Geflügelmast

Kneuss Güggeli in der Krise – bei den Mästern geht die Angst um

Kneuss Geflügel

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Der Plan des Geschäftsführers der Ernst Kneuss Geflügel AG ging nicht auf. Statt auf Menge will das Unternehmen mit Sitz in Mägenwil wieder auf Qualität setzen. Mit Folgen für die Produzenten. Die sind verunsichert.

Daniel Kneuss wollte immer mehr. Mehr Ställe, mehr Produzenten und mehr Poulets. Und das alles zu einem tieferen Preis. Nun zeigt sich, dass der Plan des Geschäftsführers und Verwaltungsratspräsidenten der Ernst Kneuss Geflügel AG mit Sitz in Mägenwil nicht aufzugehen scheint. Anstatt auf Menge will Kneuss deshalb wieder auf Qualität setzen, wie der «Schweizer Bauer» Mitte März schrieb. Zu spüren bekommen das vor allem seine Produzenten; die Bauern, die für ihn Tiere mästen. «Wer eine Alternative hat, geht», titelte kürzlich auch die «BauernZeitung».

Für die Kneuss-Produzenten ist die Geschichte heikel. Sie wollen ihre Namen nicht in der Zeitung lesen, weil sie Konsequenzen fürchten. «Ich will ja weiter mästen», sagt einer. Die Bedingungen seien aber nicht einfach. Die letzte Preisreduktion habe alle getroffen, sogar jene Bauern, die ihre Ställe bereits amortisiert haben, erzählt er. Jene, die gerade erst in neue Ställe investiert hätten, treffe es noch härter.

«Sie verschulden sich früher oder später», so der Mäster. Das Problem sei, dass sie laut Vertrag Anspruch auf acht Umtriebe pro Jahr hätten, also den Stall acht Mal mit neuen Küken belegen können. «Wenn man jetzt plötzlich weniger Umtriebe mit weniger Tieren hat, wird das natürlich zum Problem», sagt der Bauer.

Niemand wehrt sich

Ein anderer Produzent hat erst kürzlich in einen neuen Stall investiert. Er hat sogar für Mehrkosten eine Bodenheizung eingebaut, weil Kneuss dies explizit verlangt hatte. «Ich habe ihm mein Vertrauen geschenkt, und jetzt stehen wir da und wissen nicht, wie es weitergeht», sagt der Mäster. Auch er erzählt, dass die vertraglich versprochene Auslastung seines Stalls nicht erreicht werde. «Eigentlich müsste Kneuss uns in einem solchen Fall auszahlen, das macht er aber nicht.»

Er betont, dass er an einer guten Zusammenarbeit interessiert sei. «Bauer und Verarbeiter sind ein Team. Wir sind aufeinander angewiesen.» Als Produzent müsse er sich darauf verlassen können, dass der Verarbeiter sich an den Vertrag halte. Umgekehrt müsse sich der Verarbeiter darauf verlassen können, dass der Produzent die Vorschriften betreffend Hygiene und Tierschutz einhalte. Im Moment scheint das Vertrauen der Mäster in Daniel Kneuss zu fehlen. Trotzdem wehrt sich niemand. Zu gross ist die Angst vor einer Kündigung. Es seien bereits Verträge aufgelöst worden, weiss ein Mäster.

Im Gespräch verrät ein ehemaliger Kneuss-Produzent, der ebenfalls lieber anonym bleiben will, er habe gut zehn Jahre für das Familienunternehmen gemästet. Seit ihm gekündigt wurde, ist sein Stall leer. Für ihn ist klar, dass sich Kneuss durch Fehlentscheide selber in die Krise manövriert hat. «Er hat Ställe gebaut und Ställe gebaut und jetzt gemerkt, dass diese Strategie nicht aufgeht.» Deshalb müsse er nun die Stallflächen reduzieren. Die Mäster verstehen nicht, warum Kneuss nicht früher die Reissleine gezogen hat. «Er hat es kommen sehen», sagt einer. «Trotzdem hat er letztes Jahr noch neue Ställe bauen lassen.»

Daniel Kneuss will sich nicht zu einzelnen Fragen äussern. Kneuss Güggeli und der Vorstand der Produzenten würden zurzeit «die Modalitäten der künftigen Zusammenarbeit diskutieren», teilt er mit. «Da die Gespräche noch andauern und wir die direkt Beteiligten zuerst aus erster Hand über die Fortschritte informieren wollen, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Informationen im Zusammenhang mit den Verhandlungen geben», schreibt Kneuss. Man sei bestrebt, «eine nachhaltige Lösung zu erarbeiten, die allen Beteiligten eine gesunde Perspektive für die Zukunft bietet».

Einladung zur Infoveranstaltung

Wie diese Lösung aussehen könnte, werden die Produzenten am Mittwochabend erfahren. Daniel Kneuss hat letzte Woche kurzfristig zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, «nachdem wir von Produzenten erfahren haben, dass der Vorstand noch während der laufenden Gespräche zu einer Versammlung eingeladen hat», heisst es im Schreiben weiter. Kneuss informiert über «bedeutende Zugeständnisse», welche das Unternehmen gemacht habe. Kneuss informiert zum Beispiel, man habe zugestimmt, dass die Forderungen der Produzenten, die wegen längerer Leerzeiten entstanden sind und entstehen werden, bis Ende 2021 aufgeholt werden können. Der Abbau der Überkapazitäten soll laut Kneuss «in gemeinsamer Zusammenarbeit mit dem Vorstand erfolgen, ohne dass dabei Kündigungen ausgesprochen werden». Kneuss’ Strategie ist es, dafür die Menge der Küken, die eingestallt werden, zu reduzieren.

Ein Produzent hat die Einladung besorgt zur Kenntnis genommen. Er spricht vom «Worst-Case-Szenario», weil die Mäster pro Tier bezahlt werden. «Wenn Kneuss plant, die Menge Küken pro Einstallung zu reduzieren, geht das voll zulasten der Produzenten.»

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