Regierungsratswahlen
Luzi Stamm: «Missstände zeigen, es hat zu wenig SVP in der Regierung»

Eine Umfrage bei SVP-Mandatsträgern im Aargau zeigt: das Ziel, einen zweiten Sitz auf Kosten der Grünen zu erobern, ist breit abgestützt. Doch wie kommt man zum Ziel?

Mathias Küng
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Der Aargauer Nationalrat Luzi Stamm. (Archiv)

Der Aargauer Nationalrat Luzi Stamm. (Archiv)

Keystone

Der für das Präsidium der SVP Aargau kandidierende bisherige Vizepräsident, Thomas Burgherr, sowie Fraktionschef Andreas A. Glarner haben in dieser Zeitung deutlich gemacht, dass man im Herbst einen zweiten Regierungsratssitz gewinnen wolle – und zwar auf Kosten der Grünen.

Einfach ist die Eroberung eines Regierungsmandates aber nie. Erst recht, wenn die bisherige Amtsinhaberin (in unserem Fall Susanne Hochuli) wieder antritt. Kommt dazu, dass die SVP schon zweimal versucht hat, einen zweiten Sitz zu holen. 2004 trat nebst dem Bisherigen Ernst Hasler auch der Gemeindeammann und Grossrat Alex Hürzeler ein erstes Mal an. Ihm fehlten 12000 Stimmen für den fünften Platz – und dort hätte er den mit der kleinsten Stimmenzahl gewählten Ernst Hasler verdrängt.

2008 gelang Hürzeler im zweiten Wahlgang der Sprung in die Regierung. Der ebenfalls nominierte, bekannte Nationalrat Luzi Stamm landete – wie auch Doris Fischer-Taeschler (FDP) und Rainer Huber (CVP) – im ersten Wahlgang nur rund 3000 Stimmen hinter dem fünften Platz. Aber auch er hätte dort nur den eigenen Kandidaten Hürzeler überholt. Es ist also selbst für die bei Legislativwahlen stärkste Partei sehr schwierig, einen zweiten Sitz zu erobern.

Kandidatur: Frauenfrage sekundär

Andreas A. Glarner sagt dazu auf Nachfrage, er habe bisher keine einzige negative Rückmeldung zum Ziel zweier Sitze erhalten. Er hätte am liebsten einen Kandidaten mit unternehmerischer Erfahrung. Soll es eine Frau sein, wenn man die einzige Regierungsrätin verdrängen will? Taktisch wäre dies schlau, so Glarner. Aber in erster Linie müsse es jemand sein, von dem oder der man überzeugt sei, «dass er oder sie es kann, mit der nötigen Härte, um im DGS aufzuräumen». Womit auch gesagt ist , dass er und weitere SVP-Politiker damit rechnen, dass dieses Departement dann an die SVP ginge.

Auch für Grossratsvizepräsidentin und Vizeammann Vreni Friker (Oberentfelden) ist die Geschlechterfrage sekundär: «Es muss die kompetenteste Persönlichkeit sein.» Man solle ja nicht deswegen eine Frau aufstellen, weil es Zeit dafür sei. Friker: «Das wäre für die Betreffende gar kein Kompliment. Es braucht fähige Individuen, die sich zum Wohle des Kantons einsetzen, keine Quotenfrauen!»

Hansjörg Knecht: «Echte Chance»

Nationalrat Luzi Stamm steht ebenfalls voll hinter dem Ziel von zwei Sitzen. Stamm: «Die Missstände im Asylbereich und Bettwil zeigen zu 200 Prozent, dass es zu wenig SVP in der Regierung hat.» Wie Glarner ist es ihm wichtig, jemanden aufzustellen, der die Härte hat, «die SVP-Politik durchzuziehen und die offensichtlichen Missstände vorab im Asylbereich zu beseitigen».

Dass man antreten müsse, ist auch für Nationalrat Hansjörg Knecht klar: Die Grünen hätten aufgrund ihrer Stärke und des Trends nach unten keinen Regierungssitz zugut. Deshalb steht auch für ihn dieser Sitz im Visier, zumal «Susanne Hochuli mehrfach keine gute Falle gemacht hat». Knecht ist überzeugt: «Bei einem Angriff hat die SVP eine echte Chance.»

«...sonst verpufft man Energie»

Für Frau Gemeindeammann und Grossrätin Marlène Koller (Untersiggenthal) ist ebenfalls klar: «Man muss es probieren.» Es wäre schön, so Koller, wenn die SVP künftig eine Doppelvertretung hätte, und eine Frau dabei wäre. Sie erinnert aber daran, dass es viel schwieriger ist, den Sitz eines amtierenden Regierungsmitglieds als einen vakanten Sitz anzugreifen.

Ziel müsse denn auch sein, zu gewinnen. «Sonst», so Koller, verpufft man nur unnötig Energie.» Das sieht Nationalrat Hans Killer offenkundig ähnlich. Es brauche eine anerkannte, gut abgestützte Persönlichkeit mit Chancen. Es könne nicht das Ziel sein, jemanden zu «verheizen».