Portrait Ständeratswahlen

Thierry Burkart als Anwalt des Aargaus im Bundeshaus

Thierry Burkart auf der Bundesterrasse – an schönen Tagen reicht der Blick hier bis weit in die Berner Alpen.

Thierry Burkart (44, FDP) vertritt rechtsbürgerliche Standpunkte, verbündet sich für Kantonsanliegen aber mit dem politischen Gegner.

«In der Politik geht es darum, Mehrheiten zu finden, dafür muss man mit Vertretern aller Parteien diskutieren und sich einigen», sagt FDP-Nationalrat Thierry Burkart. Was wie eine Phrase klingt, ist beim 44-jährigen Badener Programm. Als die AZ ihn in Bern trifft, zeigt sich, dass Burkart nach vier Jahren in Bern gut verankert ist. Den Wirt im «Fédéral» begrüsst er mit Handschlag und Vornamen, SVP-Wahlkampfleiter Adrian Amstutz am Nebentisch wünscht er freundschaftlich «en Guete», mit SP-Nationalrat Matthias Aebischer scherzt er im Vorbeigehen.

Berührungsängste kennt Burkart nicht: Als er auf der Bundesterrasse für den Fotografen posiert, kommt Sibel Arslan, Nationalrätin von «Basels starker Alternative» (Basta) vorbei: Burkart begrüsst sie herzlich als «meine Lieblingspolitikerin von Basta», umarmt sie und ergänzt mit einem Lachen: «Du bist ja auch die einzige.»

«Entscheidend ist, dass man gehört wird»: drei Fragen an den FDP-Ständeratskandidaten Thierry Burkart

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Berührungsängste nach links kennt er nicht

Politisch trennen FDP-Mann Burkart, zu dessen Wahlkomitee auch SVP-Hardliner Andreas Glarner zählt, und die weit links stehende Arslan Welten. Dennoch versteht sich der Verkehrspolitiker, der seit acht Jahren Präsident des TCS Aargau ist und von Vertretern der Transportbranche unterstützt wird, persönlich offenbar gut mit Arslan.

Wenn es um die Interessen des Aargaus geht, scheut sich Burkart auch nicht vor der Kooperation mit dem direkten Gegner. Im Komitee «Bahnanschluss Mittelland» verbündete sich der FDP-Kandidat mit seinem SP-Konkurrenten Cédric Wermuth.
Burkart ist aber nicht nur der Verkehrspolitiker, der sich für den A1-Ausbau auf sechs Spuren und rechts Vorbeifahren auf Autobahnen einsetzt. Er hat auch einen Vorstoss für flexiblere Arbeitszeiten und mehr Home Office durch beide Räte gebracht.

«Mir liegt auch die Sicherheitspolitik am Herzen», sagt Burkart, der als 14-Jähriger durch die Initiative zur Armeeabschaffung politisiert wurde. «Mein Lehrer an der Bezirksschule hat mit uns sehr viel über Politik gesprochen, die Initiative war damals ein sehr emotionales Gesprächsthema und ich habe mich auch als Jugendlicher schon für das Militär interessiert», sagt er.

In der «Schweizer Illustrierten» beschrieb ein Kollege, der mit Burkart hinter einer Bar arbeitete, den Nationalrat als «Tüpflischiisser – im positiven Sinne. Was er anfängt, zieht er durch.» Ein anderer Kollege sagte, für ihn sei klar gewesen, dass Burkart dereinst Politiker wird. Hat der heute 44-Jährige, der einst das Aargauer Jugendparlament mitgründete und die Jungfreisinnigen im Kanton präsidierte, seine Politkarriere also minutiös geplant? «Wenn ich etwas mache, mache ich es richtig, und versuche es möglichst gut zu machen», sagt Burkart dazu. Er sei ehrgeizig und stelle hohe Ansprüche an sich selber.

