Im Lotto heisst es Sechser, beim Kegeln alle Neune und bei der Lenzburgiade: Frick-Schnyder. Die Rede ist von der Geigerin Fränzi Frick und dem Pianisten Oliver Schnyder. Sie übernehmen per sofort als Intendantenpaar die Leitung des Musikfestivals Lenzburgiade. Aber alles schön der Reihe nach: Da war erstens ein Musikfestival, zweitens der Standort Lenzburg, drittens eine zweijährige Phase der Unsicherheit in Bezug auf dessen Intendanz. Nun sind hier erstens zwei Musiker, die privat Ehepartner sind, zweitens deren Verwurzelung im Aargau und drittens beider Erfahrung als Veranstalter.

Oliver Schnyder erzählt, wie vor wenigen Wochen der Vorstand der Lenzburgiade auf ihn zukam: «Der Vorstand kontaktierte uns aus einer offensichtlich nicht ganz einfachen Situation heraus, suchte unseren Rat. Mit der Geschäftsführerin Ruth Zenger führten wir intensive Gespräche, zu dritt, bei uns am Mittagstisch. Und plötzlich stand die Idee einer «Frick-Schnyderschen Koproduktion im Raum ...» Konkret werden Fränzi Frick und Oliver Schnyder das Festival als Intendantenpaar leiten, wobei Frick die Federführung inne hat.

Eingespieltes Team

Solche Koproduktionen sind den beiden vertraut. Als Gastgeberin empfängt etwa Frick das Publikum bei den Konzerten im Piano District, die Schnyder ins Leben gerufen hat. Und als er im Frühjahr mit der Intendanz des Davos Festivals betraut wurde, hat er dieses Amt mit Frick als enger Beraterin an seiner Seite angetreten.

Die Geigerin, Kammermusikerin («Le Donne Virtuose») und Dozentin der Zürcher Hochschule der Künste erklärt: «Oliver steht stärker in der Öffentlichkeit. Unsere künstlerische Vernetzung betreiben wir aber nicht zuletzt als Ehepaar, was den Ausschlag gab, die künstlerische Leitung gemeinsam in die Hand zu nehmen.»

Damit nimmt eine turbulente Phase der Lenzburgiade auf schönstmögliche Art ein Ende (siehe Chronologie unten). Nicht nur sind Oliver Schnyder und Fränzi Frick herausragende und sensible Interpreten – ähnliche Sensibilität legen sie auch im Umgang mit Musikerkollegen und Mitmenschen an den Tag.

Von Schwierigkeiten nicht gewusst

Vom Ausmass der Schwierigkeiten rund um die Intendanz hat das Musikerpaar gemäss eigener Angaben bis vor wenigen Tagen nichts gewusst. Dass sie sich beide als leidenschaftliche Teamplayer sehen, macht diese Aussage glaubhaft: «Uns liegt viel an der Idee, dass man sich gegenseitig wie ein Netz trägt und hilft», so Frick. Wenn es nach ihr geht, darf die Lenzburg ruhig zur Hochburg für Teamplay werden.

Ansonsten möchten beide das programmatische Gleichgewicht zwischen internationaler Volksmusik und glanzvoller Klassik halten, das vom Gründer und ehemaligen Intendanten Stephan Goerner mit viel Herzblut aufgebaut wurde: «Seinem Erbe und seiner Handschrift fühlen wir uns verpflichtet», erklärt sie.

Dass sich das Paar als Aargauer Urgestein fühlt und der Region dankbar ist, soll auch an der Lenzburgiade hörbar werden: «Wir möchten dem Aargauer Musikschaffen Rechnung tragen», erklärt Schnyder. Und Frick doppelt nach: «Unser erstes Festival im kommenden Jahr wird unter dem Motto ‹Vive l’Argovie!› stehen.»

Für eines der Highlights made in Aargau werden Stars wie Adi Stern und Cathryn Lehmann sorgen. Auch Spukgeschichten rund um die Lenzburg sollen in den Burg-Gemäuern für einmal musikalisches statt gespenstisches Echo finden – dafür wird auf dem Metzgplatz eine «Tanzbeinschwinget» gefeiert. Geplant ist zudem eine langfristige Partnerschaft mit dem Argovia Philharmonic – und ebenso mit dem Carmina-Quartett, dem Stephan Goerner bis zu seiner Erkrankung 2016 angehörte.

Beiträgen aus dem Bereich der Volksmusik, welche an der Lenzburgiade traditionell mit der Klassik Hand in Hand geht, gilt Fricks besonderes Augenmerk. Da sie mit ihrem Quartett ebenfalls selbst arrangierte Jazz- und Pop-Standards sowie Folk spielt. Dabei mag es die Geigerin umso lieber, «je mehr die Musik ihre Ursprünglichkeit bewahrt.» Und auch die Ursprünge sowie die Zukunft des Festivals Lenzburgiade – sie scheinen in den vier geschickten Händen des Ehepaares Frick-Schnyder bestens aufgehoben.