Atomkraftwerke

Jetzt gibts für alle Aargauer Jodtabletten

Verteilt werden die Jodtabletten im Umkreis von 50 Kilometern um ein Atomkraftwerk (im Bild Leibstadt). key

Verteilt werden die Jodtabletten im Umkreis von 50 Kilometern um ein Atomkraftwerk (im Bild Leibstadt). key

Dass Jodtabletten um die fünf Schweizer Atomkraftwerke verteilt werden, ist nicht neu. Dass alle Aargauer eine Schachtel erhalten, dagegen schon. Warum 4,9 Millionen Schachteln auf die Post gehen, obwohl sie noch nie jemand gebraucht hat.

Kopfwehtabletten, Vitamintabletten, Schmerztabletten – und Jodtabletten: Letztere liegen ganz weit hinten im Badzimmerschrank. Denn gebraucht hat sie in der Schweiz bisher noch nie jemand. Trotzdem werden sie im Aargau jetzt sogar flächendeckend verteilt.

Es handelt sich um eine reine Schutzmassnahme: Kommt es nämlich in einem Atomkraftwerk zu einem schweren Unfall, müssen «Kaliumiodid 65 AApot Tabletten», so die korrekte Bezeichnung, eingenommen werden. Sie verhindern, dass die Schilddrüse radioaktives Jod aufnimmt – und sollen somit vor einer erhöhten Gefahr schützen, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Über den Zeitpunkt, wann die Tabletten geschluckt werden müssen, informieren die Behörden über das Radio.

An die Bevölkerung verteilt werden die neuen Jodtabletten ab Ende Oktober. «Sie werden allen Einwohnern und Einwohnerinnen per Post persönlich adressiert zugestellt», erklärt Tony Henzen von der ATAG Wirtschaftsorganisationen AG in Bern, die im Auftrag der Armeeapotheke für die Aktion zuständig ist. Schon vorgängig, am 17. oder am 20. Oktober, werden alle Haushaltungen ein Informationsschreiben erhalten.

In Zahlen: Alles in allem werden rund 4,9 Millionen Schachteln mit je zwei kleineren Verpackungen à 6 Tabletten verschickt. «Jede Person, unabhängig vom Alter, wird mit einer Tablettenpackung versorgt», führt Henzen aus.

Wer bis Ende November keine Post bekommt, kann sich an die Gemeindeverwaltung an seinem Wohnort wenden.

Dort wird ein Bezugsschein abgegeben und die Tabletten können in der Folge kostenlos in einer Drogerie oder Apotheke abgeholt werden. Auch Schulen, Betriebe oder Gemeindeverwaltungen werden – ebenfalls per Post – mit Jodtabletten versorgt, allerdings erst im ersten Quartal 2015.

Die Kosten für die Verteilaktion schlagen laut Henzen mit rund 30 Mio. Franken zu Buche und müssen von den Betreibern der Atomkraftwerke übernommen werden.

Hergestellt werden die einzigen in der Schweiz zugelassenen Jodtabletten übrigens in Schweden bei der Firma Recipharm AB. Ins Auge sticht die Verpackung: Anstatt wie bei den vor rund 10 Jahren verteilten Tabletten ist sie nicht mehr mit einem roten, sondern neu mit einem violetten Streifen versehen. «Das Produkt hat sich nicht verändert», sagt Henzen. Apropos alte Tabletten: Diese tragen ein Verfalldatum und laufen 2014 ab. Sie können in den Drogerien und Apotheken zurückgegeben werden. Auf diesen Umstand wird im Informationsschreiben hingewiesen.

Neu ist, dass die Bevölkerung im Umkreis von 50 Kilometern um ein Atomkraftwerk – und nicht wie bis anhin von 20 Kilometern – Jodtabletten erhält. Der Bundesrat entschied im Januar dieses Jahres, den Radius auszuweiten. Beschlossen wurde diese Änderung des Abgabe-Konzeptes nach der Katastrophe von Fukushima.

«Die Jodtabletten sollen nie präventiv eingenommen werden», betont Henzen. «Die Einnahme kann zu Übelkeit führen.» Er empfiehlt, die Tabletten wie alle Medikamente bei Temperaturen zwischen 15 bis 25 Grad, von Kindern geschützt an einem trockenen Ort aufzubewahren. Der Badzimmerschrank ist also vermutlich nicht der ideale Ort.

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