Zum Gedenken

Keine Streitigkeiten, keine Ungerechtigkeiten – zeitlebens engagierte er sich für das Gemeinwohl

Martin Vögtli.

Martin Vögtli.

Zum Gedenken an Martin Vögtli, ehemaliger Zivilschutz-Chef des Kantons und Präsident der CVP Aargau, der kurz vor Silvester nach längerer Krankheit von uns gegangen ist. Er war bekannt als loyale, zuverlässige und taktvolle Persönlichkeit.

Am 30. Dezember 2018 ist Dr. phil. Martin Vögtli-Lehmann nach längerer Krankheit verstorben. Martin Vögtli stand von 1988 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 der damaligen Abteilung Zivile Verteidigung (heute Teil der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz) des Kantons Aargau vor und war ab 1990 Chef des Kantonalen Führungsstabes (KFS). Zuvor war der 1937 geborene Vögtli ab 1965 Geschichts- und Deutschprofessor an der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) in Brugg-Windisch. Vögtli war zeitlebens für das Allgemeinwohl engagiert. So war er unter anderem von 1970 bis 1985 Gemeindeammann von Riniken und zwischen 1972 und 1980 Präsident der CVP Aargau. Im Militär kommandierte er das Luftschutzbataillon 18 und später als Oberst den Aargauer Territorialkreis 23.

Unter seiner Führung machte die Abteilung Zivile Verteidigung einen enormen Wandel durch. Der Zivilschutz des Kalten Krieges entwickelte sich zu einem wirksamen, modernen Pfeiler des Bevölkerungsschutzes. Der Verstorbene war nach der Pensionierung an der Erarbeitung des heutigen Bevölkerungsschutzkonzepts beteiligt. Der Zivilschutz wurde gestrafft, die örtlichen Schutzorganisationen sowie die Zahl der Schutzdienstpflichtigen stark reduziert und die Ausbildung verbessert. Der Zivilschutz richtete sich nun hauptsächlich auf die Bewältigung von Naturkatastrophen und zivilen Notlagen aus.

Einsatz bei Grossereignissen

Vögtli führte den Kantonalen Führungsstab während verschiedener Grossereignisse: 1991 beim Zugunglück mit explosionsgefährdeten Benzin-Tankwagen in Stein, 1994 und 1999 während der Hochwasser und bei einem Bergsturz in Küttigen. Es bestätigte sich Vögtlis Einschätzung, dass sich der Kanton Aargau mit seinen vier Flüssen, den kritischen Infrastrukturen sowie den Flugschneisen für den Flughafen Zürich auf die Bewältigung der Risiken gut vorbereiten muss.

Vögtlis Meinung wurde im damaligen Bundesamt für Zivilschutz und in den anderen Kantonen geschätzt. 1997 bis 1999 präsidierte er die Konferenz der Chefs der kantonalen Zivilschutzämter. Der loyale, zuverlässige und taktvolle Vögtli hatte ein besonderes Gespür für die politische Machbarkeit von Geschäften. Ihm war es dabei wichtig, die wegweisenden Projekte selber zu leiten. Zu nennen Gesetzes- und Verordnungsanpassungen, Reformprojekte und die Grundlage zur Bildung des Kantonalen Katastrophen Einsatzelements (KKE). Er bezog alle Beteiligten frühzeitig in die Entscheidungsprozesse mit ein. Dem ehemaligen Deutschprofessor war es wichtig, dass Dokumente absolut fehlerfrei waren, auch sprachlich. Kritische Meinungen sah er als Chancen, er suchte nach Lösungen, die für alle Beteiligten akzeptabel waren. War sein Entscheid gefallen, beharrte er jedoch auf einer konsequenten Umsetzung.

Stets respektvoller Umgang

Streitigkeiten waren ihm zuwider, Ungerechtigkeiten ärgerten ihn. Zu seinen Mitarbeitenden pflegte Vögtli stets ein sehr gutes Verhältnis, geprägt von Wohlwollen und Freiraum. Auch hatte er immer ein offenes Ohr für Anliegen, die nicht die geschäftlichen Zuständigkeiten betrafen. Seine herausragende Sozialkompetenz als Mensch und auch als Chef zeichnete ihn aus. Er lebte einen respektvollen Umgang mit den Menschen vor. Beispielsweise ging er gegenüber Personen im Rollstuhl immer in die Knie, um ein Gespräch auf Augenhöhe führen zu können. Die Mitarbeitenden der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz werden Martin Vögtli ein ehrendes Andenken bewahren. 

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