Grossveranstaltungen

Muss der FC Aarau um die Bewilligung für mehr als 1000 Zuschauer zittern?

Das FCA-Spiel könne mit Auflagen bewilligt werden.

Das FCA-Spiel könne mit Auflagen bewilligt werden.

Damit eine Grossveranstaltung bewilligt werden darf, muss die epidemiologische Lage dies zulassen und das Contact Tracing funktionieren. Mit den stark steigenden Infektionszahlen stellt sich im Aargau die Frage, ob der Kanton die Bewilligung für das Spiel des FC Aarau gegen Xamax vor mehr als 1000 Zuschauern aufrecht erhält.

Am Mittwoch hat der kantonsärztliche Dienst dem FC Aarau die Bewilligung erteilt, am Samstag beim Heimspiel gegen Xamax über 1000 Zuschauer ins Stadion Brügglifeld zu lassen. Die Mitteilung des Gesundheitsdepartements kam morgens um 9 Uhr, damals waren zwei wichtige Punkte noch unbekannt, die später am Tag publik wurden: Der Aargau meldete am Mittwoch mit 255 neuen Coronafällen einen Rekordwert seit Ausbruch der Pandemie – dazu ist das Contact-Tracing überlastet und muss ab heute Freitag durch Zivilschützer unterstützt werden. Am Donnerstag meldete der Kanton 272 neue Ansteckungen. Nur gerade 27 Kontaktpersonen wurden neu in Quarantäne gesetzt - ein klarer Hinweis darauf, dass das Contact Tracing Center überlastet ist.

Bundesverordnung legt Voraussetzungen für Bewilligung fest

In der Verfügung, welche der Kanton für das Spiel des FC Aarau erliess, sind die Voraussetzungen und Auflagen für Anlässe mit mehr als 1000 Zuschauern detailliert aufgeführt. Grundsätzlich liegt die Kompetenz, um solche Grossveranstaltungen zu bewilligen, bei den einzelnen Kantonen. Allerdings gibt es übergeordnete Vorschriften in der Covid-19 Verordnung des Bundes für die besondere Lage.

Darin heisst es, dass eine Grossveranstaltung nur bewilligt werden darf, wenn die epidemiologische Lage im Kanton oder der betroffenen Region die Durchführung erlaubt. Zusätzlich muss der Kanton «über die notwendigen Kapazitäten für die erforderliche Identifizierung und Benachrichtigung ansteckungsverdächtiger Personen» verfügen – im Klartext: Das Contact Tracing muss funktionieren.

Basel hat weniger Infektionen, führt aber 1000er-Grenze ein

Laut der Verfügung, welche das Datum vom Dienstag, 20. Oktober trägt und von Kantonsärztin Yvonne Hummel unterzeichnet ist, waren damals beide Bedingungen erfüllt. Das FCA-Spiel mit über 1000 Zuschauern könne mit Auflagen bewilligt werden, «da die aktuelle epidemiologische Lage im Kanton es zulässt und die nötigen Kapazitäten des Contact-Tracing zum heutigen Zeitpunkt sichergestellt sind».

Betrachtet man die Coronazahlen in anderen Kantonen, wo für Grossveranstaltungen die 1000er-Grenze wieder eingeführt wurde, stellt sich die Frage, ob die epidemiologische Lage im Aargau die Durchführung des Spiels auch heute noch erlaubt. So verzeichneten Basel-Stadt mit 191,5 Coronafällen pro 100000 Einwohnern in den letzten zwei Wochen und Basel-Land mit 175,6 Fällen tiefere Ansteckungsraten als der Aargau, wo der Schnitt am Mittwoch bei 209,8 Fällen lag.

Dennoch darf der FC Basel bei seinen Heimspielen bis Ende Jahr nicht mehr als 1000 Zuschauer ins Stadion lassen. Im Kanton Bern, wo seit dieser Woche auch wieder die 1000er- Grenze gilt, lag die durchschnittliche Fallzahl mit 284,4 deutlich höher als im Aargau. Aber es gibt auch Kantone mit mehr Coronafällen, die gleich entschieden haben wie der Aargau: Sowohl der FC Luzern als auch der EV Zug dürfen ihre Heimspiele weiterhin vor mehr als 1000 Zuschauern austragen. Dies, obwohl in Luzern der 14-Tages-Schnitt der Ansteckungen bei 284 liegt, in Zug beläuft er sich gar auf 408 Fälle.

Kanton kann Bewilligung für FCA-Spiel jederzeit widerrufen

In der Verfügung für das FCA-Spiel heisst es, der Kanton behalte sich ausdrücklich vor, die Bewilligung jederzeit zu widerrufen. Dazu könnte es kommen, «wenn sich die epidemiologische Lage in einem überkantonalen Gebiet, dem Kantonsgebiet oder auch einer einzelnen kleineren Region, namentlich einem Stadtgebiet, so verschlechtert, dass die Durchführung der Veranstaltung nicht mehr möglich ist».

Möglich wäre ein Rückzug der Bewilligung auch, wenn das Contact-Tracing überlastet ist – und zwar nicht nur jetzt, sondern auch «wenn die notwendigen Kapazitäten im Nachgang zu der Veranstaltung voraussichtlich nicht verfügbar sind.» Seit dem Ja der Kantonsärztin zum FCA-Spiel am Dienstag haben sich die Infektionszahlen im Aargau markant erhöht, das Contact-Tracing ist laut Mitteilung des Kantons an der Kapazitätsgrenze, infizierte Personen müssen ihre engen Kontakte selber informieren. Kann die Bewilligung unter diesen Umständen aufrecht erhalten werden, oder droht ein kurzfristiger Rückzug?

Kanton sieht Bedingungen für über 1000 Zuschauer erfüllt

Michel Hassler, der Sprecher des kantonalen Gesundheitsdepartements, hält auf Anfrage fest, Grossanlässe mit strikten Schutzkonzepten seien bisher nicht als Ansteckungsherde aufgefallen. «Die aktuellen Hauptansteckungsorte der neuinfizierten Personen sind die Familie, private Anlässe, der Arbeitsplatz und das Ausland.» Der kantonsärztliche Dienst sei trotz steigender Infektionszahlen in den letzten Tagen weiterhin der Ansicht, dass die epidemiologische Lage die Durchführung des FCA-Spiels mit über 1000 Zuschauern am Samstag erlaube, sagt Hassler.

Die Ressourcen des Contact-Tracings würden den Bedürfnissen und der aktuellen Situation angepasst, erklärt der Sprecher weiter. Er räumt ein, dass es bei der Kontaktaufnahme mit Infizierten und Kontaktpersonen derzeit zu Verzögerungen kommen könne. Der FC Aarau verfüge aber über ein bewilligtes Schutzkonzept und werde dafür sorgen, dass dieses eingehalten wird.

Hassler betont: «Wenn die Auflagen des Kantons und das Schutzkonzept befolgt werden – und wir gehen davon aus, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer darauf sensibilisiert sind in der aktuellen Situation –, dann besteht ein geringes Risiko für grosse Ausbrüche, die das Contact-Tracing belasten würden.»

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