Jahrelang sind die Strompreise gesunken – doch jetzt scheint die Talsohle erreicht. «Die Energiestrategie 2050 bringt höhere Strompreise: Teilweise ab dem Jahr 2018, sicherlich ab dem Jahr 2019», schreibt der Verband Aargauischer Stromversorger in einer Mitteilung. Weil noch nicht alle Umsetzungsbestimmungen zur Energiestrategie vollständig vorliegen, seien Ausmass und Zeitpunkt der Preiserhöhungen erst grob abschätzbar. Insgesamt erwartet der Verband, «dass die Strompreise auf das Jahr 2018 für Aargauer Endkunden teilweise leicht ansteigen, sich jedoch auf tiefem Niveau halten.»

Ruedi Zurbrügg, Geschäftsführer des Verbands, sagt auf Anfrage: «Von unseren 100 Mitgliedern werden sicher ein paar die Preise senken, einige dürften gleich bleiben, die Mehrheit wird aber die Stromtarife erhöhen.» Wie dies für einzelne Kunden aussieht, ist derzeit noch offen: Die Stromversorger kalkulieren momentan die Preise für 2018, die Bezüger werden ab August über die neuen Elektrizitätspreise informiert.

Strompreis hat mehrere Faktoren

Der Strompreis setzt sich aus vier Komponenten zusammen: Kosten für Energie, Kosten für Netznutzung, Abgaben ans Gemeinwesen und nationale Förderabgaben. Bei den Energiekosten zeigt sich, dass die lange Periode der fallenden Strompreise an den internationalen Börsen vorbei ist. «Der vorläufige Tiefpunkt war im Winter erreicht, seither steigen die Preise leicht», sagt Ruedi Zurbrügg. Stromversorger, die zu einem optimalen Zeitpunkt eingekauft hätten, könnten das tiefe Preisniveau auch im Jahr 2018 den Endkunden weitergeben. Dies werde jedoch nicht bei allen 100 Aargauer Stromversorgern der Fall sein, teilt der Verband mit.

Zudem werde eine in der Energiestrategie 2050 beschlossene Regelung den Energiepreis erhöhen. Neu ist vorgeschrieben, dass die Elektrizitätswerke nur noch Strom an Endkunden abgeben dürfen, für den die Produktionsart mit kostenpflichtigen Herkunftsnachweisen eindeutig nachgewiesen werden kann. Ein solcher Herkunftsnachweis in der Qualität Schweizer Wasserstrom könne bis zu 0,4 Rappen pro Kilowattstunde kosten. Dies sind in etwa 7 Prozent des Energiepreises.

Bei den Kosten für die Netznutzung sind für 2018 gleichbleibende oder teilweise sogar leicht sinkende Preise zu erwarten. Punktuell seien dort höhere Netzkosten zu erwarten, wo überdurchschnittliche Investitionen in den Infrastrukturausbau getätigt werden mussten, schreibt der Verband.

Höhere Abgaben erst ab 2019?

Zudem beeinflusst die Erhöhung der nationalen Förderabgabe von 1,5 Rappen auf neu 2,3 Rappen pro Kilowattstunde den Strompreis deutlich. Diese Erhöhung wurde mit der Energiestrategie 2050 beschlossen, sie widerspiegelt die im Abstimmungskampf oft genannten 40 Franken pro Familie. Laut dem Verband der Aargauischen Stromversorger ist noch offen, ob diese Erhöhung bereits auf das Jahr 2018 oder erst auf 2019 zum Tragen kommt. «Setzt der Bundesrat die Gesetze im Zusammenhang mit der Energiestrategie 2050 erst nach dem 1. Juli 2017 in Kraft, verschiebt sich die Erhöhung auf 2,3 Rappen auf 2019», teilt der Verband mit.

An der Generalversammlung sagte Präsident Markus Blättler, mit dem Ja zur Energiestrategie 2050 sei erst der Startschuss zu bedeutenden Veränderungen in der Stromversorgung gefallen. Veränderungen gibt es auch im Verbandsvorstand: Walter Harisberger trat altershalber zurück und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Als Nachfolger wählte die Versammlung Walter Meyer von der IBA Strom AG. Meyer sei ein absoluter Fachmann und ein Kenner der Energieversorgung, schreibt der Verband in seiner Mitteilung.