Gefahr

Jeden dritten Tag verunfallt ein Autofahrer wegen Müdigkeit – zuletzt zwei Aargauer Junglenker

Der Fahrer dieses zerdrückten Autos kam mit leichten Verletzungen davon, der Sachschaden ist jedoch hoch. Kapo

Der Fahrer dieses zerdrückten Autos kam mit leichten Verletzungen davon, der Sachschaden ist jedoch hoch. Kapo

Innert weniger Tage verunglückten zwei Neulenker, weil sie während des Fahrens einnickten. Wenn man die Augen kaum mehr aufhalten kann, bringt Fenster aufmachen und Radio aufdrehen auch nichts. Die häufige Unfallursache und wird oft unterschätzt.

Für einen kurzen Augenblick fallen die Augen zu – und schon ist es passiert. Sekundenschlaf, die Horrorvorstellung aller Autofahrer.

Fall1: In der Nacht auf Samstag kam ein 21-Jähriger in Frick von der geraden Strasse ab und prallte gegen einen Betonsockel.

Fall2: Am frühen Montagmorgen rammte der BMW eines 20-Jährigen in Buchs einen Pfosten und kollidierte mit dem Masten einer Ampel.

Zwei Unfälle, eine Ursache: Die Neulenker sind am Steuer eingenickt. Beide Männer hatten Glück im Unglück: Der 20-Jährige verletzte sich leicht, der 21-Jährige blieb gar unverletzt.

«Müdigkeit ist im Strassenverkehr ähnlich gefährlich wie Alkohol», warnt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) und schätzt, 10 bis 20 Prozent aller schweren Unfälle im Strassenverkehr seien darauf zurückzuführen. Deren Anteil sei in der offiziellen Statistik zwar tiefer, das dürfte aber auch damit zu tun haben, dass die meisten Leute nicht unbedingt zugeben würden, in fahrunfähigem Zustand am Steuer gesessen zu sein, erklärt Uwe Ewert, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Bfu.

101 annullierte Ausweise

Insgesamt war Übermüdung 2015 im Kanton Aargau 129 Mal die Unfallursache, wie aus der aktuellsten Verkehrsunfallstatistik hervorgeht. Die Kantonspolizei Aargau teilt auf Anfrage mit, die Statistik gebe keine Auskunft darüber, wie oft welche Altersgruppen aus welchem Grund einen Unfall verschuldet haben.

Unabhängig von der Ursache steht fest: 64 Autofahrer, die den Führerausweis weniger als ein Jahr besassen, verursachten einen Unfall mit Personenschaden – deutlich häufiger als jene Fahrzeuglenker mit mehr Erfahrung. 13 Unfälle waren es etwa bei der Gruppe, deren Fahrprüfung fünf Jahre zurückliegt.

Insgesamt stellt die Kapo in ihrem Bericht fest: «Die Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen verursachten mit einem Anteil von 13,6 Prozent die meisten Unfälle.» Schweizweit wurden 2015 15 Führerausweise auf Probe wegen Übermüdung annulliert – wie viele davon im Aargau, ist nicht bekannt. Insgesamt mussten 101 Aargauer Neulenker ihr Billett wieder abgeben.

Unterschätzen Junglenker die Gefahr?

Kapo-Sprecherin Barbara Breitschmid sagt: «Übermüdung am Steuer ist nicht nur bei jungen Autofahrern zu beobachten, aber vielleicht können sie die Gefahr schlechter einschätzen und machen seltener eine Pause.» Uwe Ewert sagt: Nicht nur unerfahrene Fahrer unterschätzten die Gefahr. Ob und wann Sekundenschlaf eintritt, lässt sich nicht vorhersagen. Wichtig ist deshalb, die Anzeichen rechtzeitig zu erkennen: Wenn man sich zwingen muss, die Augen offen zu halten oder schon mal die Fahrspur verlassen hat. «Das sind gravierende Warnzeichen», sagt Ewert.

Dann sei es Zeit für einen Stop mit Kaffee und anschliessendem Nickerchen. Was nichts bringt: Fenster öffnen und Radio aufdrehen.

Barbara Breitschmids Rat deshalb: «Sobald Sie sich müde fühlen: Anhalten und eine Pause einlegen.»

Meistgesehen

Artboard 1