Leserwandern, 5. Etappe: von Reigoldswil BL auf die Wasserfallen

Leserwandern, 5. Etappe: von Reigoldswil BL auf die Wasserfallen

So lange dauert es, bis 70 Leserwanderinnen und Leserwanderer bei ihrem Aufstieg zum Passwang-Kamm an einem vorbei gelaufen sind.

Die 11,5 Kilometer lange Wanderung führte von Regoldswil auf die Wasserfallen, unter anderem auch über den Bergkamm des Passwangs. Wieso dieser Berg historisch – und heute! – nicht nur das Mittelland mit dem Baselland verbindet, sondern auch separiert, lesen Sie hier: 

Der Passwang: seit 800 Jahren im Einsatz

Es ist eine Frage der Perspektive. Für die einen ist das Schwarzbubenland «hingerem Bärg». Für die Bewohner der erwähnten Region – zu ihnen zählten einige der gestrigen Leserwanderer – liegt diese natürlich «vorem Bärg».

Solothurner aus dem oberen Kantonsteil jedenfalls (auch diese wanderten gestern mit) fahren konsequent «hingere Bärg», wenn sie in die Bezirke Dorneck und Thierstein wollen. Und all jene von «hingerem Bärg» (die Autorin dieses Textes ist Solothurnerin, die Perspektive also klar) fahren sowieso ganz selten «vore Bärg», sondern viel lieber nach Basel – das ist näher und man spricht ähnlicher als in der Kantonshauptstadt Solothurn, aus deren Perspektive also «hingerem Bärg».

20 Kilometer schlängelnde Strasse

So oder so, es gibt (fast) nur einen Weg, um von vorne nach hinten oder von hinten nach vorne zu gelangen – und der führt über den Passwang. 20 Kilometer schlängelt sich die Passwangstrasse von Balsthal im Süden nach Beinwil, Erschwil, Büsserach und schliesslich Breitenbach, verbindet das Schweizer Mittelland, den Jurasüdfuss und das Thal mit allem, was nördlich davon liegt: ein weiterer Solothurner Kantonsteil sowie zwei Solothurner Exklaven, das Baselbiet, Basel.


Die Passwangstrasse ist trotz Autobahn die kürzeste Verbindung zwischen dem südlichen und dem nördlichen Kantonsteil, zwischen dem Mittelland und dem Baselbiet. Von Solothurn nach Breitenbach (letzte Solothurner Gemeinde vor der Grenze zum Baselland) braucht man mit dem Auto für die 55 Kilometer laut Navi 54 Minuten.


«Die höchsten Joche und unschicklichsten Stellen»


Ob dieser kleine Zwist um die Begrifflichkeit der geografischen Lage bereits seit 1252 besteht, das geht aus keiner Quelle hervor. So lange nämlich gibt es den Pass schon. «Es scheint, man habe beim Baue dieser halsbrecherischen Strasse die höchsten Joche und unschicklichsten Stellen geflissentlich ausgewählt, um sie da durchzuführen», ist in alten Quellen hingegen zu lesen. Im Mittelalter wurde der Pass erstmals als öffentliche Strasse vermerkt.

Die historische Strasse von Balsthal nach Reigoldswil aus der Zeit um 1730 war wegen ihrer massiven Steigungen für Fuhrwerke schlecht geeignet und wurde im 18. Jahrhundert ausgebaut – auch, um nicht über Basel fahren zu müssen und somit den Zöllen zu entgehen. Heute ist diese Route ein schöner Wanderweg, der durch dichte Wälder und über weite Lichtungen führt.

Egal ob «vorem Bärg» oder «hingerem Bärg»: Wir meinen doch alle dasselbe. Und zwar eine wunderschöne Landschaft.

Weitere Informationen

Mehr Fotos, Videos und Anekdoten finden Sie übrigens auf unserem Leserwandern-Blog.

Die 6. Etappe führt uns in die Stadt Solothurn, bzw. rund herum. Alle Infos gibts hier.