Spitex Verband
Neu organisieren, mehr arbeiten und Leistungen priorisieren: Wie die Aargauer Spitexorganisationen die Pandemie bewältigen

Personal fällt aus und bei der Arbeit müssen Schutzmassnahmen getroffen werden. Wie stemmen die Spitexorganisationen den Mehraufwand? Die AZ hat bei Max Moor, dem Geschäftsleiter des Aargauischen Spitex Verbands, nachgefragt.

Raphael Karpf
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«Die Situation ist schon sehr aussergewöhnlich», sagt Max Moor, Geschäftsleiter des Spitex Verbands Aargau.

«Die Situation ist schon sehr aussergewöhnlich», sagt Max Moor, Geschäftsleiter des Spitex Verbands Aargau.

Bild: Claudio Thoma

Bringt die Pandemie die Spitex an den Anschlag?

Max Moor: Den Personalmangel im Gesundheitswesen spüren wir schon lange. Auch jetzt. In der Spitex im Aargau ist die Situation aber noch nicht ganz so dramatisch. Es ist aber gerade jetzt nicht einfach, neue Mitarbeitende zu finden. Ich glaube, die Menschen sind zurückhaltender bei einem Jobwechsel geworden, weil die Situation so unsicher ist. Auch Lehrstellen zu besetzen, ist im Moment schwieriger.

Wie schaffen Sie es, das Angebot aufrechtzuerhalten?

Durch hohe Flexibilität der Mitarbeitenden und der Betriebe. Überstunden, Teilzeitarbeitende, die aufstocken oder ihre freien Tage verschieben. Wir müssen zu den Mitarbeitenden aber unbedingt Sorge tragen und natürlich das Arbeitsgesetz einhalten. Je nachdem helfen sich die Spitexorganisationen untereinander aus. Oder, und das war vor allem während der ersten Welle so: Leistungen werden priorisiert. Gewisse Dinge, zum Beispiel Körperpflege, werden nur noch jeden zweiten Tag durchgeführt. Das kann man in solchen Situationen verantworten.

Mehrere Mitarbeitende fallen aus. Hat gleichzeitig die Arbeitsmenge wegen der Pandemie zugenommen?

Interessanterweise ja. Es ist spürbar, dass weniger Menschen nach Akutbehandlungen nach Hause kommen, weil die Spitäler viele Eingriffe verschoben haben. Die Nachfrage nach Spitexleistungen ist trotzdem gestiegen. Einerseits nimmt die Nachfrage nach Versorgung zu Hause allgemein zu. Andererseits vermute ich, dass es auch damit zu tun hat, dass die Leute aktuell lieber etwas länger zu Hause bleiben und nicht in die Heime gehen. Auch das fordert die Spitex.

Ist die Arbeit noch stemmbar?

Die Situation ist schon sehr aussergewöhnlich. Die Spitexorganisationen müssen interne Projekte zurückstecken und Leistungen priorisieren. Wir müssen uns auf unsere Kernaufgabe konzentrieren: die Versorgungspflicht. Wenn jemand anfragt, müssen wir die Person versorgen können. Das ist ein Spagat. Solange sich aber die Zahlen nach unten bewegen und ein Ende der Situation absehbar ist, geht das.

Was würde den Spitexorganisationen aktuell helfen?

Wichtig wäre, dass wir schnell und einfach an Tests für das Personal kämen. Sonst verlieren wir immer ein paar Tage, bis das Resultat da ist. Tage, an denen die Mitarbeitenden ausfallen. Der Bundesrat hat Ende Januar seine Teststrategie geändert. Ich hoffe, dass das nun einfacher wird. Auch ein schneller Zugang zu den Impfungen wäre sehr hilfreich.

Was kann der Spitex Verband tun, um den Spitexorganisationen zu helfen?

Wir sind das Bindeglied zu Kanton und Bund. Wir informieren unsere Mitglieder aktiv über Veränderungen und neu geltende Regelungen. Zeitweise gibt es fast zu viele Infos aufs Mal. Das Grundproblem, den Personalmangel, kann man aber nicht von heute auf morgen beheben. Dafür braucht es längerfristige Projekte. Es könnte sein, dass die Pandemie hier sogar etwas Gutes tut und Werbung fürs Gesundheitswesen macht. Man sieht: Die Pflege ist ein wichtiger, systemrelevanter Beruf. Vielleicht kommen darum künftig mehr Menschen in die Pflege.