Vierfachmord Rupperswil

Deutschlands bekanntester Profiler: «Das waren kaum Profis»

Der Vierfachmord von Rupperswil ist noch immer ungelöst. Der bekannte deutsche Fallanalyst Axel Petermann (63) glaubt nicht, dass die Opfer zufällig ausgewählt wurden. Er schliesst ein Beziehungsdelikt nicht aus – auch wegen der Tatwaffe.

Die Ermittler lassen sich zum Vierfachmord von Rupperswil nicht in die Karten schauen. Doch verhaftet haben sie noch keinen Verdächtigen - und so dürfte das brutale Verbrechen nicht nur der Bevölkerung, sondern auch den Ermittlern noch Rätsel aufgeben. 

Zuletzt analysierten die bekannten Schweizer Forensiker Josef Sachs, Frank Urbaniok und Thomas Knecht die der Öffentlichkeit vorliegenden Informationen zum Fall. Nun äussert sich Axel Petermann, Deutschlands bekanntester Kriminalist und Profiler, gegenüber der «Schweizer Illustrierten» und sagt: «Die Opfer wurden in diesem Fall kaum zufällig ausgewählt.»

Kerzen, Blumen, Fotos: So trauert Rupperswil um die vier Mordopfer

Kerzen, Blumen, Fotos: So trauert Rupperswil um die vier Mordopfer

Nachbarn und Freunde trauern um die Opfer des Vierfach-Mordes. Am Tatort liegen Dutzende von Trauerlichtern, Blumen und Fotos - und täglich werden es mehr. Die Ermordeten waren im Dorf sehr beliebt. Die Bluttat löst eine grosse Solidaritätswelle aus.

Die vier Opfer wurden mit Messern umgebracht. Diese Tatwaffe deute meist auf eine persönliche Verbindung. «Bei einer Erpressung würde das für unprofessionelle Täter aus der Region sprechen. Sie kennen die Familie und wissen, dass diese einen bestimmten Geldbetrag ohne Probleme aufbringen kann.» 

Profis würden laut Petermann eine solche Tat besser planen: «Sie betrachten eine Erpressung als Geschäft und haben oft ein Verantwortungsgefühl. Im Sinne von: ‹Ich habe das Geld, ich kann die Opfer frei lassen.›»

Bei regionalen Tätern, die unstrukturiert vorgehen, müsse man befürchten, dass es zum Mord komme. «Sie reagieren häufig überstürzt und mit ungezügelter Gewalt», so der Profiler gegenüber der «Schweizer Illustrierten». Das Feuer deute darauf hin, dass die Täter kein Risiko eingehen und die Tatspuren vernichten wollten.

Axel Petermann, über seine Arbeit: «Als Fallanalytiker frage ich mich: Wieso hat der Täter ein Messer genommen?»

Axel Petermann, über seine Arbeit: «Als Fallanalytiker frage ich mich: Wieso hat der Täter ein Messer genommen?»

Axel Petermann ist wohl Europas bekanntester Kriminal-Profiler. Gegenüber WellTVi spricht er in einem Interview über seine Arbeit und seine Vorgehensweise.

Petermann hat in seiner Kriminalisten-Karriere über 1000 Mordfälle bearbeitet. Selbst für ihn ist der Fall in Rupperswil ungewöhnlich grausam: «Vier Menschen zu erstechen ist ungewöhnlich brutal.»

Zuerst im persönlichen Umfeld ermitteln

Um Schlüsse zu ziehen, wisse man aber noch zu wenig: «Haben die Täter die Waffe mitgebracht, deutet das auf ein geplantes Vorgehen hin. Anders wenn die Waffe aus dem Haus stammt. Hat sich jemand gewehrt? Welches Opfer ist am stärksten verletzt? Das könnte Hinweise auf das Motiv geben.»

Petermann kann sich vorstellen, dass Jugendliche die Täter waren. «Sie standen vielleicht unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol. Waren mental überfordert.»

Für ihn ist klar, dass man bei solchen Verbrechen immer zuerst im Umfeld ermitteln muss. «Wer hat eine Nähe zu den Opfern, wer ein Motiv? Lohnt sich Erpressung?» Petermann schliesst ein Beziehungsdelikt nicht aus. «Wenn Frauen oder Familien getötet werden, ist nicht selten der verlassene Partner der Täter.»

Philipp Umbricht über ... seine Rolle im Fall Rupperswil.

Staatsanwalt Philipp Umbricht über seine Rolle im Fall Rupperswil.

Axel Petermann ist nicht zuletzt dank seiner Bestseller zu Deutschlands bekanntestem Profiler geworden. Seit 2000 ist er ständiger Berater des Bremer «Tatort». Vier Episoden aus seinem Bestseller «Auf der Spur des Bösen» dienten als Vorlage für «Tatort»-Produktionen des Hessischen Rundfunks mit dem Frankfurter Ermittlerduo Nina Kunzendorf und Joachim Król, welche in diesem Jahr ihren letzten «Tatort»-Auftritt hatten.

In der «Schweizer Illustrierten» erzählt eine Nachbarin, wie sie an jenem Montag, 21. Dezember, entdeckte, dass bei Familie Rauch aus einem Fenster im ersten Stock quoll. Weil der Audi A3 von Carla Schauer vor der Tür stand, dachte sie, ihre Nachbarin sei zu Hause. «Ich öffnete die Tür bei Schauers, sie war nicht abgeschlossen. Und rief: ‹Carla, Carla!›». Weil niemand antwortete, habe sie gedacht, dass Carla Schauer mit dem Hund rausgegangen sei und alarmierte schliesslich die Feuerwehr. Diese fanden die vier Opfer dann im ersten Stock. (pz)

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