Das 14. Wirtschaftssymposium Aargau wurde unter dem Titel «Im Spannungsfeld zwischen Macht und Ohnmacht» abgehalten. Mächtige Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik trafen sich gestern im Kultur- und Kongresshaus in Aarau, um zu eruieren, was Macht bedeutet und warum eine mächtige Position oft auch ohnmächtig machen kann.

Letzter, aber prominentester Redner des Nachmittags war der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Thomas Jordan. Franz Fischlin, der Moderator der Veranstaltung, stellte ihn als einen der «mächtigsten Männer der Schweiz» vor. Es sei zu einem gewissen Grad ein Widerspruch, dass die SNB oft als mächtigste Institution der Schweiz dargestellt werde, ihrem Handeln aber gleichzeitig enge Grenzen gesetzt sind, sagte Jordan.

In seinem Referat zur Geldpolitik der SNB im internationalen Spannungsfeld zeigte er auf, wie stark das Wirken der SNB von der Weltwirtschaft abhängig ist und warum es gerade keinen Grund gebe, die aktuelle Geldpolitik zu verändern. Die Schweiz habe sich in den letzten zehn Jahren im internationalen Umfeld, das etwa durch die Finanzkrise, den Brexit oder die Beziehungen zwischen den USA und China durchgeschüttelt worden ist, gut gehalten.

Die Lage sei aber weiterhin fragil, mit der Steuerung des Wechselkurses und den Negativzinsen habe die SNB zwei mächtige Instrumente in der Hand, um etwas Stabilität zu garantieren. «Würden wir jetzt diese Politik ändern und müssten es dann wegen Instabilität durch politische Ereignisse wieder rückgängig machen, wäre das ein hohes Risiko», erklärte der SNB-Präsident. Prognosen, wann sich das ändern könnte, gab er trotz mehrmaligem Nachfragen von Franz Fischlin keine ab.

Macht und Ohnmacht

Den Auftakt zum Wirtschaftssymposium machte zuvor der norwegische Wirtschaftsphilosoph Anders Indset. «Quantenwirtschaft» warf er als neues Schlagwort in die Runde. Gemeint ist damit, dass in Zeiten der Digitalisierung und der weltweiten Vernetzung im wirtschaftlichen Handeln nicht mehr lineares Denken gefragt ist. «Die Welt ist viel besser geworden, aber gleichzeitig stehen wir vor ganz neuen Herausforderungen», sagte der Philosoph.

Die Digitalisierung habe auch die Politik verändert, sagte die Aargauer Vertreterin des Anlasses und mächtige Stimme aus der Politik, FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger. «Ich fühlte mich am Anfang ohnmächtig gegenüber den Medien», sagte sie im Gespräch mit Franz Fischlin. Als Frau habe sie sich, obwohl in der Politik in der Minderheit, aber bisher nicht ohnmächtig gefühlt, so Eichenberger. Dass weniger Frauen als Männer in die Politik gehen, liege aus ihrer Sicht daran, dass Frauen generell weniger direkte Macht ausüben wollten als Männer und eher auf indirekte setzten.

Ob es in der Wirtschaft, wo die Frauen in Spitzenpositionen ebenfalls deutlich untervertreten sind, eine Frauenquote braucht, konnte die zweite Gesprächspartnerin, Gabriela Manser, nicht abschliessend beantworten. Manser ist CEO und Verwaltungsratspräsidentin der Goba Getränke AG. Man versuche zwar, die Möglichkeiten zu schaffen – dass die Bemühungen nicht fruchten, verlange ihr aber einiges an Geduld ab, so Manser. Sie könne sich deswegen vorstellen, dass es sinnvoll wäre, für eine begrenzte Zeit eine Frauenquote einzuführen, so lange, bis es selbstverständlich sei, dass Frauen gleich stark vertreten sind wie Männer.

Aufgelockert wurde der Nachmittag durch Verhandlungsexperte Matthias Schranner. Verhandlungen in der Wirtschaft seien nicht anders als jene im Alltag, erklärte er auf sehr unterhaltsame Art. Verhandlungssituationen begegneten einem auch als Vater eines fordernden Kindes im Supermarkt. Oder nach einem anstrengenden Tag, wenn die Frau zu Hause fragt, warum der Gatte keine Milch mitgebracht hat.

Besonders brisant seien Verhandlungen, wenn es um eine Geiselnahme geht, wie der ehemalige Polizist anschaulich aufzeigte. Allen Situationen sei gemein, dass man nicht mit sich selber verhandeln soll, keine Unsicherheiten zulässt und, am wichtigsten, dass keiner der Verhandlungspartner das Gesicht verliert. Und so seien die Situationen auch auf die Wirtschaft anwendbar.

König für einen Tag

Franz Fischlin fragte alle seine Gesprächspartner und Referenten jeweils, was sie tun würden, wenn sie für einen Tag die ultimative Macht hätten und König der Schweiz wären. Corina Eichenberger würde den Tag damit verstreichen lassen, zu überlegen, was sie mit dieser Macht tun soll.

Anders Indset wäre sowieso lieber König von Norwegen, bei Gabriela Manser dürften alle Menschen einen Tag lang machen, was ihnen gefällt, und Matthias Schranner würde die EU und die Schweiz in Brüssel zum gemeinsamen Mittagessen einladen. Thomas Jordan hätte wenig Gefallen an so viel Macht. Er würde den ganzen Tag lang bedauern, nicht mehr SNB-Präsident zu sein.