Ständerat
Wahlkampf um Ständeratsitze: «Die Türen für die FDP sind offen»

Allein oder gemeinsam in den Wahlkampf ziehen? Diese Frage müssen sich die Parteien stellen, die 2015 einen Kandidaten ins Rennen um die beiden Aargauer Ständeratssitze schicken.

Manuel Bühlmann
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(v.l.n.r.) BDP-Interessent Bernhard Guhl, SVP-Kandidat Hansjörg Knecht, FDP-Kandidat Philipp Müller und GLP-Interessent Beat Flach.

(v.l.n.r.) BDP-Interessent Bernhard Guhl, SVP-Kandidat Hansjörg Knecht, FDP-Kandidat Philipp Müller und GLP-Interessent Beat Flach.

Zur Verfügung gestellt

SVP-Präsident Thomas Burgherr möchte mit der FDP um Stimmen kämpfen. Deren Präsident Matthias Jauslin gibt sich aber äusserst zurückhaltend:

In der FDP herrscht Uneinigkeit über die Antwort auf diese Frage: Im Interview mit der Aargauer Zeitung kritisiert der abtretende Grossrats-Fraktionschef Daniel Heller die Strategie des Parteipräsidenten Philipp Müller. «Ein taktischer Fehler» sei diesem unterlaufen, weil er öffentlich verkündete, der Sitz von SP-Ständerätin Pascale Bruderer sei gesetzt. Philipp Müller sagte bereits im April, er werde wohl allein antreten, weil er und Hansjörg Knecht von der SVP Konkurrenten seien. Heller hingegen vertritt die Meinung, die FDP müsse zusammen mit der SVP für zwei bürgerliche Sitze kämpfen – «unbedingt!»

FDP-Strategie noch offen

Zur Kritik aus der eigenen Partei will sich der FDP-Präsident nicht äussern: Philipp Müller sagt auf Anfrage, er könne zurzeit keine Fragen zur Wahlkampfstrategie der FDP beantworten. Diese müsse erst noch in den Parteigremien erarbeitet werden.

Der Präsident der kantonalen FDP, Matthias Jauslin, sagt: «Wir haben noch keine abschliessende Strategie festgelegt. Ich sehe aber nicht, dass wir einen reinen Wahlkampf nur mit Philipp Müller und Hansjörg Knecht führen werden.» Die Empfehlung werde wohl eher lauten: «Wählt zwei der bürgerlichen Kandidaten.»

Bei der SVP hofft man derweil, dass sich die FDP doch noch gegen einen Alleingang entscheidet. «Ich habe grosse Sympathien für einen gemeinsamen Wahlkampf», sagt Thomas Burgherr, Präsident der Aargauer SVP.

Erklärte Ziele der SVP: Ständeratssitz zurückerobern und zwei bürgerliche Sitze für den Aargau. «Im Wissen, dass es schwierig wird, gegen Pascale Bruderer zu gewinnen», sagt Burgherr.

Allerdings geht er davon aus, den Wahlkampf ohne die Unterstützung der FDP führen zu müssen. «Die Türen sind aber offen.» Eine Alternative zur FDP gebe es nach heutigem Stand nicht. Höchstwahrscheinlich werde die SVP deshalb auf sich allein gestellt sein.

SVP-Kandidat und Nationalrat Hansjörg Knecht schätzt die Ausgangslage ähnlich ein: «Eine ungeteilte Standesstimme wäre aus bürgerlicher Sicht zwar anzustreben. Leider sieht dies Philipp Müller gemäss kürzlicher Aussage auf Tele M1, dass Pascale Bruderer bereits gewählt sei, aber offenbar anders. Somit kämpft wohl jeder Kandidat für sich.»

BDP-Guhl liebäugelt . . .

Das Kandidatenfeld besteht derzeit aus Pascale Bruderer (SP), Ruth Humbel (CVP), Philipp Müller (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP). Gut möglich, dass sie noch mehr Konkurrenz erhalten: BDP, GLP und Grüne schliessen nicht aus, dass sie ebenfalls einen Kandidaten stellen werden. Der Aargauer Parteivorstand der BDP diskutiert diese Frage an seiner heutigen Sitzung. Wer für sie in den Wahlkampf ziehen würde, sei derzeit noch offen, sagt Nationalrat Bernhard Guhl. Er selbst schliesst eine Kandidatur nicht aus. «Das Rennen um die Aargauer Ständeratssitze ist komplett offen. Niemand ist gesetzt, auch Pascale Bruderer nicht.»

Die SP-Ständerätin vertrete in der kleinen Kammer häufig nicht die Mehrheit des Aargauer Stimmvolks. «Die Bürgerlichen können durchaus versuchen, an Bruderers Sitz zu rütteln», sagt Guhl. Ob die BDP allein oder mit einer anderen Partei in den Wahlkampf ziehen würde, müsse erst noch geklärt werden.

. . . genauso wie GLP-Flach

«Ganz klar ein Thema» sei der Ständerat auch für seine Partei, sagt GLP-Nationalrat Beat Flach. Es gebe aber keinen Grund zur Eile. Einen definitiven Entscheid für oder gegen eine Kandidatur fällt die GLP im vierten Quartal des Jahres. Einigen sich die Grünliberalen auf ein Ja, wollen sie ihre Kandidaten in den ersten drei Monaten des nächsten Jahres bekannt geben. Er selber könne es sich vorstellen, auch wenn es ihm im Nationalrat gefalle, sagt Flach.

Ob sich auch die Grünen um einen Sitz im Stöckli bewerben, werden sie Mitte Oktober an ihrer Mitgliederversammlung beschliessen. «Traditionellerweise kandidieren wir auch für den Ständerat», sagt Jonas Fricker, Präsident der Grünen Aargau. Die Suche nach möglichen Kandidierenden habe aber noch nicht begonnen.