Nachhaltigkeit
Wasser predigen und Wein trinken: So legen die Aargauer Landeskirchen ihr Pensionskassen-Geld an

Der Schutz der Menschenrechte und der Umwelt sind nur zwei der ethischen Themen, die unseren Kirchen ein besonderes Anliegen sind. Umso mehr erstaunt der Blick in die Anlagefonds der Pensionskassen der beiden Aargauer Landeskirchen.

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Blick in die Werkstätte des Apple- und Samsung-Zulieferers Foxconn, wo immer wieder über skandalöse Arbeitsbedingungen berichtet wird. (Archivbild)

Blick in die Werkstätte des Apple- und Samsung-Zulieferers Foxconn, wo immer wieder über skandalöse Arbeitsbedingungen berichtet wird. (Archivbild)

Keystone

Es ist kein Geheimnis, dass manche der rentabelsten Unternehmen im Weltmarkt mit teils umstrittenen Methoden für Höhenflüge an der Börse sorgen: Die Tech-Giganten Apple und Samsung würden laut Menschenrechtsorganisationen in ihren Zulieferbetrieben "skandalöse Arbeitsbedingungen" in Kauf nehmen, schreibt das Aargauer Pfarrblatt "Horizonte", das die Anlagepolitik der Landeskirchen unter die Lupe genommen hat. Auch der Lebensmittel-Konzern Néstle wird für seine geplante Privatisierung von Grundwasser-Vorkommen immer wieder kritisiert und der Baustoff-Riese Lafarge-Holcim musste nach einer internen Untersuchung kürzlich gar eingestehen, sich auf zweifelhafte Geschäfte mit dem «Islamischen Staat» eingelassen zu haben.

Recherchen von "Horizonte" haben nun ergeben: Unternehmen wie Apple, Samsung, Nestlé oder Lafarge-Holcim sind in den Aktien-Portfolios der kirchlichen Pensionskassen des Kantons Aargau prominent vertreten.

Verzinsung wichtiger als ethisches Bewusstsein

Speziell aufgefallen sei dabei die Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche. Diese erwähnt in ihrem Geschäftsbericht auch Anlagen in sogenannten «Emerging Markets», also «Schwellenmärkten». Dabei geht es um Investitionen in Schwellenländern wir China oder Indonesien, die erfahrungsgemäss nicht gerade dafür bekannt sind, die Standards bei den Themen Umweltschutz und Menschenrechte einzuhalten.

Dass sich die Aargauer Landeskirchen Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben, sich bei der Geldanlage aber wenig daran halten, erklärt Lutz Fischer-Lamprecht, Präsident des Stiftungsrats der Pensionskasse der Reformierten Landeskirche Aargau, so: «Seelsorgende – ein Grossteil unserer Versicherten – haben ein sehr ausgeprägtes ethisches Bewusstsein. Doch wenn es um die Verzinsung des eigenen Vorsorgekapitals geht, tritt das in den Hintergrund.»

Auch Daniel Roth, Stiftungsratspräsident der Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, befindet gegenüber «Horizonte»: «Als Pensionskasse müssen wir primär dafür sorgen, dass unsere Mitglieder eine gesicherte Rente haben.» Man habe sich im Stiftungsrat durchaus mit dem Thema «Anlagen und Ethik» auseinandergesetzt, man investiere daher auch nicht in Rohstoffe oder Gold. «Aber wenn wir in einem Fonds noch jede Aktienbeteiligung einzeln prüfen müssten, hätten wir einen zu grossen Aufwand.»

Nachhaltiges Investment nicht per se schlechter

Dass Nachhaltigkeit und rentables Investing durchaus zusammengeht, beweise WWF Schweiz, wie «Horizonte» weiter ausführt. Zusammen mit der britischen NGO «ShareAction» veröffentlichte die Natur- und Umweltschutzorganisation im vergangenen Jahr ein Rating der 20 grössten Schweizer Pensionskassen. Untersucht wurde, ob die Vorsorge-Einrichtungen die Gelder ihrer Versicherten nachhaltig anlegen und ob sie darüber transparent informieren.

Zum Einwand von Seiten der befragten kirchlichen Pensionskassen, wonach nachhaltiges Investment zu aufwendig und kostenintensiv sei und zu wenig Rendite abwerfe, sagt Claude Amstutz vom WWF Schweiz: «Sicher, Pensionskassen haben von Rechts wegen die Pflicht, die Renten zu sichern. Verantwortungsvolles Investieren muss sich demnach lohnen. Verschiedene Studien sowie Meta-Analysen der vergangenen Jahre zeigen aber, dass Anleger, die auf Nachhaltigkeit setzen, dieselbe, wenn nicht sogar bessere Performance erzielen.» (luk)

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