Pakistan

«Lernen ist der Schlüssel für die Zukunft»

© Solothurner Zeitung

Der grüne Badener grossrat Yahya Bajwa verhilft in Pakistan Mädchen aus ärmsten Familien zu einer Schulbildung. Zur Arbeit seines Hilfswerks sagt er: «Steter Tropfen höhlt den Stein.»

Im August letzten Jahres hielten schlimme Nachrichten aus Pakistan die Menschen weltweit in Atem. Grund war eine Flutkatstrophe biblischen Ausmasses. Doch längst dominieren andere Schlagzeilen. Jüngst diejenigen über die Tötung des Terroristen Bin Laden.

Doch in den zahllosen Berichten über diesen US-Coup in Pakistan liest man nicht einmal in einem Nebensatz, was aus den Millionen Menschen geworden ist, die damals meist nur ihr nacktes Leben retten konnten. Viele Organisationen helfen aber weiterhin dort.

Eine davon – vielleicht die kleinste – ist im Aargau beheimatet. Es ist der Verein Living Education, gegründet 2001 vom schweizerisch-pakistanischen Doppelbürger Yahya Bajwa aus Baden.

Bajwa hat ein Büro für Forschung, Kommunikation und interkulturelle Wirtschaftsbeziehungen, vertritt das team im Badener Einwohnerrat, ist Grossrat der Grünen und Delegierter bei den «European Greens».

Sein junger Verein kann trotz sehr knapper Mittel beeindruckende Projekte vorweisen: Bei Islamabad hat er ein Internat für 120 bis 140 Mädchen aus ärmsten Verhältnissen aufgebaut, Kindergärten und ein Ausbildungsseminar für Kindergärtnerinnen, ein Menschenrechtsbüro und eine Anlaufstelle für Frauen. Unter den Kindern sind auch Christen, die es besonders schwer haben.

Als Folge der Flutkatastrophe gingen 2010 mehr Spenden ein. So konnte das kleine Hilfswerk vielen Kindern, deren Familien in der Flut alles verloren hatten, je einen Schulthek, ein Schreibheft und Schreibzeug schenken.

Irgendwo in der riesigen Not muss man ja anfangen, um wieder etwas Normalität zu vermitteln. Bajwa ist fest überzeugt: Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft dieser Kinder. Eben war er erneut einen Monat in Pakistan, um mit Helfern nach den ersten 3500 nochmals 1000 in Pakistan hergestellte Schultheks, Hefte und Schreibzeug zu verteilen. Auf allem, was die Hilfsorganisation verteilt, sind Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer aufgedruckt.

Dies in der Hoffnung, dass Frauen in Not auf sie aufmerksam werden. Von der jüngsten Reise brachte Bajwa ein erschütterndes Video mit, auf dem ihm eine 27-jährige Frau ihre Leidensgeschichte erzählt.

Sie ist jetzt mit ihren drei Kindern im Frauenhaus geschützt. Ihr Mann ist arbeitslos und hat sie in die Prostitution gedrängt. Vom Ertrag lebte die Familie. Ihm schien es so wohl zu sein: «Er sitzt vor der Tür, trinkt Tee und raucht.»

Doch die Frau kann nicht mehr. Das Gesetz schütze zwar offiziell die Frauen, sagt Bajwa. In der Realität gälten aber uralte Traditionen. Viele leiden unter häuslicher Gewalt, manche werden richtiggehend gefoltert. Oft sind Schwiegermutter oder Schwägerin die Täterinnen, weil die Mitgift zu klein ist.

Doch im Fall der Frau, die Anfang Mai ins Frauenhaus geflohen ist, ist Bajwa zuversichtlich, dass es dank Anwalt mit der Scheidung und vielleicht sogar der Rückgabe der Mitgift klappt. Hoffentlich!

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