Regierungsratswahlen
Twitter-Hickhack mit Fricker: «Komm, wir gehen besser mit unseren Kindern spielen"

Muss eine Partei einen gewissen Stimmenanteil aufweisen, um bei den Wahlen einen Regierungsratskandidaten stellen zu dürfen? Ein entsprechender Tweet vom Nationalrat Jonas Fricker (Grüne Partei) führte zum Twitter-Streit mit Marco Arni von der GLP.

Fabio Vonarburg
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Jonas Fricker, Nationalrat Grüne, provoziert mit einem Tweet zu den Regierungsratswahlen.

Jonas Fricker, Nationalrat Grüne, provoziert mit einem Tweet zu den Regierungsratswahlen.

AZ

Die bisherigen Regierungsräte haben ihre Wahl beinahe auf sicher. Markus Dieth von der CVP dürfte ebenfalls gewählt werden - umso mehr wird um den einen Sitz gerangelt, den Susanne Hochuli nicht mehr will. Beinahe jede Partei stellt Anspruch darauf. Die SP will Yvonne Feri darauf setzen, die Grünen Robert Obrist, die BDP Maya Bally und die Grünliberalen – nach einem parteiinternen hin und her – Ruth Jo. Scheier.

Die einen sprechen von gelebter Demokratie, Jonas Fricker schreibt auf Twitter von einem Jekami – jeder kann mitmachen. Der Nationalrat der Grünen: «Jetzt fehlt nur noch die EVP» und entfesselt damit eine Twitter-Streiterei.

Denn die Fricker-Provokation fruchtet. In erster Linie reagiert Marco Arni von den Grünliberalen Aargau, eine der Parteien, die rein rechnerisch keinen Anspruch auf einen Regierungsratssitz hätte und dennoch eine Kandidatin zur Wahl stellen. Er entgegnet Fricker: «Und wer hat mit diesem Jekami begonnen... :)?». Denn die Grüne Partei könne im Aargau auch nicht auf viel mehr Wählerstimmen zählen als die Grünliberalen. Bei den letzten Grossratswahlen erzielten die Grünen 7,4 Prozent Stimmenanteile, die Grünliberalen 5,5 Prozent.

Zwischen Arni und Fricker kam es schon früher auf Twitter zu Provokationen. So twitterte Arni am 28. Juni: «Oje, muss ich jetzt wirklich zwischen einer SVP und einer Grünen Pro-forma-Kandidatur auslesen?» Ein Tweet, den Jonas Fricker frech findet, wie er gegenüber der az sagt. Denn: «Wir waren die letzten acht Jahre in der Regierung vertreten. Unsere Kandidatur ist definitiv keine Alibikandidatur.» Jene der GLP bezeichnet Fricker hingegen als Zugpferd-Kandidatur für die Grossratswahlen. Wobei er den Entscheid nachvollziehen kann. Denn: «Wer nicht für die Regierung kandidiert, wird von den Medien nicht wahrgenommen.»

Bei seinem Tweet habe schon ein wenig Enttäuschung mitgespielt, dass die GLP selber eine Kandidatin ins Rennen schicken, statt Robert Obrist von den Grünen zu unterstützen. Wobei er betont: «Mein Tweet ist ernst gemeint. Regierungsratswahlen sind Persönlichkeitswahlen. Die Wählenden werden die bestgeeigneten Personen wählen und nicht ein Parteibuch. Das ist richtig so.» Zurück zum Twitter-Pingpong-Duell von Fricker und Arni.

«Die Grünen Aargau stellen mit Robert Obrist die geeigneste Person, um die Arbeit von Susanne Hochuli weiter zu führen», verbreitete Fricker als Nächstes Wahlwerbung im Netz. Worauf Arni antwortete: «Ärgerlich für Euch, dass das so viele Parteien offenbar nicht begriffen haben..»

Ihre Parteien haben beide das Wort Grün im Namen, doch mittlerweile sehen beide Politiker rot.

Fricker: «Verkaufe mich nicht für dumm: Allen Parteien geht es um strategische Wahlvorteile.»

Arni: «Genau. Und darum müssen alle bei jedem Tweet – obs passt oder nicht – unablässig behaupten, ihr/-e Kandidat/-in sei am besten.»

