Seon
Kampfwahl um Ammann-Amt: SVP will mehr Einfluss im Dorf

Die SVP peilt zweiten Sitz im Gemeinderat an – es kommt zur Kampfwahl mit der FDP um das Amt des Ammanns.

Pascal Meier
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Erich Lüdi (links) und Hans Peter Dössegger wollen Gemeindeammann werden.

Erich Lüdi (links) und Hans Peter Dössegger wollen Gemeindeammann werden.

Pacal Meier

Seon stehen spannende Wahlen bevor: Gemeindeammann Heinz Bürki (71, FDP) tritt nach 20 Jahren (16 als Ammann) zurück. Die FDP schickt ihren Gemeinderat Erich Lüdi (52) ins Rennen, um den Sitz des Ammanns behalten zu können. Anspruch erhebt auch die SVP, die mit Abstand stärkste Kraft im Dorf: Vizeammann Hans Peter Dössegger (63) möchte auch Nachfolger von Bürki werden.

Seon hat damit die Wahl zwischen zwei Kandidaten, die sich vor allem in einem Punkt unterscheiden: Dössegger ist in Seon aufgewachsen und als ehemaliger Kaminfeger im Dorf stark verwurzelt. Er sei damit näher bei den Menschen, sagt Dössegger. Lüdi, der seit 24 Jahren in Seon wohnt, sieht in dieser Nähe Nachteile: «Ich kann neutraler an Geschäfte herangehen und musste in acht Jahren nie in den Ausstand treten, weil persönliche Interessen tangiert waren.»

Nicht nur die Kampfwahl für das Amt des Ammanns ist spannend: Die SVP erhebt mit Blick auf den Wähleranteil Anspruch auf einen zweiten Sitz im Gemeinderat und schickt ihren Präsidenten Peter Wernli (60) ins Rennen um den vakanten Sitz von Heinz Bürki. Wernli ist selbstständiger Bauleiter und Architekt sowie Mitglied der Finanzkommission.

Im Wahlkampf mischt auch die CVP mit, die nicht im Gemeinderat vertreten ist: Hier kandidiert Markus Rihner (48). Der Vater von zwei Kindern ist Mitglied der Verkehrskommission und Präsident der Musikgesellschaft. Rihner arbeitet in Aarau als kantonaler Steuerkommissär.

Der Verhandler: Erich Lüdi

Erich Lüdi sitzt seit acht Jahren für die FDP im Seoner Gemeinderat und betreut unter anderem die Ressorts Strassen, Verkehr und Umwelt. Jetzt hat der Vater von zwei erwachsenen Söhnen Lust auf mehr und kandidiert als Ammann. Lüdi kann sich beruflich so organisieren, dass er dafür Zeit hat: «Dank einer Reorganisation könnte ich mein Pensum reduzieren», sagt Erich Lüdi. Er arbeitet seit 26 Jahren beim Strassenverkehrsamt und ist als Leiter Spezialaufgaben Technik auch für Fahrzeugprüfungen zuständig. «Ich habe hier Verhandlungsgeschick entwickelt, das im Gemeinderat wertvoll ist.»

Erich Lüdi kandidiert auch als Ammann, um der Bevölkerung nebst der Kandidatur von Vizeammann Hans Peter Dössegger eine Auswahl zu bieten. «Ich wurde verschiedentlich ermuntert, auch zu kandidieren.» Wird Lüdi gewählt, möchte er unter anderem Projekte beschleunigen. «Es schafft wenig Vertrauen im Dorf, wenn Projekte viele Jahre dauern, zum Beispiel die Haltestelle Nord der Seetalbahn», sagt der 52-Jährige. Auch wenn Verfahren grundsätzlich lange dauern, müsse man Wege suchen, diese schneller umzusetzen. «Diese Herausforderung möchte ich annehmen.» Zudem würde Lüdi als Ammann offensiver über Projekte informieren. Denn vor allem bei der Infrastruktur kommen grosse Brocken auf Seon zu, unter anderem die Sanierung des Hallenbads. «Infrastruktur, Finanzen, Volksschule und Verkehr sind die wichtigsten Themen der nächsten Legislatur.»

Wie unterscheidet sich Erich Lüdi von Hans Peter Dössegger? «Als FDP-Politiker vertrete ich, verglichen mit der SVP, abweichende bürgerliche Positionen», so Lüdi. «Zudem wohne ich erst seit 24 Jahren in Seon und bin nicht hier aufgewachsen wie Hans Peter Dössegger, der als früherer Kaminfeger viele Leute kennt.» Das sei ein Vorteil, er könne neutraler an Geschäfte herangehen.

Der Macher: Hans Peter Dössegger

Viele Gemeinderäte haben nach spätestens fünf Amtsperioden genug und treten zurück. Der Seoner Vizeammann Hans Peter Dössegger jedoch will eine weitere Amtsperiode anhängen, und zwar neu als Gemeindeammann. «Ich durfte bislang viele spannende Projekte betreuen, vor allem im Baubereich», sagt Dössegger. «Ich habe immer noch grosse Freude am Amt und möchte nun gerne mehr Verantwortung übernehmen.» Dössegger ist Mitglied der SVP-Ortspartei und als Gewerbetreibender mit dem Seoner Gewerbe eng verbunden.

Für das Amt des Gemeindeammanns hätte Hans Peter Dössegger genügend Zeit: Er hat seinen Kaminfeger-Betrieb an Sohn Patrick übergeben, er übernimmt noch Brandschutz-Aufgaben und geniesst nun sein Grosskind sowie Biketouren. «Ich habe damit noch mehr Freiraum für die Gemeinde», so Dössegger, der von sich selbst sagt, mehr Macher als Politiker zu sein.
Als Gemeindeammann würde Hans Peter Dössegger das Ressort Finanzen übernehmen – ein weiterer Grund für die Kandidatur: «Die Finanzen sind die grösste Herausforderung der kommenden Jahre. Wir haben allein bis 2021 rund 40 Projekte mit einem Volumen von rund 26 Millionen Franken in der Pipeline.» Dössegger reizt es auch, als Ammann die Gemeinde Seon zu repräsentieren. Falls er gewählt wird, möchte der 63-Jährige zudem die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden ausbauen. Ein weiteres grosses Thema sei der zunehmende Verkehr durch Seon: «Hier müssen wir Projekte gegen den Stau forcieren, vor allem die Nordspange und die Umfahrung Seon.»

Wie unterscheidet sich Hans Peter Dössegger von Erich Lüdi? «Wir sind vom Typ her ähnlich. Ich habe sicherlich längere Erfahrung im Gemeinderat und bin als ehemaliger Kaminfeger wohl näher bei den Bürgern», sagt Hans Dössegger, der – anders als Erich Lüdi – in Seon aufgewachsen ist.