Am Silvesterabend kommt es in Wohlen zu einem Verkehrsunfall. Eine 25-jährige Schweizerin und ihr 31-jähriger Beifahrer werden verletzt, als sie vor einem Fussgängerstreifen halten und ein nachfolgender BMW ihnen ins Heck prallt. Die Ambulanz bringt die Verletzten ins Spital. Diesen Unfall konnte und wollte Jean-Claude Furegati nicht so schnell vergessen. Nicht etwa, weil er darin verwickelt gewesen wäre – sondern, weil er eben gerade nicht darin verwickelt wurde.

Bislang nicht aufgeboten

Denn: Furegati betreibt mit seiner Alpha Medic AG einen privaten Rettungsdienst. Der Hauptsitz befindet sich in Baar ZG, in Wohlen führt er eine Rettungswache mit Bereitschaftsdienst. Nur: Bislang wurde die Alpha Medic für keinen einzigen Ernsteinsatz von der Aargauer Einsatzleitstelle 144 aufgeboten. Furegati ärgert sich: «Seit Spätsommer 2016 erfüllen wir die geforderten Bedingungen inklusive genügend qualifiziertes Rettungspersonal, und trotzdem werden wir nicht in die Notfallrettung des Kantons Aargau eingebunden.» Bei einem Unfall wie jenem am Silvesterabend in Wohlen würden unnötigerweise Patientenleben gefährdet. «Wir wären in zwei Minuten vor Ort gewesen, stattdessen wurden zwei Rettungsdienste mit längerer Anfahrtszeit aufgeboten.»

Auf Nachfrage der az erklärt Toni Oetterli, Leiter der Einsatzleitstelle 144: «Vor Ort waren der Rettungsdienst Neeser sowie der Rettungsdienst Muri. Ein Rettungshelikopter wurde angefordert, konnte aber wetterbedingt nicht fliegen.» Die Nähe eines Ambulanzfahrzeugs zum Unfallort spiele eine Rolle beim Entscheid, welcher Dienst aufgeboten werde. Grundsätzlich, so betont Oetterli, biete die Einsatzleitstelle aber jene Ambulanzteams auf, die ihr auch angeschlossen seien.

Doppelte Bestätigungen verlangt

Dies ist bei der Alpha Medic AG nicht der Fall. Sie hatte zwar vom Departement Gesundheit und Soziales (DGS) die Betriebsbewilligung für Primär-Rettungseinsätze erhalten – noch hat der Kanton ihr aber kein Rettungsgebiet zugeteilt. Daran hat sich seit Juni 2016 nichts geändert, wie DGS-Sprecherin Anja Kopetz bestätigt: Die gestellten Anforderungen seien «noch nicht vollständig erfüllt», worüber die Alpha Medic AG informiert sei. Furegati sieht dabei die Schuld nicht bei sich. Er wirft dem DGS vor, eine Hinhaltetaktik zu fahren: «Der Kanton verlangt immer einen Nachweis oder eine Bestätigung, nur um einige Wochen nach Erhalt ein zusätzliches Papier einzufordern.» So habe man etwa zwecks Personalnachweis die Arbeitsverträge eingereicht.

Das DGS habe zusätzlich eine Bestätigung von jedem Arbeitnehmer gefordert, dass sie wirklich für Alpha Medic arbeiteten. Oder: Nach Einreichung der medizinischen Kompetenzliste, erstellt vom leitenden Arzt der Alpha Medic, habe das DGS zusätzlich eine Bestätigung jedes Arbeitnehmers gefordert, dass er/sie wirklich über die aufgelisteten Kompetenzen verfüge. Als man nach der rechtlichen Grundlage dafür gefragt habe, habe das DGS nicht geantwortet.

Das DGS «distanziert sich von der Kritik an der Durchführung des Zulassungsprozesses», wie Sprecherin Anja Kopetz erklärt. Man äussere sich nicht «zu den Inhalten der Gespräche», da es sich um einen laufenden Prozess handle. Die an die Alpha Medic AG gestellten Anforderungen seien standardmässig Teil des Prozesses. Die rechtlichen Grundlagen und das Prinzip der Gleichbehandlung gälten für alle im Kanton tätigen Rettungsdienste in gleichem Masse uneingeschränkt.

Die Bewilligung der Alpha Medic AG gilt bis 2018. Sie erlischt, wenn der Betrieb bis dahin nicht an den Notruf 144 angebunden ist. Furegati war schon zuversichtlicher: In Wohlen hat er kürzlich vom 24-Stunden- auf einen 12-Stunden-Bereitschaftsdienst heruntergefahren. Finanziert wird dieser durch Krankentransporte. In Unfälle wird das Unternehmen vorderhand nicht verwickelt.