vom Bauernverband Aargau.

Bei einer Umfrage des Verbandes meldeten sich 200 weitere Interessenten. Weil die Bundesgelder sinken, dürften kaum alle Anlagen gebaut werden. «Bis 2020 könnten auf sieben Prozent unserer insgesamt 2800 Bauernhöfe Solarzellen installiert sein», schätzt Bucher. Ein grosser Schub sei also nicht in Sicht.

Grosse Investitionen nötig

Echte Begeisterung ist bei jenen Solarbauern zu spüren, die bereits neue Energie produzieren. Sei es als wirtschaftliches Standbein oder zur Sicherung der Altersvorsorge. Isabella und Guido Winterberg vom Erushof in Bettwil liegt viel daran, «im Einklang mit der Natur zu leben». Idealismus und Mehrarbeit werde durch glückliche Tiere und zufriedene Kunden honoriert.

Obwohl der Start erst im April erfolgte, ist die Produktion mit 320 000 Kilowattstunden (kWh) «höher als erwartet», freut sich Winterberg. Die Ausrichtung seiner Dächer nach Osten und Westen führe nur zu 5 bis 10 Prozent weniger Solarstrom als bei den Süddächern. Für solche Grossanlagen sind die Investitionen sehr hoch, auf dem Erushof kostete die Photovoltaik 860 000 Franken, für Zuleitung und Trafo musste die Bauernfamilie weitere 162 000 Franken bezahlen.

Bis 6000 Quadratmeter gross

Winterbergs Solarkraftwerk am Westhang des Lindenbergs ist mit über 2600 Quadratmetern Modulfläche eines der grössten im Kanton. Die mit 6000 Quadratmetern grösste Anlage wird derzeit auf den nach Südosten und Nordwesten ausgerichteten Dächern des Wilihofes in Muri installiert. Diskussionen gebe es noch wegen der Kosten für Trafo und Zuleitung mit dem Netzbetreiber, sagt Land- und Energiewirt Hanspeter Müller. Sein Kraftwerk soll jährlich rund 850 000 Kilowattstunden Strom ins öffentliche Netz einspeisen.

Kleinere Anlagen kosten zwischen 50 000 und 300 000 Franken, die grossen überschreiten die Millionenschwelle. Rentabel sind sie für die Bauern nur, wenn der Bund einen fixen Preis langfristig garantiert.

Mit der kostendeckenden Einspeise- Vergütung (KEV) fördert der Bund neben der Photovoltaik auch kleinere Wasserkraftwerke, Windenergie, Geothermie und Biomasse. Aber für Solarstrom sinken die Beiträge laufend, die Warteliste enthält Tausende von Gesuchen. Während Hausbesitzer oft auf eigene Kosten kleine Anlagen für Warmwasser oder Strom erstellen, brauchen die Bauern eine kostendeckende Abnahme.

Theoretisch sind Kleinanlagen bis zu 200 Quadratmetern ohne Bewilligung möglich, falls die direkten Nachbarn einverstanden sind. Aber in der Praxis wiehert der Amtsschimmel oftmals dazwischen. Dies ist jedenfalls die Erfahrung von Paul Müri, Präsident der Regionalgruppe Aargau in der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES).

AEW-Solarstrom unter 1 Prozent

Einen Überblick über die aktuelle Panelfläche im Kanton kann derzeit niemand liefern. Die Stromkennzeichnung der AEW Energie AG weist die Sonnenenergie für das Jahr 2012 mit 0,079 Prozent aus – also deutlich unter einem Prozent. Viele Private verwerten Wärme und Strom vom eigenen Dach selber, erscheinen also in keiner Statistik.

Um 8,4 Millionen Franken Energieförderung für 2014–2015 geht es an der ersten Sitzung im Aargauer Grossen Rat. Solaranlagen gehören aber nur dazu, wenn sie nicht durch die KEV bereits gefördert werden.

Apropos Melken: Bei der Kühlung der 30 Grad warmen Kuhmilch auf 4 Grad Celsius entsteht viel Wärme. Mit der Rückgewinnung dieser Energie lässt sich künftig ein beachtliches Potenzial ausschöpfen.