Meiereien

Wegen Coronavirus: Papierbündel im leeren Dorf

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Im Normalfall hätten Jungwächtler am letzten Samstag im Dorf das Altpapier eingesammelt. Der Termin war lange bekannt. Wer auch nur ein bisschen am Dorfleben teilnahm, wusste das. Seit es die Papiersammlung gibt – und das ist doch schon weit über ein halbes Jahrhundert – fiel noch nie ein Sammeltermin aus. Die Papiersammlungen standen zuverlässig und unverrückbar im dörflichen Kalender wie Schulferien, Ostern und Weihnachten.

Nun geschah das Unvorstellbare. Die Gemeinde sagte die Altpapiersammlung kurzfristig ab. Doch es erwies sich als schwierig, die Leute im Dorf zu erreichen. Vielleicht waren sie so beschäftigt, schöne Bündel zu schnüren, dass sie die Notiz weder online noch in der Lokalzeitung bemerkten. Das führte dazu, dass die Ahnungslosen Altpapier und Karton gleichwohl am Freitagabend an den Strassenrand stellten.

Man kann sich vorstellen, wie erschüttert sie sein mussten, als sie erkannten, dass nicht einmal mehr die Papiersammlung funktioniert. Einige haben ernüchtert ihr Papier wieder in den Keller getragen, die allermeisten aber liessen Papier und Karton am Strassenrand, wohl auf ein kleines Abholwunder hoffend.

Das Wunder trat nicht ein. So kam es, dass die sonntäglichen Dorfspaziergänger ziemlich viel Zeitungsbündeli und riesige Kartonbeigen antrafen. Die Spaziergänger unterhielten sich über Qualität und Machart der Bündeli und wunderten sich über die vielen Verpackungen von elektronischen Geräten aller Art.

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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