Fricker: «Du bist die löbliche Ausnahme, Marco. Du machst die anderen Kandidaturen schlecht.»

Über das Internet streiten, gibt es eine unterhaltsamere Sonntagsunterhaltung? Marco Arni zumindest hat jetzt genug vom Tweet-Pingpong mit Fricker. Sein letzter Tweet: «Komm, wir gehen besser mit unseren Kindern spielen. Ist die bessere Investition in die Zukunft.» Ein Rat, dem Fricker folgte? «Während er noch weiter twitterte, war ich schon lange mit meiner Familie unterwegs.»

Franziska Roth (SVP)
22 Bilder
Regierungsratskandidatin Franziska Roth im Fokus Was bedeutet die Nomination der Brugger Bezirksgerichtspräsidentin und wie wird sie versuchen, ihren Bekanntheitsgrad zu verbessern? (April 2016)
Yvonne Feri (SP)
Die 50-jährige Nationalrätin kämpft um einen zweiten SP-Sitz in der Aargauer Regierung. Feri ist noch bis Ende Jahr Gemeinderätin von Wettingen und unter anderem Präsidentin von "Kinderschutz Schweiz" sowie des "Vereins für Soziale Gerechtigkeit".
Die Aargauer Regierungsratskandidaten 2016 Markus Dieth (CVP)
Der 49-jährige Wettinger sitzt seit 2009 im Grossrat und präsidierte diesen im Jahr 2015. 2006 wurde er in den Gemeinderat von Wettingen gewählt, wo er seit 2008 das Amt des Gemeindeammanns ausübt.
Alex Hürzeler (SVP)
Der 51-Jährige sitzt seit 2009 im Aargauer Regierungsrat und hat dort das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) inne. Der Fricktaler stellt sich diesen Oktober für eine weitere Amtsperiode zur Wahl.
Maya Bally: «Die Chancen stehen gut für eine Frauenkandidatur aus der Mitte» (8.8.2016)
Die 55-jährige Hendschikerin ist seit 2012 Mitglied der kantonalen Parteileitung und Präsidentin der Bezirkspartei Lenzburg. Im Oktober 2012 wurde sie in den Grossen Rat gewählt, seit 2013 ist sie Präsidentin der Fraktion. Als Schulpflegepräsidentin liegen ihre politischen Schwerpunkte in der Bildung aber auch bei Wirtschaft und Finanzen.
Stephan Attiger (FDP)
Der 49-Jährige steht im Regierungsrat seit 2013 dem Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) vor. Am 23. Oktober kandidiert er für seine Wiederwahl.
Urs Hofmann (SP)
Der 59-jährige Aarauer leitet im Regierungsrat seit 2009 das Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Im Oktober will er den SP-Sitz in der Aargauer Regierung verteidigen.
Mia Jenni, Ariane Müller und Mia Gujer: Dieses Trio zieht für die Juso in den Regierungsrats-Wahlkampf. Mia Jenni (21) ist Vorstandsmitglied der Juso Aargau und studiert Germanistik und Kunstgeschichte. Ariane Müller (23) studiert zurzeit Geschichte und Geologie und ist Präsidentin der Juso Freiamt. Mia Gujer (22) ist Präsidentin der JUSO Aargau und arbeitet als Kampagnen-Mitarbeiterin.
Robert Obrist (Grüne)
Der 58-jährige Schinznacher sitzt seit Januar 2014 im Grossen Rat. Als Agronom und Departementsleiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (FiBL) sind Umwelt und Bildung die Themen, die Obrist am meisten umtreiben.
Ruth Jo. Scheier (GLP)
Die 40-Jährige wohnt seit 2005 in Wettingen. Sie ist alleinerziehende Mutter einer 17-jährigen Tochter. Sie arbeitet als kaufmännische Angestellte in einer Schmuck-Grosshandelsfirma. Die Grossrätin ist auch Vize-Präsidentin der GLP Aargau.
Die transsexuelle Jil Lüscher kandidiert als Parteilose.
Pius Lischer (IG-Grundeinkommen)
Der 53-jährige Pius Lischer wohnt in Oberrüti und ist schon bei mehreren Wahlen angetreten – jeweils ohne Erfolg.

Franziska Roth (SVP)

Alex Spichale

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