Photovoltaik

Mangel an Fachleuten - Solarboom könnte nicht bewältig werden

Solaranlage des Oberstufenzentrums Bad Zurzach.  Michael Hunziker Solaranlage des Oberstufenzentrums Bad Zurzach.  Michael Hunziker Solaranlage des Oberstufenzentrums Bad Zurzach.  Michael Hunziker

Solaranlage des Oberstufenzentrums Bad Zurzach. Michael Hunziker Solaranlage des Oberstufenzentrums Bad Zurzach. Michael Hunziker Solaranlage des Oberstufenzentrums Bad Zurzach. Michael Hunziker

Seit der Atomkatastrophe sind alternative Energien im Aufwind. Viele Leute denken laut darüber nach, ob sie eine Solaranlage für Warmwasser auf dem Dach installieren sollen oder Panels für die Photovoltaik zur Erzeugung von Strom.

«Man merkt schon, dass eine neue Dynamik in den Markt kommt», sagt Inhaber Martin Hochuli von der Hochuli Holzbau AG in Schlossrued. «Die Leute beschäftigen sich generell mit erneuerbaren Energien und den Förderungen dafür, wir bekommen viele Offertanfragen», stellt Hochuli fest. Bei den verschärften Wärmedämmungen wüssten die Leute genau, dass Fördergelder erhältlich sind.

Akuter Mangel an Fachpersonal

Weil die eigenen Leute in der warmen Jahreszeit für die Montagen nicht mehr ausreichen, sucht der Holzbauer dringend Fachpersonal. «Ein Schweizer Zimmermann mit Erfahrung ist nicht zu finden», stellt Martin Hochuli ernüchtert fest. «Ein deutlich stärkeres Interesse durch den Fukushima-Effekt spürt man», sagt Geschäftsführer Urs Kessler vom Solarmarkt Aarau. Das Unternehmen beliefert «von Genf bis St. Moritz» Installateure von Photovoltaikanlagen. Das reicht von Wissenstransfer bis zu selber entwickelten Produkten. «Durch den Fachleutemangel wären die Schweizer Installateure heute gar nicht in der Lage, einen Boom zu bewältigen, da kämen vermehrt deutsche Firmen», erklärt Kessler.

Warten auf Gelder des Bundes

«Unser Umsatz ist höher als budgetiert – aber nicht wegen Japan», betont Urs Kessler. In den Startlöchern sind viele, sie alle warten auf das Startzeichen aus Bern: Konkret auf grünes Licht für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), mit welcher der Bund de facto die Zusatzkosten für den teureren Solarstrom zahlt. Wenn der Bundesrat die KEV-Gelder ab 2013 auf 500 Millionen Franken erhöht oder gemäss neuesten Absichten noch weiter aufstockt, wird das Land mit Modulen für die Photovoltaik eingedeckt. Denn alle ab Mai 2008 eingereichten Gesuche für Gelder stehen auf der Warteliste. Mit der Erhöhung des KEV-Fördertopfes müssen die Kunden ab 2013 pro Kilowattstunde (kWh) 0,9 statt 0,45 Rappen zahlen. Heute speisen 1600 Anlagen Solarstrom ins Netz, 56 sind bewilligt und 7033 stehen auf der Warteliste. Auch bei einem grossen Boom wird der inländische Sonnenstrom die Atomkraftwerke nicht über Nacht ersetzen können: Ende 2009 betrug der Anteil Solarstrom nur 0,078 Prozent der Inland-Produktion. Die AKW liefern landesweit 40 Prozent, im Axpo-Gebiet sind es gegen 78 Prozent.

Tiefer Anteil beim Kantonswerk

«Man merkt schon, dass vermehrt Anfragen kommen, das wird sicher noch zunehmen», betont Thomas Oppliger, Geschäftsführer und Inhaber der Haustechnik Oppliger AG in Othmarsingen und Lenzburg. Die AEW Energie AG stellt bisher keinen Run auf Naturstrom fest, nur ein leicht höheres Interesse. «Von den 80000 Privatkunden beziehen nur 1200 oder 1,5 Prozent eines der Naturstromprodukte», heisst es auf Anfrage. Reinen Solarstrom bietet die AEW Energie AG der Kundschaft nicht an. Zusätzliche Unterstützung gibt es auch bei der Fachstelle Energie im Departement Bau, Verkehr und Umwelt nicht. «Der Bund fördert das via KEV, wir wollen keine Doppelspurigkeiten», erklärt Daniel Twerenbold dazu. Für die per 2010/11 bewilligten Gesuche um Unterstützung habe der Kanton genügend Mittel.

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