Fahrländer

Regionale Unterschiede bei der Maturquote: bitte nicht bagatellisieren

Von den Jugendlichen, die im Bezirk Laufenburg wohnen, machen 8,5 Prozent eine gymnasiale Matur. Im Bezirk Lenzburg ist die Quote mit 19,7 Prozent mehr als doppelt so hoch. Das Problem sollten wir nicht bagatellisieren. Eine Analyse.

Die rekordtiefe Maturaquote im Bezirk Laufenburg von gerade mal 8,5 Prozent hat für viel Aufsehen gesorgt.

Das Kantonsmittel liegt bei knapp 16 Prozent, die Bezirke Lenzburg und Baden erreichen knapp 20 Prozent, das Landesmittel liegt bei gut 20 Prozent (wir berichteten).

Die Reaktionen im Bezirk entsprachen den Erwartungen: «Das ist nicht schlimm», lautete der Tenor, «die Matura ist nicht der einzige Weg, wir haben hier viele attraktive Lehrstellenangebote, höhere Bildung gibts heute auch via Lehre, unsere Jugendlichen sind sicher nicht dümmer als die in Lenzburg.»

Das alles stimmt. Vor allem das Letzte.

Trotzdem. Gerade weil das mit den gleich guten Begabungen stimmt, würde ich mich, wenn ich Politiker im Bezirk Laufenburg wäre, auf vertiefte Spurensuche begeben.

Ich möchte es etwas genauer wissen: An was liegt es? Ein «Missstand» ist diese tiefe Quote zwar nicht. Aber vielleicht ein suboptimaler Zustand?

Das Gymnasium führt in der Regel an die Universität. Von da her öffnen sich andere Wege als via Lehre und Berufsmatur. Man muss das nicht werten, sich nicht in Kategorien wie «gescheit» und «dumm» versteigen.

Es sind einfach andere Wege, die zu anderen Berufen führen. Und zwar zu Berufen, auf die wir im Fricktal, im Aargau und in der Schweiz dringend angewiesen sind.

Das darf man ob aller Lobgesänge auf den praktischen Bildungsweg nicht vergessen. Wir brauchen Gymnasiums- und Hochschulabsolventen. Unbedingt. Sie fehlen uns heute schon vielerorts.

Was ist die gute Verteilung, die richtige Zahl – wie viele Prozente unserer Jugendlichen sollten eine Mittelschule besuchen? Ist die Quote zu hoch, wie in einigen lateinischen und Stadtkantonen, drückt das auf die Qualität, es hat keinen Wert, mit Gymnasiastenzahlen klotzen zu wollen.

Und regionale Unterschiede sind normal. Aber 8,5 Prozent – das ist schon sehr tief. Das reicht nicht für die «Selbstversorgung» einer Region.

Akademiker sind zwar mobil, das Bild von der Selbstversorgung ist vielleicht etwas schief. Trotzdem. Wenn ich Politiker im Bezirk Laufenburg wäre, würde ich nicht gleich herunterspielen, bagatellisieren, abwehren.

Sondern ich würde sagen: Da haben wir einen extremen Ausschlag auf der Skala. Wir suchen die Gründe und dann die Lösung.

Vielleicht braucht es mehr Information und Laufbahnberatung. Oder bessere Verkehrsanbindungen an die Zentren. Oder müssen wir vielleicht nicht unsere Schüler in die Gymnasien bringen, sondern ein Gymnasium zu unseren Schülern?

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