«Die Voraussetzungen für eine fürsorgerische Unterbringung von Tobi B. sind weiterhin gegeben», sagt Nicole Payllier, Mediensprecherin der Gerichte Aargau, auf Anfrage. Neu wird diese allerdings nicht mehr in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg vollzogen, wo Tobi B. seit 2012 untergebracht war, sondern in eine Institution im Kanton Zürich verlegt. Ob es sich dabei um eine Psychiatrie handelt, konnte Payllier nicht bestätigen.

In der Vergangenheit hatte das Bundesgericht das Familiengericht Lenzburg mehrmals darauf hingewiesen, eine «geeignete Einrichtung» für die fürsorgerische Unterbringung des heute 28-Jährigen zu finden. Nach Rechtssprechung des Bundesgerichts handelt es sich dabei in der Regel um eine psychiatrische Einrichtung – nicht um eine Strafanstalt oder Justizvollzugsanstalt. Nach mehreren erfolglosen Anfragen bei möglichen Institutionen wurde nun im Kanton Zürich ein Platz für Tobi B. gefunden. Auch am neuen Ort werde der Mann im Rahmen der fürsorgerischen Unterbringung weiterhin eng betreut und behandelt.

Der Entscheid des Familiengerichts wurde nicht angefochten und ist daher rechtskräftig. Die fürsorgerische Unterbringung wird laut Payllier grundsätzlich alljährlich überprüft. 

Tobi B. hatte 2008 als 17-Jähriger in einem Aarauer Sexsalon eine Prostituierte vergewaltigt, stranguliert und ermordet. Nach Jugendstrafrecht wurde er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, die er auch absass. Wegen Rückfallgefahr wurde aber eine fürsorgerische Unterbringung in der Strafanstalt Lenzburg angeordnet. Diese Massnahme ergreift die Justiz bei Personen, die an einer psychischen Störung oder an einer geistigen Behinderung leiden oder schwer verwahrlost sind und nicht anders behandelt oder betreut werden können. Sie dient dem Schutz der betroffenen Person sowie der Umgebung.