Ursprünglich drohte bei General Electric im Aargau ein Verlust von 1400 Stellen, nun werden 1200 Jobs abgebaut. Weil zahlreiche Angestellte von sich aus gekündigt oder schon wieder eine neue Stelle gefunden haben, teilte GE mit, letztlich seien nur noch 683 Personen von Kündigungen betroffen.

Für die SP sei dies kein Grund zum Aufatmen, sagte Grossrat und Gewerkschaftsbund-Präsident Florian Vock im Kantonsparlament. Er geht von einer grösseren Zahl von Betroffenen aus. «748 Personen, die ihren Job verlieren, werden nicht in die Sommerferien gehen. Sie und ihre Familien haben Monate der Unsicherheit vor sich», gab er in einer Fraktionserklärung zu bedenken. Jede Relativierung des Stellenabbaus sei ein Hohn, «ein lächerlicher Einordnungsversuch von Arbeitgeberpräsidenten und Regierungen, die Vasallen der Grossen sind, aber sicher nicht der Arbeitnehmer», kritisierte Vock.

Er meinte damit Aussagen von Valentin Vogt, der die Lage nur halb so schlimm einschätzte, wie sie auf den ersten Blick aussehe: «Wir bedauern den Abbau der industriellen Arbeitsplätze bei GE, auch wenn es nun letztlich 200 Arbeitsplätze weniger sein werden», sagte der Arbeitgeberpräsident. Viele Mitarbeiter hätten dank der guten konjunkturellen Lage und wegen der langen Dauer des Konsultationsverfahrens inzwischen bereits eine neue Stelle gefunden, sagte Vogt. Deshalb dürfte es am Ende wohl deutlich weniger Kündigungen geben als angenommen.

Kritik an GE und Regierung

Aufatmen würden nur die Gewinner und Firmenchefs, keineswegs die Angestellten, die kantonale Volkswirtschaft oder der Industriestandort Aargau. Vock kritisierte, Jobs würden unnötig vernichtet, «damit die kurzfristigen Gewinne in die Taschen der Reichen fliessen». In eine solche Wirtschaft habe die SP kein Vertrauen mehr und er gehe davon aus, dass eine Mehrheit dies gleich sehe.

«Wir werden weiterhin eine aktivere Industriepolitik einfordern, die den Aargau und die hiesigen Arbeitsplätze stärkt», kündigte Florian Vock an. Dies hatte sein Parteikollege Max Chopard mit einem Vorstoss für einen kantonalen Industriefonds versucht. Noch vor der Behandlung im Grossen Rat zog Chopard die Motion aber wieder zurück, weil sich zeigte, dass sie chancenlos sein würde.

Vock kritisierte auch die Aargauer Kantonsregierung: Mit ihrem Segen habe GE im Dezember 2016 über 14 Milliarden Franken steuerschonend aus der Schweiz nach Ungarn transferieren können. Im Gegenzug habe die Firma die Stärkung des Standortes Schweiz versprochen, die Zusage aber nicht eingehalten.

Regierungsrat bedauert Abbau

Der Regierungsrat bedauert, dass es trotz allen Bemühungen zur Massenentlassung im Geschäftsbereich Power von General Electric kommt. «Dieser massive Abbau von Stellen trifft den Industrie- und Forschungsplatz Aargau empfindlich», erklärt SP-Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann. «Für die vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeitenden und deren Familien ist dies eine schwierige, belastende Situation.»

Kahlschlag bei General Electric: 1200 Stellen gestrichen

Kahlschlag bei General Electric

Seit Monaten zitterten die Angestellten. Nun ist klar: Der Standort Oberentfelden wird komplett aufgelöst. Dafür wird Birr gestärkt. 

Die Regierung habe sich zusammen mit dem Bund für den Forschungs- und Werkplatz Baden eingesetzt und werde dies auch künftig tun. «Positiv zu werten ist, dass wichtige Funktionen und Ressourcen in Baden und Birr erhalten bleiben und GE rund 40 Millionen Franken in den Standort Birr investiert», schreibt die Regierung.

Man habe zur Kenntnis genommen, dass GE ihre soziale Verantwortung als Arbeitgeberin wahrnehmen wolle, schreibt die Regierung. So seien unter anderem Brückenmodelle für ältere Arbeitnehmende und längere Kündigungsfristen bei erfolgloser Stellensuche vorgesehen. Die Regierung erwartet, dass GE alles daran setzt, soziale Härtefälle zu vermeiden und dass im Einzelfall grosszügige Lösungen getroffen werden.

Schwer enttäuscht von General Electric ist Viviane Hösli, Geschäftsführerin des Gewerkschafts-Dachverbands Arbeit Aargau. Der massive Stellenabbau sei ein «Debakel für den Aargau und die Betroffenen», sagt Hösli, die auch für die SP im Grossen Rat sitzt. «Das kann man nicht schönreden. Trotz der Erfolge, den die Gewerkschaft in den Verhandlungen mit GE erzielen konnte: Von der Politik hätte es mehr gebraucht.»

Die Kritik geht insbesondere nach Bern: Bundesrat Schneider-Ammann habe noch Ende 2017 den Stellenabbau als Spekulation hingestellt und auf die hervorragenden Rahmenbedingungen in der Schweiz verwiesen.