Lenzburg
Bus als Pfropfen auf der Bahnhofstrasse? Stadtrat präsentiert eine Neuauflage der Bahnhofstrassen-Sanierung

Nachdem das Stimmvolk einen ersten Sanierungsvorschlag abgelehnt hat, bringt der Stadtrat bei den Sanierungsplänen die Bushaltestelle Angelrain wieder ins Spiel – und macht den Bus zu einem noch grösseren Hindernis für den Durchgangsverkehr.

Florian Wicki und Urs Helbling
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Mit dem ursprünglichen Vorschlag hätte der motorisierte Verkehr (in der Gegenrichtung) den haltenden Bus passieren können.
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Mit der neuen Version würde die Durchfahrt blockiert, wenn ein Bus an der Haltestelle steht – ausserdem kommen sich Radfahrer und Buspassagiere nahe.

Mit dem ursprünglichen Vorschlag hätte der motorisierte Verkehr (in der Gegenrichtung) den haltenden Bus passieren können.

zvg

Mit 2210 zu 1510 Stimmen haben die Lenzburger im Herbst einen ersten Sanierungsvorschlag für die Bahnhofstrasse abgelehnt. Einer der Streitpunkte war damals die Bushaltestelle «Angelrain»: Im Einwohnerrat ist diese von einer hauchdünnen, bürgerlichen Mehrheit gestrichen worden.

Der Stadtrat bringt sie nun zurück aufs Parkett. Das Parlament wird die Neuauflage der Bahnhofstrassen-Sanierung an der Sitzung vom 24. Juni beraten. Neben der Bushaltestelle sind Optimierungen bei der Velo- und Fussgängerführung geplant. Ein Einbahnregime lehnt der Stadtrat ab. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 2,282 Millionen Franken. Sie sind praktisch gleich hoch wie letztes Jahr (plus 32'000 Fr.).

Ungewöhnliches Haltestellen-Konzept

Die Bushaltestelle «Angelrain» soll als sogenannte «Kap-Haltestelle» ausgestaltet werden. «Diese Massnahme erhöht den Durchfahrtswiderstand für den motorisierten Individualverkehr (MIV)», schreibt der Stadtrat.

Die Trottoirkante wird vorgezogen, damit zwischen der schmalen Wartezone und dem Bushäuschen ein Velostreifen markiert werden kann. Die Radfahrer Richtung Bahnhof erhalten also freie Fahrt, müssen aber aufpassen, dass es nicht zu Kollisionen mit aus- oder einsteigenden Buspassagieren kommt.

Alles andere als freie Fahrt wird dagegen der Autoverkehr haben: Wenn immer ein Bus anhält (bis 22 Mal pro Stunde), heisst es warten – und zwar jeweils in beide Fahrtrichtungen (das war beim ersten Sanierungsprojekt noch nicht so). Der Bus wirkt wie ein Pfropfen auf der verengten Fahrbahn. Selbst wenn kein Bus da ist, stellt die Verengung ein Hindernis dar: Ein Kreuzen von zwei Autos ist laut Stadtrat nur möglich, wenn diese sehr langsam unterwegs sind. Ein Kreuzen mit einem Lastwagen oder (durchfahrenden) Bus geht nicht – das talwärts fahrende Fahrzeug hat in so einem Fall Vortritt. Für den gesamten Strassenabschnitt wird gemäss Botschaft eine Tempo-30-Zone eingerichtet (war schon bei der ersten Sanierungsvariante der Fall).

Ach Monate lang eine Ampel auf der Strasse

Die Verkehrsführung für Velos soll sich verbessern: So sollen sie bei der Aabachbrücke mittels Mehrzweckstreifen über die Strasse geführt werden. Weiter wird die Rinne bei der Einmündung des Radstreifens in die Fahrspur in Richtung Kreisel neu etwas früher aufgelöst.

In der mindestens acht- bis zehnmonatigen Bauzeit soll der motorisierte Individualverkehr mit einer Fahrspur in Richtung Bahnhof geführt werden. Busse sollen in beide Richtungen mit einer Ampel mit Busbevorzugung fahren können.

Weil die Kosten noch um 20 Prozent schwanken können, will der Stadtrat das Geschäft an die Urne bringen. Stimmt der Einwohnerrat zu, darf die Bevölkerung also in absehbarer Zeit entscheiden, ob sie mit den Nachbesserungen zufrieden ist oder nicht.

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