«Ich trage gerne Verantwortung», sagt Burkart. Dass er nun für den Ständerat kandidiere, habe er aber überhaupt nicht geplant. «Ich habe mich gefreut, als ich 2015 nach über 14 Jahren kantonaler Politik in den Nationalrat gewählt wurde, hätte aber nicht damit gerechnet, dass Philipp Müller nur eine Amtsperiode im Ständerat macht.» Der Entscheid des früheren FDP-Schweiz-Präsidenten, im Herbst nicht mehr zu kandidieren, sei für ihn «einigermassen überraschend gekommen».

Auch beim FDP-internen Nominationsduell gegen Nationalrat Matthias Jauslin, das Burkart mit 154 zu 38 Stimmen klar für sich entschied, wurde Burkart breit unterstützt. Jungfreisinnige, FDP Frauen, Nationalrätin Corina Eichenberger und Regierungsrat Stephan Attiger waren für ihn. Auch auf die Frage zu seinen Fremdsprachenkenntnissen war Burkart vorbereitet, er antwortete in fliessendem Französisch.

«Ich habe nicht speziell auf den Parteitag hin Französisch gelernt», sagt Burkart. Er halte es aber für wichtig, mit Politikern und Interessenvertretern aus der Romandie in deren Muttersprache diskutieren zu können. «Wenn man Mehrheiten schaffen will, ist das hilfreich», begründet er.

Anzug und Krawatte, oder Heavy-Metal-Shirt

Beim Gespräch mit dem AZ-Redaktor, das in der Mittagspause einer Kommissionssitzung stattfindet, trägt Burkart Anzug und Krawatte. «Das ist mein Stil, wenn ich im Bundeshaus bin, für mich ist das ein Zeichen von Respekt gegenüber unserer demokratischen Verantwortung.» Im Ständerat seien Anzug und Krawatte für männliche Mitglieder Pflicht – bei der Kleiderwahl müsste sich Burkart bei einem Wechsel von der Grossen in die Kleine Kammer also nicht umstellen.

Für das Foto posiert der FDP-Kandidat ohne Anzugjacke und Krawatte – in der Freizeit trägt er auch mal ein Schwingerhemd oder ein T-Shirt einer Heavy-Metal-Band. Wie passen diese zwei Seiten zusammen – der korrekte und ambitionierte Politiker einerseits, der Schwinger- und Schützenfreund mit dem Faible für harten Rock andererseits?

«Jeder Mensch hat mehr Facetten, als man auf den ersten Blick sieht», sagt Burkart. Rock und Heavy Metal höre er seit der Jugend. «Warum soll ich das wegen irgendwelchen Konventionen aufgeben?»

Auch bodenständige Veranstaltungen wie Schwingfeste oder Feldschiessen gefallen Burkart. In der Politik müssten Voraussetzungen für Innovationen und Wohlstand geschaffen werden, daneben brauche es aber auch den Zusammenhalt der Bevölkerung und die Pflege von Traditionen, sagt er.

Politischer Spider von Thierry Burkart

Politischer Spider von Thierry Burkart

Derzeit ist Burkart nur zu 30 Prozent Rechtsanwalt

Bei seiner beruflichen Tätigkeit als Rechtsanwalt in Baden sind dann wieder Hemd und Anzug gefragt – doch wie oft ist Burkart derzeit überhaupt in der Kanzlei in Baden? «Ich arbeite im Moment rund 30 Prozent, der Wahlkampf lässt nicht mehr zu.» Ohnehin sei das Amt als Nationalrat zeitaufwändig und beanspruche ihn sehr, «weil ich es sehr ernst nehme».

Berufspolitiker wolle er nicht sein, «aber das Milizsystem, das mir sehr am Herzen liegt, ist bei einem Amt im Bundesparlament tatsächlich schwer aufrechtzuerhalten».
Auch die Finanzierung des Wahlkampfs über Spenden von Privaten, Unternehmen und Verbänden gehört für Burkart zum politischen System der Schweiz. «Ich habe mehr als 600 Spender, die allermeisten davon sind normale Bürger, und ich würde auch die Vorgaben der Transparenz-Initiative der Linken erfüllen.» Was heisst das konkret? Er habe
keine Spende von über 10'000 Franken erhalten, die er offenlegen müsste, sagt Burkart.

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