Am Vorabend der Ferien angekündigt
Lehrerin zum Fernunterricht: «Wieso so ultrakurzfristig entschieden wird, verstehe ich nicht»

Die Sek II startet nach den Ferien im Fernunterricht. Am Timing der Kommunikation gibt es Kritik. Es ging nicht anders, sagt der Kanton.

Raphael Karpf
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Die Aargauer Mittelschulen starten nach den Ferien mit einer Woche Fernunterricht ins neue Jahr.

Die Aargauer Mittelschulen starten nach den Ferien mit einer Woche Fernunterricht ins neue Jahr.

Samuel Golay / TI-PRESS

Die erste Woche nach den Ferien werden die Schülerinnen und Schüler der Sek II im Fernunterricht bestreiten. Das hat der Kanton am späten Freitagnachmittag vor den Ferien bekannt gegeben.

Davon betroffen sind auch die Klassen von Stephen Weyeneth, seit acht Jahren Mathematik- und Physiklehrer an der Neuen Kantonsschule in Aarau. Während des Telefonats sitzt er in seinem Büro in der Kanti und bereitet den Fernunterricht vor. Für jede Klasse stellt er ein individuelles Programm zusammen. Eine Klasse hätte Weyeneth nach den Ferien eine Prüfung schreiben lassen. Diese wird verschoben. Der Klasse gibt er nun Übungen auf.

Mit einer anderen Klasse, mit einer ersten, hat er ein Thema vor den Ferien beendet. Das nächste Thema wird er per Videokonferenz angehen. Doch weil es eine erste Klasse ist, hat sie noch keine Erfahrung mit Unterricht per Videokonferenz. Wie gut es funktionieren wird, weiss Weyeneth nicht. Darum wäre es gut gewesen, hätte er ein wenig mehr Vorlaufzeit gehabt, sagt er.

Dann hätte ich diese Fragen bereits in der letzten Lektion klären können. Ich hoffe, ich erreiche jetzt alle meine Schüler in den Ferien.

Andere Kantone haben früher kommuniziert

Wie viel Mehraufwand bedeutet die ganze Vorbereitung für ihn? Das sei schwer abzuschätzen, sagt Weyeneth. Aber auch nicht entscheidend. Er habe unterrichtsfreie Zeit, nicht Ferien. Und statt der abgesagten Prüfungen vorzubereiten, würde er sich jetzt mit Fernunterricht beschäftigen. «Einzig der Zeitpunkt der Kommunikation war vielleicht etwas ungünstig.» Gerade auch, weil etwa der Kanton Zürich schon weit im Voraus angekündigt hatte, für welche Schüler es im Fernunterricht weitergehen werde.

Den Zeitpunkt der Kommunikation kritisiert auch Katrin Brupbacher. Sie ist Präsidentin des Verbands der Aargauer Mittelschul-Lehrpersonen. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton klappe zwar in der Regel gut, betont sie. Auch verstehe sie, dass wenn der Bund mit neuen Massnahmen den Takt vorgebe, der Kanton nicht viel tun könne.

Bei den Schulen war es klar, dass die Kantone entscheiden können. Wieso so ultrakurzfristig entschieden wird, verstehe ich nicht.

«Wir sind uns bewusst, dass eine frühere Kommunikation immer wünschenswert wäre», schreibt Sascha Katja Giger, stellvertretende Leiterin Kommunikation der Aargauer Regierung.

Allerdings befinden wir uns in einer Art Krisenmodus. Das Virus nimmt keine Rücksicht auf unsere üblichen Abläufe.

Auch sei es aufgrund der schnell Entwicklung der Lage nicht möglich, die Lehrerverbänden vor den Massnahmen jeweils anzuhören.

(Noch) keine Kritik an der Woche Fernunterricht

Gleichzeitig betont Giger: Der Aargau sei bei der Ankündigung des Fernunterrichts immer noch schneller gewesen als andere Kantone. Die Lehrpersonen hätten nun zwei Wochen Zeit. «Wir sind überzeugt, dass alle Beteiligten diese Umstellung gut meistern werden.»

Brupbacher und auch Weyeneth kritisieren den Entscheid an sich nicht. Zumindest nicht, solange es bei der einen Woche Fernunterricht bleibe. «Es hat sich gezeigt, dass auch auf der Sekundarstufe II Fernunterricht eine grosse Herausforderung ist», sagt Brupbacher. Umso wichtiger sei deshalb eine möglichst gute Vorbereitung.

Sorgen machen sie sich um einige Schülerinnen und Schüler. Manche müssen im Januar Promotionsbedingungen erfüllen und brauchen dafür noch die eine oder andere gute Note. Weil eine ganze Woche Präsenzunterricht wegfällt, fallen die Prüfungen noch enger zusammen. «Das kann ein Stressfaktor sein», befürchtet Weyeneth.