Auf einem Spaziergang am letzten Wochenende im Safenwiler Tann stiess ZT-Leser und Wildbeobachter Heinz Jakob auf eine Sauerei. Er entdeckte auf einer Wiese eine Menge aufgewühlter Erde und ist sich sicher: Da waren Wildschweine am Werk! Dass sich in der Region Rotten herumtreiben, wusste er bereits. Vor ein paar Monaten hat seine Fotofalle im Wald von Safenwil ein Exemplar mit Frischlingen festgehalten.

«Das sind hundertprozentig Wildsauschäden», bestätigt Rosmarie Müller, Obfrau und Aufseherin der Jagdgesellschaft Kölliken-Ghürst, Jakobs Einschätzung. Grund für die aufgewühlte Erde sei der Bedarf an fleischlicher Nahrung: «Wildschweine benötigen auch tierisches Eiweiss. Dieses holen sie sich grösstenteils durch Wühlen im Feld, wo sich Engerlinge und Würmer verstecken.»

Auch Landwirte würden unter den Wildschweinen leiden: «Mais-, Weizen- und Gemüsekulturen ziehen die Wildschweine an. Wenn ein Maisfeld nicht sauber abgeerntet wird und Maiskörner oder ganze Kolben untergepflügt werden, finden die Tiere sie auch im Folgejahr und richten so grosse Wühlschäden an», erklärt Müller.

Die Wildschweinschäden im Safenwiler Tann sind symptomatisch für ein immer grösser werdendes Problem. Wildschweine haben eine Vermehrungsrate von 300 Prozent. Seit etwa zwei Jahren ebenfalls stark angestiegen sind folglich die Schäden, welche durch die Wildschweine verursacht wurden. Nachdem die Tiere in den Wäldern der Region vor vielen Jahren verschwunden waren, kehren sie nun zahl- und erfolgreich zurück. Dies habe jedoch nicht nur negative Seiten: «Im Wald sind die Sauen willkommen. Sie lockern den Waldboden durch ihre Wühltätigkeit auf», so Rosmarie Müller.

Herausforderung für Jäger

Über die Frage, wie man die Wildschweine ausserhalb des Waldes im Zaum halten kann, herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. Die einzige Möglichkeit bestehe darin, die Bestände jagdlich zu regulieren, sagt Rosemarie Müller. Die Vorfälle im Fricktal hätten aber gezeigt, wie schwierig das sei. Dort hatten Wildschweine alleine in den letzten paar Monate Schäden von über 150'000 Franken angerichtet. Laut Experten sind Wildschweine sehr schwer zu jagen, da sie als schlaue Tiere gelten. «Die Bejagung sollte im Feld erfolgen. Wildschweine sind lernfähig und wissen, dass es im Wald für sie nicht gefährlich ist, im Feld aber schon», sagt Rosmarie Müller.

Ausserdem würden sich die Tiere vor allem nachts in das Feld begeben, was die Bejagung nicht einfacher mache. Vor fünf Jahren trieben die Wildschweine gar eine Aargauer Jagdgesellschaft in den Ruin. Diese löste sich auf, als sie die Rotten nicht in den Griff bekamen und ihnen deshalb ein finanzielles Desaster drohte. Im Kanton Aargau muss nämlich jede Jagdgesellschaft für einen Teil aller Wildschäden in ihrem Revier aufkommen.

Laut Rosmarie Müller kommt es nun auf die Zusammenarbeit mit den Landwirten an: «Einerseits müssen jagdliche Einrichtungen, wie beispielsweise Hochsitze, gestellt werden können, andererseits müssen gewisse Kulturen in Waldesnähe mittels Elektrozaun geschützt werden.»

Selten Gefahr für Menschen

Während die Felder unter den Wildschweinen leiden, besteht für den Menschen durch die Tiere nur selten Gefahr. «Wildschweine meiden die Begegnung mit Menschen und verdrücken sich in der Regel rechtzeitig», erklärt Rosmarie Müller. Richtig gefährlich könne es aber werden, wenn sich eine Sau bedroht fühlt. Dies könne beispielsweise passieren, wenn ein Pilzsammler zwischen eine Bache (Sau mit Jungen) und deren Nachwuchs gerät oder durch freilaufende Hunde. Müller warnt: «Sollte eine Sau einen Menschen angreifen, ist Flucht angesagt. Zum Beispiel auf einen Baum.» Denn eine Sau sei immer schneller und stärker als der Mensch.