Lenzburg
Höherer Durchfahrtswiderstand: Bus-Pfropfen kommt vor das Volk

Der Einwohnerrat Lenzburg stimmte der 2. Fassung der Bahnhofstrassensanierung mit 31 zu 6 zu.

Urs Helbling
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Die projektierte Haltestelle «Angelrain»: Wenn ein Bus hält, kann weder ein Auto noch ein anderer Bus vorbeifahren.

Die projektierte Haltestelle «Angelrain»: Wenn ein Bus hält, kann weder ein Auto noch ein anderer Bus vorbeifahren.

zvg

Gibt es in Lenzburg am 26. September ein XXL-Wochenende, an dem neben den Stadtratswahlen nicht nur über zwei Kredite (Schulhaus Mühlematt und «Bleiche»-Sanierung), sondern sogar über drei Sachvorlagen im Gesamtumfang fast 15 Millionen Franken abgestimmt wird? Oder wird die Zweitauflage der Bahnhofstrassensanierung erst am 28. November an die Urne gebracht?

Fest steht seit Donnerstagabend: Das Volk wird zum 2,3-Mio-Kredit befragt. Das hat der Einwohnerrat mit 32 zu 5 Stimmen beschlossen. Vereinzelte SP-Mitglieder hätten angesichts des klaren Verhältnisses in der Hauptabstimmung (31 zu 6) gerne auf den Urnengang verzichtet. Wohl wissend, dass die Strassenvorlage polarisiert, weil sie niemanden so richtig zufriedenstellt. Ein erster, leicht günstigerer Anlauf ist im letzten Herbst in der Volksabstimmung gescheitert (2210 zu 1510 Stimmen).

Die Busse sollen sich nicht gegenseitig behindern

Im Mittelpunkt der Diskussionen dürfte wieder die Bushaltestelle «Angelrain» stehen. In der ersten Vorlage ist sie ganz gestrichen worden. Jetzt ist sie so projektiert, dass die Busse als eine Art Pfropfen dienen (in der Fachsprache «Kap-Haltestelle») und den Durchfahrtswiderstand für den motorisierten Individualverkehr erhöhen, wie der Stadtrat geschrieben hat. Das stört, wie Ruedi Baumann erklärte, die grosse Mehrheit der Lenzburger SVP-Fraktion.

Seitens der FDP brachte Heiner Cueni einen Optimierungsvorschlag ein, der den Kredit um 33231 auf 2,315 Millionen Franken erhöhte. Es sollen Leerrohre eingelegt werden, damit später ohne grossen Aufwand eine Lichtsignalanlage installiert werden kann. Diese soll verhindern, dass sich die Busse beim Pfropfen nicht gegenseitig behindern. Konkret: Dass der Bus in Richtung Bahnhof privilegiert wird, damit er dort nicht zu spät ankommt. Der Einwohnerrat stimmte den Leerrohren mit 25 zu 7 zu (bei 5 Enthaltungen).

«Volksabstimmung wird kein einfacher Lauf»

In der Debatte war die Sanierung der Bahnhofstrasse grundsätzlich unbestritten. Mehrfach wurde aber betont, dass es angesichts der beschränkten Platzverhältnisse eine perfekte Lösung nicht geben kann. «Wir müssen das Bestmögliche machen», erklärte etwa Beat Hiller (GLP), der Sprecher der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GPFK).

«Das Geschäft besteht aus Kompromissen.»

Im Vergleich zur ersten Vorlage gebe es Verbesserungen, doch auch weiterhin Konfliktherde. Thomas Schär freute sich namens der SP, dass es jetzt endlich eine «Bahnhofstrasse für alle» gibt, nicht nur für Autos und Lastwagen. Er warnte angesichts der Komplexität der Vorlage vor einer falschen Dynamik an der Urnenabstimmung: «Das wird kein einfacher Lauf.»

Vor dem Bahnhofstrassenkredit befasste sich das Stadtparlament vor allem mit der Rechnung 2020 der Einwohnergemeinde. Diese hatte sehr erfreulich abgeschlossen werden können. «Erstmals verfügen die Lenzburger über ein Nettovermögen von 5 Franken pro Person», erklärte GPFK-Präsidentin Corin Ballhaus (SVP). Unter anderem, weil im Jahr 2020 Investitionen nicht getätigt werden konnten. Der Rat genehmigte die Rechnung einstimmig.

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