Zofingen

Magic Night am Heitere Open Air: Auch Regengüsse taten der Feierlaune keinen Abbruch

Sina, Billy Ocean, Barclay James Harvest und Niedeckens BAP begeisterten 5800 Besucher der «Magic Night» auf dem Heitere in Zofingen.

«Habt ihr etwa kalt?», fragte Sina, als der Regen so richtig einsetzte und die Zuschauer ihre Regenjacken anzogen. «Also mir wird immer wärmer», witzelte die Walliser Sängerin von der überdachten Bühne auf dem Heitere. Die 53-jährige in Fahrwangen lebende Künstlerin, die an den vergangenen Swiss Music Awards und im Jahr ihres 25-Jahr-Bühnenjubiläums für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, genoss ihr Heimspiel an der «Magic Night» sichtlich.

Schliesslich ist der Aargau ihre «zweite Heimat». Ihren Auftritt kommentierte sie aber in frechem Walliserdeutsch, und neben der Bandleaderin profilierte sich vor allem Lead-Gitarrist Jean-Piere von Dach mit ausgedehnten Soli. Der aufkommende Regen tat der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Mit zunehmender Nässe stieg der Stimmungspegel sogar und mündete am Schluss in tosendem Applaus in ihrem grössten Hit, «Sohn vom Pfarrer».

Billy Ocean: Hits aus den 80er-Jahren

Im eleganten klassischen Anzug gekleidet, mit der aufregendsten, abenteuerlichsten Frisur des Abends und kecken Tanzeinlagen entführte der 69-jährige Billy Ocean das Publikum in eine andere Stilrichtung. Soul war angesagt. Der britische Sänger hatte in den 80er-Jahren eine Reihe von Welthits wie «Love Really Hurts Without You», «Loverboy», «Get Outta My Dreams» und «Caribbean Queen».

Danach ist er aus den Hitparaden und von der Bildfläche verschwunden und konnte nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Auf dem Heitere bewies der charmante Brite, der 2002 einen Ehrendoktortitel der University of Westminster erhielt, dass er und seine Hits gut gealtert sind. «Gonna sing with me?», fragte der Brite. Aber sicher doch.

Blaue Scheinwerfer und künstlicher Nebel tauchten die Bühne in ein mystisches Licht, als Barclay James Harvest featuring Les Holroyd ihren Auftritt begannen. Nach und nach setzten die Instrumente ein, und schliesslich erklang die hohe, dünne und etwas brüchige Stimme von Les Holroyd. Mehrmals bedankte sich der Bassist und Leadsänger, der einzige Musiker der Urformation, für die warme Begrüssung des Zofinger Publikums und ergänzte: «Hier in der Schweiz ist es schön.»

Mit umgeschnallter Gitarre oder Bass und fest verankerten Mikrofonständern war auf der Bühne nur wenig Bewegung zu erkennen. Barclay James Harvest ist keine Partyband, ihre Musik lädt zum Träumen ein. Auch das Publikum erwachte deshalb nur langsam aus seiner Starre. Doch spätestens als die ersten Töne von «Friend Of Mine» erklangen, nickten die Köpfe zum Takt der Musik. Und vor allem die melodiösen Soli des Lead-Gitarristen waren Extraklasse. Bei «Fly Away» hoben einige ihre Handytaschenlampe in die Höhe.

Niedeckens BAP mit grosser Formation

Mit Niedeckens BAP schloss die 12. «Magic Night» auf dem Heitern. Begeistert klatschte das Publikum von Anfang an zu Hits wie «Waschsalon» mit. «Seid ihr noch da?», fragte Frontman und Sänger Wolfgang Niedecken die Menge und erntete Applaus. Der Kölner Kult-Rock-Band gelang es, die Stimmung immer weiter anzuheizen. Das Publikum klatschte, piff und tanzte ausgelassen zu den rockigen Klängen.

Dass BAP schon lange auf der Bühne stehen, nämlich seit den 1970ern, war deutlich zu hören. Doch da ist keine Spur von Abnützungserscheinungen. Das hat vor allem mit der grossen, neunköpfigen Band mit drei Bläsern zu tun, die in dieser Konstellation nur an ganz wenigen, ausgewählten Orten auftritt. Niedeckens BAP war hier. Eine grosse Show und grosse Ehre für die «Magic Night».

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