Lenzburg
Wo Blasmusik ertönt, steckt Brunner dahinter

André und Hans Peter Brunner prägen das Blasmusikwesen der Stadt Lenzburg – sie eckten mit ihren Ideen auch schon an. Andere Musikvereine meinten, sie würden ihnen die Mitglieder wegnehmen. Heute bestehe kein Konkurrenzdenken unter den Vereinen.

Markus Christen
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André Brunner und sein Sohn Hans Peter sind wichtige Akteure in der örtlichen Blasmusikszene.

André Brunner und sein Sohn Hans Peter sind wichtige Akteure in der örtlichen Blasmusikszene.

Markus Christen

1959, die Beatles standen in den Startlöchern, um mit ihrer Rockmusik die Welt zu erobern. André Brunner war zu dieser Zeit bereits ein begeisterter Blasmusiker. In der Kadettenmusik Lenzburg hatte er Fuss gefasst. Auf seinen beruflichen Wanderjahren im Welschland spielte der bei der Union Instrumentale de Territet und sein geliebtes Tenorhorn später in der Weltmetropole London bei der Barnet Band.

In London, an einem Parkkonzert zu den Klängen des Euphonisten Barrie Perrins erlebte André Brunner sozusagen eine musikalische Offenbarung. «Was ich da zu hören bekam, war eine völlig neue Klangwelt. Ich legte mein Instrument auf die Knie, konnte nicht mehr spielen und nur noch mit offenem Mund lauschen und staunen», schreibt André Brunner in seiner Autobiografie, die er vor drei Jahren verfasst hat.

Von diesem Moment an war Brunner mit dem Brass-Band-Virus infiziert. Nach seiner Rückkehr nach Lenzburg, die sogar von einer Notiz im Daily Herald begleitet wurde, folgte der Eintritt in die Stadtmusik.

Zwei Formationen gegründet

Doch die Sehnsucht nach Brass-Band-Musik war so stark, sodass André Brunner die Stadtmusik verliess. Ausserdem, so sagt er heute, seien die Vereinsstrukturen zu jener Zeit äusserst starr gewesen. Ein Umstand, der den weit gereisten Musikanten zu stark einengte.

Seither hat André Brunner das Blasmusikwesen der Stadt Lenzburg entschieden geprägt. 1967 gründete er zum Beiklang kritischer Stimmen die Freischaren-Musik, 1974 mit Brass-Band-Freaks aus der Region die Brass Band Imperial Lenzburg (BBI), die heute zu Recht neben der Brass Band Fricktal als beste Formation des Kantons gilt. «Es waren dabei auch kritische Stimmen zu vernehmen, die meinten, wir würden den Musikvereinen ihre Mitglieder wegnehmen», blickt André Brunner heute zurück.

In der BBI musizierte später auch der zweite Sohn Hans Peter Brunner, bevor er musikalisch zu Lenzburg einige Distanz herstellte, allerdings ohne dabei das Wirken und Treiben in seiner Geburtsstadt aus den Augen zu verlieren. Die Krise der Stadtmusik Ende der 90er-Jahre verfolgte Hans Peter Brunner, der inzwischen auch als Dirigent arbeitete, genau.

Die damals getätigte Aufspaltung in vier projektbezogene Formationen, darunter die Big Band, hält er für den richtigen Weg. Und auch deshalb liess sich Hans Peter Brunner im Jahr 2005 als musikalischer Leiter engagieren.

Kulturelle Anlaufstelle als Vision

Heute bilden die BBI, die sich der ambitionierten Brass Band Literatur verschrieben hat, und die Unterhaltungsformationen der Stadtmusik neben dem Jugendspiel, das sich um den Nachwuchs kümmert, die blasmusikalischen Standbeine der Stadt. Zusätzlich hat auch die BBI mit ihrer B-Band eine eigene Nachwuchsformation etabliert.

Ein Konkurrenzdenken besteht unter den Vereinen nicht. Dies bestätigen sowohl Hans Peter Brunner als auch Pascal Koller, Präsident der BBI. Fast alle Musiker der BBI seien auch in einem Verein tätig, so Koller. Er selbst schätze es, dass die Brass Band die Möglichkeit biete, Literatur zu spielen, die in den Musikvereinen nicht im Angebot stünde.

Hans Peter Brunner sagt, der Musikstandort Lenzburg funktioniere gut. «Es besteht für alle Arten der Blasmusik ein Angebot.» Und doch denkt der Dirigent der Concert Band bereits einen Schritt weiter. Die Vereinsstrukturen müssten sich dem Wandel in der Gesellschaft anpassen.

Brunner entwirft die Vision einer kulturellen, städtischen Anlaufstelle für alle Vereine, die sich um werbetechnische und administrative Belange kümmert. Er weiss, dass die Umsetzung einer solchen Idee auf Widerstand stossen würde. «Ich bin aber überzeugt, dass diese Strukturen funktionieren können.»

Derweil steht für die Big Band der Stadtmusik die jährliche Swing Night auf dem Programm. Geboten wird ein Tanzabend im Stile der 30er- und 40er-Jahre, der mit kulinarischen Leckerbissen aus der Küche des Hotels Krone garniert wird.

Gar ein Jubiläum zu feiern hat die BBI. Das Frühlingskonzert der BBI in Möriken bildet den Startschuss zu einer Sammelaktion. Die Brass Band sucht finanzielle Mittel für den Ersatz ihrer in die Jahre gekommenen Uniform.