Kurz nach 17 Uhr am Mittwoch schlug ein Mann in einer weinroten Kapuzenjacke in Wettingen zu. Im Migrolino beim Bahnhof bedrohte der Unbekannte einige der Shopmitarbeiter mit einem Messer und erbeutete den kompletten Inhalt der Ladenkasse. "Daraufhin ist er sofort geflüchtet", sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau (Kapo), gegenüber dem Regionalsender Tele M1. Mit wie viel Geld im Sack der Räuber den Migrolino verlassen hat, will Graser auf Anfrage nicht sagen.

Bewaffnete Raubüberfälle auf Tankstellenshops oder Lebensmittelläden wie den Migrolino sind im Aargau keine Seltenheit. Am Mittwoch verurteilte das Obergericht einen 24-jährigen Mann, der einen Volg in Hunzenschwil überfallen hatte. Ins Gefängnis muss der Kosovare für dieses Verbrechen aber nicht: Er erhält eine bedingte Freiheitsstrafe von knapp zwei Jahren sowie eine Busse über 3000 Franken.

Mitarbeitersuche wird erschwert

Für Valentino Castellano ist das ein Hohn. Er betreibt mehrere Tankstellen in der Region. "Überall, wo ein Verbrechen mit Gewalt stattfindet, sollte eine Gefängnisstrafe ausgesprochen werden. Sonst ist das eine Einladung für die Verbrecher", sagt er zu Tele M1. Er fordert, dass in der Schweiz "die Schrauben angezogen" werden. 

Castellano spricht aus Erfahrung: Auch er hat schon einen Raubüberfall auf eine seiner Filialen erlebt. 2015 hatte ein maskierter Kosovare eine Tankstelle im solothurnischen Hägendorf überfallen. Die Angestellte, die damals mit einem Messer bedroht wurde, leide noch heute, sagt Castellano. Und: "Sie hat nach dem Vorfall gekündigt und arbeitet nicht mehr bei mir." Ein solches Vorkommnis erschwere auch die Suche nach neuen Mitarbeitern. Dann hiesse es bei Jobanwärtern schnell mal: "Wenn der Laden schon einmal überfallen worden ist, will ich dort sicher nicht arbeiten."

Wie und ob der Täter von Wettingen bestraft werden wird, ist unklar. Von ihm fehlt weiterhin jede Spur. Die Kapo Aargau nimmt Hinweise entgegen. Er sei etwa 1,85 Meter gross und habe schwarze Hosen und Schuhe der Marke Adidas getragen. Geflüchtet sei er auf einem Mountainbike, so die Kapo. (frh)