Lenzburg

Die Hypothekarbank lanciert mit Start-up die erste Gratis-Firmenkarte

CEO Marianne Wildi bei der Präsentation.

GV Hypothekarbank Lenzburg

CEO Marianne Wildi bei der Präsentation.

Der Bankenplatz Aargau kommt nicht zur Ruhe. Jetzt will die Hypothekarbank Lenzburg das Firmenkartengeschäft revolutionieren.

Die Digitalisierung wirbelt den Bankenplatz Aargau durch. Erst letzte Woche gab die Credit Suisse bekannt, dass sie die Marke «Neue Aargauer Bank» aufgibt und das gemeinsame Filialnetz von 30 auf 12 reduzieren will. «Es gilt einfacher und schneller zu werden», sagte CS-Schweiz-Chef André Helfen­stein im Interview mit dieser Zeitung. Letztlich passe man die Bank aber lediglich veränderten Kundenbedürfnissen an. Online- und Mobile-Banking werden wichtiger, der physische Kontakt verliert an Bedeutung.

Nun erlebt der Bankenplatz Aargau einen weiteren Digitalisierungsschub. Heute gibt die Hypothekarbank Lenzburg ihre Kooperation mit dem Zürcher Fintech-Start-up Yokoy bekannt. Gemeinsam lancieren sie die erste gebührenfreie Firmenkarte der Schweiz (eine Prepaidkarte). «Wir sind überzeugt, dass das Firmenkartengeschäft eine Revolution nötig hat», sagt Yokoy-CEO Philippe Sahli.

Neobanken wie N26, Revolut oder Neon haben mit ihren Gratiskarten bereits das Privatkundengeschäft aufgemischt. Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit. «Kunden erwarten heute eine vollintegrierte und gebührenfreie Karte, die komplett online verwaltet werden kann», sagt Yokoy-CEO Sahli.

Wieso macht die Hypothekarbank da mit?

Untergräbt eine Universalbank wie die Hypi Lenzburg damit nicht ihr Geschäft? «Überhaupt nicht», widerspricht Marc Fischer, Vizedirektor der Hypothekarbank Lenzburg. Denn das Ganze ist im Hintergrund komplexer – und natürlich wollen alle involvierten Parteien zwar sehr wohl den Nutzen für Ihre Kunden erhöhen (durch Einsparungen und Vereinfachungen), aber sie wollen auch Geld verdienen.

Im Allgemeinen funktioniert es so: Jede Transaktion mit der Karte generiert Erträge. Diese teilen sich der Betreiber des Kartenzahlungsnetzes (in diesem Fall Mastercard), der Kartenhersteller (das Westschweizer Unternehmen NiD), der Kartenherausgeber (die Hypi) sowie allfällige Karten-Co-Brandingpartner (hier Yokoy). Nach welchem Schlüssel dies passiert, unterliegt der Geheimhaltung.

Wenn Software den Menschen ersetzt

Im Fall der neuen gebührenfreien Firmenkarte kommt hinzu, dass Yokoy ein Spesen- und Ausgabentool anbietet, das laut eigenen Angaben «dank künstlicher Intelligenz marktführend» sei. «Bei Firmen mit 50 bis 100 Mitarbeitern haben wir schon oft gehört, dass Yokoy eine komplette Arbeitskraft im Bereich Finanzen oder Human Resources ersetzt», sagt Melanie Gabriel, Mitgründerin von Yokoy. Indem man Prozesse automatisiert, «von der Transaktion bis zur korrekten Finanzbuchung im Finanztool». Am besten funktioniere das – natürlich – mit der Yokoy-Karte.

Der für die Automatisierung nötige Austausch von Kartentransaktionsdaten läuft über das von der Hypi entwickelte Finstar-System. Ein Open-Banking- Projekt der Lenzburger, das Drittanbietern wie Yokoy oder der Smartphone-Bank Neon den sicheren Zugriff auf Bankdaten erlaubt. Die Nutzung des Systems wiederum wirft für die Hypi Erträge ab. Im ersten Halbjahr 2020 waren es 2,6 Millionen Franken.

Letztlich funktioniert es immer ähnlich: Software ersetzt Mensch. Aber Software wird meist noch von Menschen entwickelt. Es werden also gewisse Arbeitsplätze vernichtet, während andere entstehen. Eine gesellschaftliche Umwälzung – das ist Digitalisierung.

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